Dienstag, 7. Februar 2017

Lumix FZ2000 - Gemischte Gefühle

Gut drei Monate sind seit meinem ersten Zwischenbericht vergangen, das Handbuch zur Lumix FZ2000 ist geschrieben und ich habe mit ihr ausführlich fotografieren können. Mittlerweile gibt es im Netz viele ausführliche Praxisberichte, Tests und eine Menge Käuferrezensionen. Dabei kommt das Nachfolgemodell der FZ1000 nur auf drei von fünf möglichen Sternen. Und was sagst du dazu?, werde ich oft gefragt.









Ich kann die Argumente der Kunden nachvollziehen. Besonders harte Kritik kommt von Fotografen, die zuvor mit der FZ1000 fotografiert haben. Ein frischgebackener FZ2000-Besitzer in einem Userforum zeigte sich dennoch ziemlich erstaunt über die Anmerkungen der FZ1000-Fotografen. Fakt ist, dass ich hervorragende Fotos aus der FZ2000 gesehen habe, und selbst viele schöne Motive damit fotografieren konnte.


Die FZ2000 ist eine Bridgekamera, kein Vollformat-Bolide. Sie ist super für Ein- und Aufsteiger und für Videofilmer, die alles in einem Gerät vereint haben wollen. Wer in Standardsituationen "für den Hausgebrauch" fotografiert und filmt, wird Freude an ihr haben. 

Sie ist eben doch keine Profikamera, die höchsten Anforderungen gerecht wird. Das hatten wir erhofft, nach der FZ1000 gab es gute Gründe, dies zu erwarten und somit ist die Enttäuschung nachvollziehbar.

Dass Panasonic diese Kamera vor allem für den Videobereich optimiert hat, ist aus Sicht von Fotografen ein Fehler. Sie wollen optimale Bildqualität, in erster Linie Schärfe und Detailzeichnung, möglichst auch bei höheren ISO-Werten.


Videofilmer haben etwas andere Prioritäten: Bildstabilisierung, butterweiche Zoomfahrten, gute Tonqualität. Hier punktet die FZ2000: sie ist eher eine Videokamera, die auch Bilder macht - nicht umgekehrt.

Im direkten Vergleich bleiben Fotos aus der FZ2000 oft hinter denen der FZ1000 zurück, aber nicht immer: Es kommt auf die Lichtverhältnisse an. Es gibt eigentlich nur einen großen Knackpunkt, die Schärfe.
  1. Das Bildrauschen ist schon ab ISO 1600 deutlich zu sehen,
  2. der Autofokus schwächelt, primär in Lowlight-Situationen und 
  3. die Schärfe im Telebereich lässt zu wünschen übrig - das leider auch bei gutem Licht.
An dieser Stelle möchte ich einige Bilder für die FZ2000 sprechen lassen. Dazu ist anzumerken, dass ich bis vor kurzem die RAW-Dateien weder in Lightroom noch in Photoshop öffnen konnte, weil Adobe das Format noch nicht unterstützte.

Serienbildaufnahme RAW+JPEG mit 480 mm Brennweite - Schärfe ok!







Positiv aufgefallen ist mir, dass ich mit dem Bildstabilisator der FZ2000 zum ersten Mal eine Belichtungszeit von 0,4 s aus der Hand verwacklungsfrei halten konnte - mehrmals hintereinander. Das hat bisher noch mit keiner anderen Kamera geklappt. Das bedeutet, dass ich den ISO-Wert niedriger einstellen und unbewegte Motive mit längerer Belichtungszeit aus der Hand fotografieren kann.
Erstaunlich ist auch die Kontrastanpassung: Bei Gegenlicht wird das Hauptmotiv nicht automatisch zur Silhouette.

Modus S, 1/125 s | f2,8 | ISO 800 | 25 mm

Wenn man bei der Schärfe ein Auge zudrücken kann, bekommt man mit der FZ2000 schöne Bilder. Im Aquarium hat der Autofokus wunderbar funktioniert. Bei einem Porträt-Shooting und bei Architekturaufnahmen in schummrigem Kunstlicht war die Scharfstellung  unzuverlässig. Es waren mehrere Anläufe nötig, bis die Aufnahmen klappten: ich musste stärker eingreifen und mir mehr Zeit nehmen.

Modus S, 1/125 s | f4,5 | ISO 1600 |  480 mm


Meine Ausschussquote bei Available Light Fotos war anfangs höher als gewohnt. Das war frustrierend, lag aber auch daran, dass ich glaubte, ich könnte wie bisher "im Blindflug" fotografieren.
Inzwischen habe ich mich mit der FZ2000 gut eingeschossen. Ich weiß, was ich mit ihr machen kann, wo es Probleme gibt und was ich tun muss, um diese zu beheben. Ich weiß auch, in welchen Situationen ich keine zu hohen Ansprüche haben darf.

Damit sind wir beim Objektiv.
480 mm Brennweite helfen wenig, wenn man nur bis 150 mm mit der Schärfe zufrieden ist. Das Phänomen ist nicht immer zu beobachten - manchmal sind die Bilder ordentlich scharf, aber nicht so zuverlässig wie ich es von der FZ1000 gewohnt war. Anfangs dachte ich, ich hätte die Belichtungszeit falsch gewählt, die Kamera verrissen oder irgendeinen anderen Fehler gemacht. Dann kam die bange Frage, ob ich vielleicht ein Montagsmodell erwischt haben könnte, aber zu dieser Zeit mehrten sich schon die Berichte von anderen Fotografen mit ähnlichen Erfahrungen.

