Mittwoch, 20. Februar 2013

Strategien gegen den Fotofrust (Teil 2)


Sie haben den ersten Teil des Artikels verpasst? Dann klicken Sie hier. Wenn die dort vorgestellten Methoden keinen Erfolg zeigen, oder nichts für Sie sind, dann gibt es weitere Strategien, um sich wieder in den "Fotomodus" zu bringen.

Strategie 7: Eine neue Kamera kaufen?
Das ist sicher die kostenintensivste Methode, um den Spaß am Hobby wiederzubeleben. Andererseits entwickeln sich die Kamerasysteme ständig weiter. Wer mit einer sehr alten Digitalkamera unterwegs ist, wird einen deutlichen technischen Qualitätsunterschied in den Bildern bemerken. Neben der höheren Auflösung von Sensor und Kameradisplay ist bei Spiegelreflexkameras die automatische Sensorreinigung zum Standard geworden, die Fotos haben kräftigere Farben, sind schärfer und die Kameras sind in der Lage, den Kontrastumfang zwischen dunklen und hellen Bildbereichen besser auszugleichen. Neue Funktionen laden zum Experimentieren ein, und manch einer findet auch Gefallen an der Videoaufzeichung. Selbst im reinen Amateurbereich ("Hobbyknipser ohne Ambitionen") sollte man nach etwa fünf Jahren an eine neue Kamera denken. Ambitionierte Fotografen liebäugeln nach etwa zwei Jahren mit einem Nachfolgemodell.
Durch die verschiedenen Kamerasysteme (spiegellose Systemkameras, Edelkompakte, Bridge- und Spiegelreflexmodelle) ist die Qual der Wahl größer geworden. Der Trend geht zur Zweit-, Dritt- und Viertkamera. Womöglich haben Sie im Schrank schon einen kleinen Kamerazoo. Welche Geräte nutzen Sie noch? Vielleicht freut sich irgendjemand über eins Ihrer Kameramodelle, oder Sie können es noch zu Geld machen. Auch wenn für Gebrauchtgeräte nicht viel zu bekommen ist: durch Herumliegen werden die Kameras nicht besser. Um sich mit einer mittelalten Kamera zu versöhnen, gehen Sie doch mal mit einem dieser ganz alten Dinger auf Motivjagd... ;-)

Die IXUS II - meine älteste Kamera















Strategie 8: Die Bedienungsanleitung lesen
Wenn Sie überhaupt kein Budget für eine Neue haben oder sich der Diktatur der steten Kameraerneuerung bewusst widersetzen, werfen Sie noch einmal einen Blick in die Bedienungsanleitung. Haben Sie wirklich alle Möglichkeiten Ihrer aktuellen Kamera genutzt? Wissen Sie, was die kleine Zauberkiste wirklich kann? Vor allem erfahrene Fotografen tendieren dazu, die fünf Knöpfe an einer Kamera zu benutzen, die sie von früher kennen. Das ist nicht unbedingt schlecht, aber manchmal gibt es sinnvolle Funktionen oder zumindest welche mit Spaßfaktor. Wie wäre es mit einer Videosequenz, vielleicht sogar in Zeitlupe, wenn Ihre Kamera das drauf hat?

 Suchen Sie im Inhaltsverzeichnis oder im Index nach Begriffen, die Sie nicht kennen und nehmen Sie sich eine oder zwei Funktionen vor, die Sie bisher noch nie benutzt haben. Womöglich entstehen dabei interessante Aha-Effekte.

Falls sich die gesamte Bedienungsanleitung als Buch mit sieben Siegeln entpuppt, ist es vielleicht ratsam, einen Fotokurs zu besuchen...


Strategie 9: Knipsen, experimentieren, Masse produzieren
Für die Strategien 7 & 8 müssen Sie ein gewisses Maß an Technikbegeisterung mitbringen. Die Motiv- und Bild-orientierten Fotografen könnten dabei noch weiter in den Keller ihres Fotofrusts rutschen. Für Sie ist es günstiger, wenn Sie sich überhaupt nicht weiter um die Technik kümmern. Lassen Sie die Spiegelreflexkamera oder was immer Sie normalerweise benutzen, um "richtige" Fotos zu machen, zu Hause. Nehmen Sie ein Fotohandy oder irgendeine andere Knippse und sammeln Sie Ideen. Es kommt nicht darauf an, dass Ihre Bilder perfekt werden: viel wichtiger ist, dass Sie wieder ins Tun kommen.
Die Motive, die Sie auch ganz nebenbei im Alltag entdecken, können Sie später als Ideenvorlage nutzen. Nutzen Sie Bildbearbeitungs-Apps oder stellen Sie mit Ihrem Bildbearbeitungsprogramm bunte Tableaus aus mehreren Handyfotos zusammen. Ein riesiges Poster aus Handyfotoquadraten hat nicht jeder an der Wand.

