Freitag, 29. Mai 2009

Große Fotolehre

"Selbst ein technisch ausgefuchster Fotograf wird von seinen Aufnahmen enttäuscht sein, wenn er es nicht versteht, seine technischen Möglichkeiten mit den bildmäßigen Anforderungen des Motivs und der beabsichtigten Aussage in Einklang zu bringen. (...) Er muss den Prozess nicht nur technisch beherrschen, sondern auch schöpferisch zu nutzen wissen."

Weise und wahre Worte. Das Zitat stammt von Andreas Feininger, dessen "Große Fotolehre" für mich auch heute noch ein lesenswerter Klassiker ist. Ein Buch wie dieses würde heute kein Verlag mehr heraus bringen: irrsinnig viel Text und in der Mitte einige altmodische Bilder in dürftiger Druckqualität. Die Ausgabe, die ich besitze, stammt noch aus den 70er Jahren.

Ein Rezensent bei Amazon schreibt: "Ich sehe dies als pure Verzweiflung des Verlages bzw. Autors an, mit dem hoffnungslos veralteten Buch durch die Neuauflage den Eindruck von Aktualität zu wecken und dadurch die Verkaufszahlen zu steigern. (...)"

Der ambitionierte Fotograf, dem dieses Buch im Jahr 2008 kein "Mehr an Wissen" brachte, wusste offensichtlich nicht, dass der Autor schon 1999 verstorben war. Er hätte also sein Werk gar nicht mehr aktualisieren können. Zugegeben, das Buch ist alles andere als modern. Und trotzdem nehme ich es immer wieder mal zur Hand, weil darin alle Grundlagen hervorragend erklärt sind. Angaben zu modernen Kameras fehlen. Aber dafür bringt Andreas Feininger andere wichtige Dinge auf den Punkt, die in der modernen Fotoliteratur oft gar nicht auftauchen.

Für Feininger war die wichtigste Voraussetzung für gute Fotos das wahrhaftige Interesse des Fotografen an seinem Motiv. Heutzutage fragt kaum jemand nach Inhalt oder Bedeutung eines Bildes. Entweder geht es um die Technik (wie stark ist das Bildrauschen, wie viele Messfelder hat der Autofokus, wie viele Bilder schafft die Kamera im RAW-Format in Serie...) oder um ein schickes Bildergebnis, mit dem man in Foren und Communities auftreten kann. Wenn Fotos diskutiert werden, dann wird eher danach gefragt, WIE der Fotograf das Bild gemacht hat. Und während Menschen bei jedem tragischen Ereignis das Wörtchen "WARUM???" an die Wand und auf Plakate malen, scheint es beim Fotografieren seltsamerweise niemanden zu interessieren...
Warum eigentlich?

Andreas Feiningers Große Fotolehre

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