Posts mit dem Label Interviews werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Interviews werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 22. Mai 2024

Günter Spitzing

21 mm | 1/320 s | f2,2 | ISO 50 | Smartphone

Vor gut acht Jahren hatte Günter Spitzing hier im Blog über sein Leben und Schaffen berichtet. Daraus ist eine längere Interviewserie geworden, und ich denke gerne zurück an die Gespräche, die wir aus diesem Anlass geführt hatten. Am 30. April 2024 ist Günter im Alter von 92 Jahren verstorben. 

Spitzing veröffentlichte etwas mehr als 70 Bücher, schrieb unter anderem das erste Foto-Kinderbuch, das erste Practical Comic (Vergrößerungspraxis), sowie das erste deutschsprachige Buch über Fotopsychologie. Bereits seit 1981 waren Bücher über süd- und südostasiatische sowie griechische Kulturen und Religionen hinzugekommen.

Als wir seine Schaffensperiode als Fotofachbuchautor noch einmal aufrollten, hatte Günter diese Episode längst hinter sich gelassen. Schriftsteller ist er geblieben, und widmete sich verstärkt den Themen, die für ihn bedeutender waren. Dazu gehört die 1992 von ihm gegründete Organisation Zukunft Irular e.V., die ihm sehr am Herzen lag. Sie wird in seinem Sinn weiter geführt, so dass dieser wichtige Teil seines Lebenswerks auch nach seinem physischen Tod eine Fortsetzung findet. In den Herzen der Menschen, für die er sich eingesetzt hat, lebt er weiter, und auch auf mich hat er einen bleibenden Eindruck hinterlassen. 

"Über Fotografie habe ich ja schließlich so viel geschrieben, dass ich befürchtete, wenn ich mich weiterhin darauf beschränkte, in die Gefahr käme mich selbst immer wieder abzuschreiben – was ja keine besonders interessante Vorgehensweise ist.  Ich wollte nicht hängen bleiben, sondern Schritte nach vorne tun." (Günter Spitzing, 2015)

Eine humanere Wirtschaftsordnung hielt er für außerordentlich wichtig. Eine Essenz aus unserem damaligen Interview war: "Fortschritte kann es nur da geben, wo man selbst aktiv handelt. Wie und wo man sich engagiert, kann sich jeder selbst aussuchen. Wichtig ist nur, dass man die Verantwortung nicht dauerhaft an andere delegiert." 

Aus der Traueranzeige:  "Ein wacher Geist und vielseitiger Forscher, ein unermüdlicher Kämpfer für Menschenwürde und die Rechte Indigener Völker beschloss sein erfülltes Leben."
Danke, Günter Spitzing (19.5.1931 + 30.04.2024)

Mittwoch, 14. August 2019

Interview und Fotoquiz

Vor einiger Zeit hatte ich die Inspirationskarten von Inspiracles vorgestellt, heute gibt es im Blog von Inspiracles ein Interview mit mir



Die folgende Fragen habe ich von Inspiracles bekommen. Viele andere Fotografen haben vor mir dieselben Fragen beantwortet, darum lohnt es sich auf jeden Fall, mal im Inspiracles-Blog vorbeizuschauen. 


Sonntag, 14. Januar 2018

Das Internet vergisst mehr, als man denkt...

Im zweiten Teil des Interviews mit Hermann Ludwig, dem Macher von www.kunstlinks.de wird es anfangs ein bisschen technisch, aber das hat einen guten Grund. Als ich die Seiten zum ersten Mal besuchte, war ich erstaunt, ein Seitendesign vorzufinden, das mich an die Neunzigerjahre erinnerte. Das traut sich heute fast keiner mehr. Das moderne Web ist glatt und geschniegelt, fürs Smartphone und für Suchmaschinen optimiert.

FN: Wenn man die Seite kunstlinks.de aufruft, sieht man, dass es dort noch eine Menge mehr zu entdecken gibt. Das Seitendesign hat den Wandel der Internettechnologie nicht mitgemacht: warum?

