Dienstag, 7. September 2010

Google Streetview

Ich möchte die Frage von Thomas (Eishin) noch mal für diesen Blog-Artikel aufgreifen:

Wer dokumentiert unsere aktuelle Welt/Umgebung/Alltag 2010 um uns herum, über den dann unsere Kinder/Enkel sagen "mei ...."


Google Streetview tut das. Und zwar mit einer nie dagewesenen Konsequenz. Es wird immer viel gewettert über Google, und ich finde auch nicht alles gut, was da so läuft. Aber wer sonst hat die Möglichkeit, die größten Städte der Welt so umfassend fotografisch zu dokumentieren? Für mich ist Streetview bereits heute eins der dokumentarisch wertvollsten und zeitgeschichtlich relevantesten Projekte, die es je gegeben hat. Streetview fände ich bedenklich, wenn man die Bilder regelmäßig aktualisiert oder Webcams installiert. Aber dazu ist der Aufwand viel zu groß. Streetview ist vor allem eins: eine Momentaufnahme: die Welt 2010.

Wir sind geneigt zu glauben, unsere Umgebung wäre etwas "Dauerhaftes". Da unterliegen wir leider einer massiven Täuschung, und diese Täuschung beruht auf Gewohnheit. Was wir täglich sehen, verändert sich scheinbar nicht. Wenn wir aber ein halbes Jahr nicht mehr durch eine gewohnte Umgebung gefahren sind, stellen wir auf einmal fest: hoppla, die alte löchrige Straße hat einen neuen Belag bekommen. Und da hinten wurde ein Baum gefällt. Auf den ersten Blick erscheint das belanglos und minimal. Aber die Summe aus vielen kleinen Fältchen lässt am Ende eben doch keinen Zweifel mehr zu: hat sich ganz schön verändert, die alte...

Nebenbei bemerkt: in Google Earth steht immer noch unser Tisch auf dem Balkon einer Wohnung, aus der wir vor vier Jahren ausgezogen sind. Hoffentlich kommt kein Dieb auf die Idee, rauf zu klettern, und ihn zu klauen!


Wie lange wird es hier wohl so aussehen?
Wenn ich ein Google Streetview wäre,
dann hätte ich ziemlich viele Baustellen auf meiner Homepage.


In unserem jetzigen Stadtviertel, wird in diesen Tagen sehr viel abgerissen und neu gebaut. Alte kleine Hexenhäuschen werden von der Abrissbirne niedergemacht, die Vorgärten mit den alten Obstbäumen und Blumengärten weichen schicken modernen Neubaufassaden, die bis an die maximale Bebauungsgrenze des Grundstücks heran gezogen werden. Hier ein neuer Zaun, da eine andere Hecke, und ein anderer Nachbar malt sein Haus neu an. Die Straßenzüge verändern ihr Gesicht innerhalb weniger Wochen. Ganz abgesehen davon, dass die Straßen im Winter oft ganz anders aussehen als im Sommer, allein durch die wechselnde Vegetation.

Immer noch besorgt? Schützen Sie Ihr Haus durch eine google-sichere Hecke! Da schießt keiner drüber oder durch, garantiert! Und vielleicht kriegt man ja auch noch ein paar Punkte in Sachen Ökobilanz.

Na, wie dem auch sei: die Idee für ein Langzeit-Fotoprojekt, mein persönliches "Streetview", ist schon mehrere Jahre alt. Jetzt habe ich so viele Baustellen um mich herum, dass ich es gerne in Angriff nehme. So lange ich noch von der öffentlichen Straße aus fotografieren darf, werde ich also die Veränderung meiner Umgebung dokumentieren.

Wenn der Widerstand gegen Google in absehbarer Zeit dazu führt, dass niemand mehr Hausfassaden knippsen darf, dann geht nicht nur für mein Projekt das Licht aus, sondern für alle begeisterten Amateurfotografen. Viel Spaß beim Indoor-Knipsing mit juristisch wassersicherem Model-Release vom Opa.

Wenn es so weit kommen sollte, dann handle ich mit Optionen auf Studio-Equipment-Hersteller-Aktien oder werde ... ach, mir fällt bestimmt irgendwas ein ;-)

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