mobil geknipst
und am Computer nachbearbeitet

Strategie 10: Ideen finden - Nehmen Sie sich Zeit!
Nehmen Sie sich eine Stunde Zeit und gehen Sie in eine Bibliothek oder in einen Buchladen. Stöbern Sie nicht nur in der Fotofachliteratur, sondern nehmen Sie (auch) die Abteilung mit den fotografischen Bildbänden ins Visier. Natürlich ist auch das Internet ein fantastischer Ideengeber, aber das schnelle Medium hat den Nachteil, dass man viele tolle Motive und Ideen, die man dort findet, genauso schnell wieder vergisst, wie man sie durchgeklickt hat. Das Gewicht eines Bildbands in der Hand und das langsame Durchblättern der Seiten sorgt für Entschleunigung und bereitet den Nährboden für Ihre eigene Kreativität. Der Besuch von Ausstellungen gehört ebenfalls zu den inspirierenden Strategien eines ambitionierten Fotografen.

Strategie 11: Kombipackung
Sie oder Ihr/e Partner/in haben sicher noch andere Hobbies. Verbinden Sie das Fotografieren mit der oder den anderen Beschäftigungen, denen Sie nachgehen. Handball, Schach, oder Kinoabend: vor dem Lichtspielhaus warten vielleicht interessante Leuchtreklamen. Eine kleine Kamera, die in die Jackentasche passt, oder das Fotohandy, reduzieren den Aufwand und den Ballast. Die meisten Fotos werden bekanntlich nichts, weil keine Kamera in Griffweite war...

Strategie 12: Gemeinsam fotografieren
In einer Gruppe von Gleichgesinnten geht vieles leichter, auch das Fotografieren. Verabreden Sie sich mit anderen Fotobegeisterten, ziehen Sie gemeinsam los oder treffen Sie sich zum Kaffee, um Neuigkeiten über Ihre fotografischen Ideen auszutauschen. Es ist wie beim Joggen oder beim Gang ins Fitnessstudio: Wenn es einen festen Termin gibt, wird Sie der innere Schweinehund nicht so leicht von Ihrem Vorhaben abbringen. Beim Fotografieren in einer Gruppe können Sie beobachten, mit welchen Motiven sich die anderen beschäftigen, sich Tipps geben lassen und ins Gespräch kommen.

Die richtigen Leute finden
Während der Kontakt zu anderen Fotobegeisterten früher vor allem durch die Mitgliedschaft in einem Fotoclub zustande kam, ist heute das Internet der größte Treffpunkt.
fotocommunity-Stammtische, Usertreffen und gemeinsame Fotoaktionen kann man über den Terminkalender der fc finden. Auch bei flickr gibt es Gruppen (z.B. photowalking munich), deren Aktivitäten man online verfolgen kann. Twitter, facebook & Co. sorgen dafür, dass man die Termine für die gemeinsamen Fotoausflüge im Blick behält.


Nicht jeder mag sich zu einem großen fotocommunity-Stammtisch gesellen. Bei großen Veranstaltungen mit zwanzig oder mehr Teilnehmern tauchen schüchterne Menschen ganz gerne in der Anonymität der Gruppe unter. Neben dem praktischen Fotografieren ist aber auch der spätere Austausch über die Bilder wichtig - nur so kommt man langfristig weiter. Wer sich lieber in einem überschaubaren Rahmen mit Fotofreunden umgibt, kann man sich seinen eigenen Foto-Freundeskreis aufbauen, z.B. in der fotocommunity (Mitgliedersuche > nach Ort filtern) oder man geht über die sozialen Netzwerke wie facebook oder google+  Was digital beginnt, findet seine Fortsetzung im realen Leben, wenn man auf der gleichen Wellenlänge ist. Auch in Kursen oder Workshops sind schon langjährige Foto-Freundschaften entstanden.

Strategie 13: Ein Fotoprojekt starten
Wenn Sie lieber Ihren eigenen Weg gehen, und zeitlich absolut flexibel bleiben wollen, dann treffen Sie eine Verabredung mit sich selbst. Suchen Sie sich ein reizvolles Thema, zu dem Sie über einen befristeten oder längeren Zeitraum Fotos schießen werden. Wichtig ist dabei, dass Sie sich selbst Ziele setzen und bei einem längeren Projekt auch Meilensteine definieren. Das langfristige Ziel könnte eine Ausstellung sein. Um am Ball bzw. am Thema dran zu bleiben, könnte Ihre Verabredung lauten: Jede Woche ein Foto zum Thema x. Um den Druck zu erhöhen, zeigen Sie dieses Foto in einer Online-Galerie oder auf Ihrer facebook/g+ Seite. Ideen für Projekte finden Sie im Internet, bei anderen Fotografen, oder - so viel Eigenwerbung möge mir am Ende des Artikels gestattet sein - im Buch Fotografieren!

Natürlich freue ich mich über Feedback - zum Artikel, zum Buch und zum Thema Fotoprojekte allgemein. Links zu eigenen Projekten oder Erfahrungen im Umgang mit dem Fotofrust als Kommentar unter diesem Beitrag sind erwünscht!

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