Freitag, 4. Dezember 2015

Günter Spitzing: So fing alles an

Wie berichtet ergab sich im Herbst 2015 die schöne Gelegenheit, dem Fotografen und Buchautor Günter Spitzing eine ganze Reihe von Fragen zu stellen. Hier ist Teil 1 des Interviews, bei dem wir in die Vergangenheit zurückblicken - wie alles anfing.

Die in dieser Artikelserie gezeigten Bilder hat Günter Spitzing freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Mauerbau Berlin, 1963 -
© Günter Spitzing

















Herr Spitzing, wenn man Ihren Werdegang anschaut, drängt sich der Eindruck auf, dass Sie in diesen beinahe 85 Jahren mehrere Leben nacheinander, vielleicht auch parallel geführt haben: Sie sind 1931 geboren, d.h. Ihre Kindheit und Jugend in den Kriegs- und Nachkriegsjahren dürfte nicht einfach gewesen sein. Nach dem Abitur waren Sie zunächst Freiberufler, bevor Sie 1956 in einem Industriebetrieb anfingen. Dort waren Sie dann im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Wollen Sie zu dieser ersten Lebensphase etwas erzählen? 
Zum Beispiel ...

Wo und wie fing das mit dem Fotografieren an? 

GS: Meine ersten Bilder machte ich 1945 noch vor Kriegsende. Ich erhielt damals zur Konfirmation – man konnte ja nichts kaufen – die Kamera meiner Mutter. Ihre erste Kamera? Dies war eine einfache Kodak Box mit Format 6x9 cm. Dazu hatten wir irgendwoher zwei Filme zu je 8 Aufnahmen aufgetrieben. Nach der Währungsreform wünschte ich mir zu Weihnachten eine Agfa Isolette 6x6. Die bekam ich dann auch. Das wurde damals alles in Raten abbezahlt.

Hatten Sie Vorbilder? 

GS: Richtige Vorbilder eigentlich nicht. Aber mir gefielen die Urlaubsfotos des Graphikers Helmut Schwarz, Stuttgart, der eine Art von Onkel für mich war. Seine kleinen SW-Bilder waren in Alben eingeklebt und mit kurzen Versen beschrieben.

Ich ersah daraus,

1 . dass „richtig Fotografieren“ bedeutete Landschaften und anderer Dinge aus der Umwelt aufs Korn zu nehmen, und eben nicht nur Familienangehörige und Freunde abzulichten, wie es ansonsten alle machten.

2 . dass es ungünstig war „alles“ oder zumindest „möglichst viel“ im Bild, unterzubringen.

Aussagekräftige Bilder holen Bedeutsames groß heraus.

Das waren die Grundlagen meiner Fototheorie, aus der sich dann alles andere nach und nach herausentwickelte: Fremdes abzubilden, nicht Nahes, aber das so nah wie möglich. 

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Nächstes Mal geht es weiter mit dem "zweiten Leben": Was als reine Liebhaberei begann, machte Günter Spitzing zum Fotoexperten und Fachbuchautor.

Günter Spitzing heute: Projekt Irular

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