Dienstag, 22. November 2016

Aufgegriffen: Pippi und Annika

Die Idee zu diesem Blogbeitrag entstand, als ich den von Oliver Schlecht gelesen hatte. Pippi Langstrumpf, die freche Göre, kennt wohl jeder. Ihr rebellischer Charakter ist legendär und sie war die Heldin meiner Kindheit.

Wenn Pippi fotografieren würde, würde sie sich nicht um Kameras, Objektive und technische Zusammenhänge scheren. Sie würde einfach loslegen, schiefe, schräge, völlig fehlbelichtete und unscharfe Fotos machen, und sie hätte unglaublich viel Spaß dabei. Was die anderen dazu sagen, wäre ihr völlig egal. Sie hätte immer eine passende Antwort parat, wenn jemand daherkäme, und sie zurechtweisen wollte. Genausowenig hätte sie ein Problem damit, ihre verknitterten Fotos an ihr Pferd "Kleiner Onkel" zu verfüttern.
Annika, das brave, spießige Nachbarsmädchen wäre fasziniert, aber auch zurückhaltend und peinlich berührt. Ihre Bilder wären akkurat, hübsch anzusehen oder zumindest zweckmäßig. Sie würde natürlich in eine Schule gehen, um genau zu lernen, wie man "richtig" fotografiert, und sie hätte ein säuberlich sortiertes und verschlagwortetes Bildarchiv.

Das Schöne an Astrid Lindgrens Geschichte ist, dass Annika und Pippi gute Freundinnen sind. Jede lebt in ihrer eigenen Welt, aber sie verbringen viel Zeit miteinander. Annika lernt von Pippi mutiger und freier zu sein. Pippi versucht wenigstens, sich in bestimmten Situationen besser zu benehmen. Diese Freundschaft ist für beide ein Gewinn. Überträgt man diese Konstellation auf die fotografische Ebene, dann steuert Pippi wilde Kreativität, Mut und Gelassenheit bei. Annika ist folgsam und ehrgeizig, sie bringt Knowhow und Struktur in die Sache. Spaß haben sie beide - jede für sich, aber gemeinsam noch viel mehr. Wenn diese beiden so unterschiedlichen Charaktere der jeweils anderen gegenüber offen und tolerant bleiben, werden sie zusammen sehr viel Freude haben, sich aneinander reiben und dadurch unweigerlich weiter entwickeln. 


Im echten Leben gehen Kinder- und Jugendfreundschaften oft auseinander, wenn wir älter werden. Astrid Lindgren erzählt nicht, was später mit den beiden Freundinnen passiert. Verlieren sie sich aus den Augen? Wird Pippi ein Leben lang ein anarchischer Rebell bleiben, unverstanden von den meisten, aber glücklich mit sich selbst? Wird Annika ein stromlinienförmiges Leben unter Gleichgesinnten bevorzugen, weil es ihr Sicherheit und Orientierung bietet? Oder bleiben sie ein Leben lang "beste Freundinnen", die sich manchmal hassen und streiten, aber doch nicht ohne die andere können? Eins ist sicher: Keine wird die andere je vergessen, dazu sind die Erinnerungen viel zu bunt.

Manchmal wird die langweilige Annika im Erwachsenenleben zu dominant. Dann ist es eine sehr gute Idee, sich an Pippi zu erinnern. Umgekehrt gilt das gleiche: Wenn alle immer agieren wie Pippi Langstrumpf ist das nicht mehr witzig. Die Geschichte funktioniert nur, solange es Annika gibt. Ihr Aufeinandertreffen bringt Leben in die Sache.
Wenn die beiden sich nach einigen Jahren wieder begegnen, und Annika immer noch fragt: "Was sollen wir denn jetzt tun?", wird Pippi antworten: "Was ihr machen wollt, weiß ich nicht. Ich werde jedenfalls nicht auf der faulen Haut liegen. Ich bin nämlich ein Sachensucher, und da hat man niemals eine freie Stunde."


Artikel: 10 Dinge, die wir von Pippi Langstrumpf lernen können

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