HL: Die Technik hinter den Kunstlinks beruht auf einer Pearl-Programmierung, die war damals eher gebräuchlich als etwa heute PHP. Dadurch werden die Seitenaufrufe, die Suche und die Sortierung generiert. Mich interessieren dabei die Inhalte und dass sie erreichbar und lesbar sind. Beim Design habe ich eigentlich kein großes Geschick, verfolge aber die Philosophie, dass es im Sinne der Usability (Benutzerfreundlichkeit) förderlich ist, wenn das Erscheinungsbild stabil bleibt. Das ist eben eine alte Seite wie English Antique und zeigt das auch, die ist dann aber auch im Umgang vertraut. 


Ich könnte die Programmierung auch ändern, so dass sie ein Design ausgibt, das wie WordPress aussieht, ohne es zu sein. Wie albern wäre das denn? Erst haben früher alle Seiten nach Netscape ausgesehen, dann hat es von animierten GIFs gewimmelt, dann kamen die Content Management Systeme und heute sieht alles aus wie Joomla oder WordPress, nur unterschieden durch jeweils eigene Bilder und die ach so individuelle Farbgebung. Es heißt zwar, dass das Netz nichts vergisst, tatsächlich ist das Internet aber groß darin, permanent Inhalte zu vernichten, und zwar meist wegen eines Re-Designs. Ganz schlimm bei Schul-Homepages, wo eine immer wieder neue Crew das alte Geraffel weghaut, um zeitgemäßer zu wirken. Wenn ich in den Kunstlinks auf Ergebnisse des schulischen Kunstunterrichts verlinke sterben mir die Links regelmäßig.

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Das ist ein bisschen wie Sport...

Die Foto-Fernsehtipps sind seit 2010 ein fester Bestandteil im Fotonanny-Blog. Das liegt daran, dass der Kunstlinks-Newsletter nicht nur interessant ist, sondern auch so zuverlässig und pünktlich in meinem Posteingang landet. Mich hat schon damals interessiert, wer eigentlich hinter diesem Projekt steckt. Deshalb freue ich mich sehr, dass Hermann Ludwig auf meine Interviewanfrage eingegangen ist. Wir kennen uns nicht persönlich, aber ich habe mich bei www.kunstlinks.de ein bisschen vorab informiert.

Die "kunstlinks" sind erstmals im Februar 1999 als "kunstunterricht.de" ans Netz gegangen. Ihr Webmaster ist Hermann Ludwig, der seit 1978 in Bayern als Kunsterzieher tätig war und jetzt im Ruhestand weitermacht.

„Die Fernsehtipps bieten Orientierung im linearen Fernsehen, helfen bei der Programmierung, aber auch bei der Suche in den Mediatheken und teilweise auf Youtube.“

Sie helfen auch mir, weil ich im Newsletter nach dem Stichwort „Fotografie“ suchen kann.

"Selten wurde ich so konkret und kompetent befragt, so dass ich jetzt nicht wiederstehen konnte, mich zu einzelnen Fragen dieses Interviews etwas ausschweifend zu äußern. Da bin ich mal gespannt, ob und wie die Fotonanny das auf ihrer Seite unterkriegt", schreibt Hermann Ludwig zum Auftakt unseres Interviews. In der Tat, das Gespräch bietet Stoff für mehr als einen Blogpost, darum teile ich es in appetitliche Häppchen auf. :-)


FN: Hermann, wie entstand die Idee zu dieser Webseite?
Wer war/ist die Zielgruppe? Was sollte erreicht werden?
Wie kam es zur Umbenennung von kunstunterricht.de zu kunstlinks.de?

