Freitag, 20. März 2015

SoFi 2015

Ich weiß noch, wie mein alter Fotohändler stöhnte, als vor unerdenklich langen Zeiten der Berliner Reichstag von Christo und Jeanne-Claude verhüllt wurde. Einmal pro Woche holte ich meine entwickelten Filme ab, und wir unterhielten uns eine Weile. Irgendwann platzte ihm der Kragen: "Ich kann es nicht mehr sehen, die fotografieren alle das gleiche."
In den nächsten Tagen wird es uns genauso gehen: Wir werden SoFi-Fotos sehen ohne Ende.















Freier Himmel, freier Blick auf das kosmische Ereignis und natürlich haben wir uns alle mit Kameras bewaffnet und mehr oder weniger ehrfürchtig in den Himmel geblickt. Sieht schon klasse aus, wenn die Sonne zur Sichel wird, und ausschaut wie die Grinsekatze aus Alice im Wunderland. Aber mal ehrlich: So richtig sexy ist so eine Gelb-Schwarz-Grafik nicht. Die könnte man auch mit Powerpoint zeichnen. Der einzige Anreiz, ein korrektes Foto von den Phasen einer SoFi zu machen, besteht darin, die handwerklichen Fähigkeiten als FotografIn zu erproben. Und dann?

I was here  - ich war dabei. 
Aber was habe ich dabei erlebt? Wie habe ich das Ereignis wahrgenommen? Dieser Aspekt bleibt bei der handwerklich korrekten Fotografie gerade bei so einem Ereignis außen vor.

Die Leser meines Newsletters haben gestern Nachmittag noch erfahren, dass ich die SoFi mit Freunden auf der Dachterrasse verbringen wollte, ein bisschen knipsen nebenbei, klar. Brille auf, Brille ab, gute Gespräche führen und spüren, wie es empfindlich kalt wird, je weiter sich die Sonne verfinstert.

Wie sieht die Sonne aus, wenn man einen kurzen Blick ohne Schutzbrille riskiert? Ich habe gehört, dass in einigen Schulen sämtliche Fenster mit Folien verklebt worden sind, damit die Kinder ja keinen Schaden davontragen. Wie bedauerlich ...

Weil ich mal wieder rumgeknipst habe, sind die Fotos, die ich wirklich spannend finde, alles andere als schulbuchmäßig. Überstrahlungen, Reflexionen, Lichtkreise und helle Fluppen - tanzende Mücken im Gegenlicht. Meine SoFi-Fotos sind so, wie sie sind. Mir ist egal ob andere sie mögen oder nicht. Ich weiß jetzt schon, welches ich mir nicht an die Wand hängen würde. Das allererste oben. Wenn schon "Outer Space", dann richtig. 

















Für die, die es interessiert
Kamera: Lumix FZ1000, 400 mm Brennweite, manueller Fokus, Modus M, ISO 80, f8, Belichtungszeiten von 1/15 bis 1/16.000 s; kreativer Einsatz eines IR-Filters + moderate Nachbearbeitung in Photoshop.
Die EOS 7D hab ich auch benutzt, aber schnell wieder beiseite gelegt. Nicht flexibel genug für meine Zwecke.

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