Freitag, 12. März 2010

Exkursion U-Bahn

Der "Klassiker" der U-Bahn-Fotografie zum Thema "Arbeiten mit der Verschlusszeit"

So wird's gemacht:

Man wählt den Bildausschnitt mit einem unbewegten Motiv und wartet, bis etwas Bewegtes hindurch rauscht. Klingt einfach, aber das allein ist schon ein wichtiger Schritt: im Motiv darf nichts Störendes erscheinen, damit es klar und plakativ wirken kann. Alle punktförmigen, hellen Lichtquellen sind potenzielle Störenfriede. Auch in dieser Aufnahme sieht man einen überdurchschnittlich hellen, blauvioletten Fleck am oberen Bildrand: Dort ist die Beleuchtung in der Säule am hellsten und selbst auf dem bewegten Zug reflektiert das Licht so stark, dass es zu einem "Smearing" (Ausbluten, Überlaufen) der Pixel kommt. Das müsste oder könnte man später retuschieren. Wenn sich das Motiv so arrangieren lässt, dass nichts reflektiert: noch besser.

Die Belichtungszeit muss so lang sein dass das Bewegte verwischt wird. Eine kurze Belichtungszeit friert die Bewegung ein das wäre hier nicht erwünscht. Es muss also etwas länger belichtet werden. Aber wie lange genau?

Erfahrungswerte: 1/10 sek und länger - wie stark der Zug verwischt, kommt auf die Geschwindigkeit an, mit der er ein/ausfährt. Bei einem Zug, der den Bahnhof verlässt, sind die vorderen Waggons langsam, die letzten schnell. Bei einem einfahrenden Zug sind die vorderen Waggons schnell, die hinteren langsam. Es kommt also auch darauf an, von wo man den Zug anvisiert. Man muss ausprobieren, und sich an die optimalen Verschlusszeiten heran tasten. Weil immer wieder neue Züge kommen, ist das relativ einfach: man kann den nächsten abwarten und eine neue Serie fotografieren, bis das Ergebnis stimmt.

Dieses Foto hier ist aus der Hand gemacht, also konnte ich nicht allzu lange belichten, sonst hätte ich verwackelt - 1/10 sek (mit Bildstabilisator) musste reichen. Dafür musste der Zug, um vollständig zu verwischen, ziemlich schnell sein. Nur die letzten Waggons waren dann auch schnell genug - das Bild ist das letzte aus einer Serie von 5 Bildern des gleichen Zuges. Um die Zeit exakt zu bestimmen: Zeitvorwahl an der Kamera einstellen.

ISO-Wert: 640 für das Fotografieren aus der Hand. Mit einem Stativ ausgerüstet, geht es natürlich auch mit ISO 50 oder ISO 100 und längeren Verschlusszeiten, da muss der Zug dann nicht ganz so schnell sein, und wird trotzdem verwischen.

Weißabgleich: der AWB (Automatische Weißabgleich) an der Canon EOS 40D lieferte diese aparte Mischung aus verschiedenfarbigen Lichtern. Die blau beleuchteten Säulen sehen nur mit dem Auge der Kamera violett aus. Das menschliche Auge sieht sie in einem reinen tiefen Blau.

Wer es ganz genau austarieren will: RAW-Format und/oder manueller Weißabgleich.

Nachbearbeitung:
Bis auf eine leichte Tonwertkorrektur und dem Ausflecken von zwei kleinen hellen Stellen: keine Korrekturen an diesem Bild.

Nebenbei bemerkt
Unverzichtbar ist beim Fotografieren in der U-Bahn die offizielle Fotografiererlaubnis, die wir natürlich hatten. Jeder, der länger als ein paar Minuten mit der Kamera auf dem Bahnhof steht, wird vom Personal oder Sicherheitsdienst angesprochen. Grundsätzlich ist es erlaubt, für private Zwecke einzelne Bilder zu knipsen, auch ohne Genehmigung. Aber richtig fotografieren dauert etwas länger, vor allem mit Stativ. Der Blitz ist tabu, wenn Züge ein-/ausfahren.
Wer mit Stativ arbeitet, sollte aufpassen, dass den eilig vorbei huschenden Passanten kein Bein gestellt wird. Und natürlich zur eigenen Sicherheit: Abstand zur Bahnsteigkante!