Klick auf die Bilder für vergrößerte Ansicht




Auschnittvergrößerung 150 mm
(JPEG, out of cam)
Schärfe ok







Ausschnittvergrößerung 300 mm
(JPEG, out of cam)
Schärfe unzureichend








Ausschnittvergrößerung 480 mm
(JPEG, out of cam)
Schärfe ok; Auschuss insgesamt:
zu hoch.




Über die Nachteile der FZ2000 habe ich nun ausführlich berichtet, aber ich habe mich zwei Monate lang mit all ihren Funktionen intensiv beschäftigt. Darum wäre es unfair, nur das Negative zu erwähnen.

Um einem weit verbreiteten Irrtum vorzubeugen: Ich werde von Panasonic nicht gesponsert. Meine Testkameras erhalte ich leihweise vom Rheinwerk-Verlag. Sobald das Buch fertig ist, habe ich die Wahl, ob ich die jeweilige Kamera übernehme (kaufe), oder ob sie zurück an den Verlag geht. Nicht umsonst hat dieser Artikel den Titel "gemischte Gefühle". Warum ich die FZ2000 gerne behalten würde, fasse ich hier noch einmal zusammen:

Nützlich: Rasend schnelles Blenden-Bracketing (25 mm Weitwinkel)
  • Der ND-Filter gibt mir den Spielraum, den ich zum Gestalten mit längeren Belichtungszeiten brauche.
  • Die Bedienung per Touchscreen ist einfacher, intuitiver und schneller.
  • Der Bildstabilisator ist noch besser als vorher.
  • Über die zusätzlichen Fn-Tasten kann ich meine Lieblingsfunktionen schneller einstellen.
  • Alle Serienbildgeschwindigkeiten gibt's im RAW-Format, kein verwirrender Mix mehr.
  • Post Fokus ist jetzt über das Antriebsmoduswahlrad erreichbar und kann mit dem Focus-Stacking kombiniert werden.
  • Die erweiterten Bracketing-Funktionen (siehe Bildserie oben) und 4K Foto sind für mich kein Muss, aber eine nützliche Ergänzung.
  • Ich habe Lust bekommen, tiefer ins Thema Video einzusteigen. Das starke Schwanken, das ich mit anderen Kameras bei Freihand-Videos bekam, ist deutlich reduziert. Mit der Funktion 4K Live Schneiden, den Dolly-Zoomfahrten und den Fn-Tasten am Objektiv für das automatische Ein- und Auszoomen wird das Filmen einfacher und abwechslungsreicher. Für die Tonaufzeichnung- und Kontrolle gibt es erheblich mehr Möglichkeiten, Betriebsgeräusche sind kaum zu hören.
Für Aufnahmen bei wenig Licht und/oder Tierfotografie mit langen Brennweiten würde ich weiterhin eher zur FZ1000 greifen, aber in Standardsituationen leistet die FZ2000 das, was sie soll. Beim Zoomen ab 150 mm wäre ich entsprechend vorsichtig und würde lieber mehrere Aufnahmen machen. Wenn der Autofokus im Dunklen Probleme hat, stelle ich auf den Manuellen Fokus um: Die Markierungen des sogenannten Focus Peaking sind im elektronischen Sucher sehr gut zu sehen. Schnell bewegte Motive fotografiert man in solchen Situationen eher selten, darum ist das Scharfstellen von Hand an dieser Stelle eine passable Alternative.

Mit der FZ2000 bin ich als Fotografin stärker gefordert - mit dieser Erkenntnis fotografiere ich jetzt wieder aufmerksamer und das kommt mir auch bei anderen Kameramodellen zugute.

Das sagen andere über die FZ2000

FZ2000 Review von Pavel Kaplun (Youtube-Video)
FZ2000 Test von "Traumflieger" Stefan Groß mit vielen Vergleichsbildern


Kommentare:

  1. Sehr geehrte Frau Esen,
    haben Sie denn die FZ2000 noch oder doch zurückgegeben? 3 Monate haben sie es immerhin mit ihr ausgehalten ;). Ihr Kurzfazit "Videokamera mit Fotofunktion" passt sehr genau und trifft das was auch Panasonic mit der 2000 beabsichtigt hat. Daraus resultiert wohl auch die Enttäuschung vieler FZ1000 Fotografen, die sich Verbesserungen im Fotobereich und der Objektivgüte (die bei der 1000 schon gut ist) erhofft haben. War die 1000 noch ein ausgeglichener Hybrid mit sehr guter Fotofunktion und recht guter Videofunktion, ist die FZ2000 stark in Richtung Video optimiert, scheinbar auch das von Leica neu entwickelte Objektiv. Im Übrigen kann ich ihr Vorhaben, sich aufgrund der FZ2000 mehr mit Video zu befassen, nur unterstützen ;). Denn eine bessere Videokamera in dieser Preisklasse und mit diesen Funktionen ist bei weitem nicht zu bekommen. Die FZ2000 hat sämtliche Videofunktionen der GH4, die im Indie Filmmaker Bereich einen sehr guten Ruf genießt, übernommen und neue wie Dolly Zoom oder Slow Zoom hinzugefügt. Mit V-LOG erhält man zudem die Möglichkeit Videos mit LUTs (Look Up Table) zu versehen, was der Kreativität bei der Bildgestaltung neue Möglichkeiten eröffnet, wenngleich dieser intern mit 8Bit kleine Grenzen gesetzt sind. Aber auch hier hat die FZ2000 die Option der GH4 übernommen, extern in 10Bit Farbtiefe aufzuzeichnen und damit die Grenzen massiv zu erweitern. Ich bin Videofilmer und ein eher schlechter Fotograf. Und ich empfehle auch jedem der mind. 50% Fotoanteil hat, besser eine FZ1000 oder eine solide ältere Canon. MfG Thomas

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  2. Vielen Dank für den Kommentar - es ist ein bisschen schade, dass er "anonym" ist.

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