Freitag, 25. August 2017

Ich bin Amateur im wörtlichen Sinn


... sagt Udo Hartmann von sich selbst, und macht Fotos, bei denen mir, salopp gesagt, die Kinnlade runterfällt. Fotografischen Mainstream sucht man bei Udo vergeblich. Seine Bilder sind Kunst, das sage ich jetzt mal so. Ich schätze mich glücklich, dass er meiner Einladung zum Interview gefolgt ist. Das Profilfoto ist bei unserem letzten gemeinsamen Fotospaziergang Ende Juli entstanden.


Lieber Udo, wir kennen uns seit...
dem letzten Jahrtausend.
[Fotonanny: schön formuliert ;-) ]

Wir haben uns kennengelernt....
durch die Leidenschaft der Fotografie in den Kellerräumen eines Fotoclubs.

Du fotografierst seit...
mich der Virus des Einfangens von flüchtigen Momenten im Alter von 10 Jahren gepackt hat.


Du fotografierst...
analog - war früher der Standard. Heute nutze ich es zum Genuss. Manchmal mit einer Sofortbildkamera. Mindestens einmal im Jahr packe ich meine Zenza Bronica GS1 aus. Es ist wie Meditation und nach zehn bewussten Entscheidungen für ein Bild ist der Film voll.

digital - ist heute mein Standardwerkzeug, wobei ich die Diskussion über analog vs. digital überschätzt finde. Viel entscheidender ist für mich die Person hinter der Kamera und was sie daraus macht.

mit dem Smartphone - ist für mich eine Digitalkamera die vor allem zur Dokumentation geeignet ist und den Vorteil hat, dass sie die meisten Menschen immer dabei haben.

Mittwoch, 26. Juli 2017

Kreativ sein, was gibt es Schöneres?


Nach Jens-Uwe aus "Down Under" möchte ich heute meine langjährige Wegbegleiterin und Freundin Dorothe vorstellen. Unser gemeinsames Hobby hat uns anfangs zusammengebracht,  und die Fotografie verbindet uns bis heute -  auch beruflich. 

Kooperation trotz Konkurrenz - das ist eine Kunst, die nicht jeder beherrscht, liebe Dorothe :-)
Ich denke das liegt auch daran, dass jede von uns ihre ganz eigene Nische gefunden hat, und dass wir eine Win-Win-Situation daraus machen konnten.


Wir kennen uns seit...
Anfang der neunziger Jahre, die Zeit vergeht. Viele wunderbare Jahre des Austausches.

Wir haben uns kennengelernt....
Als mein Mann und ich nach München zogen haben wir uns einem Fotoclub angeschlossen. Wir suchten Kontakt zu Gleichgesinnten, haben wunderbare Menschen kennengelernt, u.a. Dich.

Du fotografierst seit...
meinem 16. Lebensjahr. Wobei, nun ja, ich würde sagen, damals war es mehr knipsen. Meine erste Kamera die AGFAMATIC 2008 Tele-Pocket. Ritsch-Ratsch-Klick fertig war das Bild. Mit meinem Babysitterjob habe ich mir in der Oberstufe das Geld für meine erste größere Kamera zusammengespart, mein Einstieg. Seitdem lässt die Fotografie mich nicht mehr los. 

[Fotonanny: oh ja, diese Kamera hätte ich auch gerne gehabt. Sie passte in die Hosentasche, fast wie das Smartphone heute :-) Meine damalige Pocketkamera war eher wie ein Brikett, ABER sie hatte ein eingebautes Blitzlicht... ]

Montag, 12. Juni 2017

Grüße aus "Down Under"

In meinem Freundeskreis gibt es Wegbegleiter, die ich sehr schätze. Manche von ihnen kenne ich schon sehr lange. Uns verbindet nicht nur die Begeisterung fürs Fotografieren, aber in dieser Interviewserie wird es vor allem darum gehen. Es gibt so viele unterschiedliche Wege, die man als Fotograf einschlagen kann, ob als Profi oder Amateur. Darum ist diese Artikelreihe auch unter dem Schlagwort Inspirationen zu finden.

Beginnen möchte ich mit einem sehr guten Freund, der vor über zwölf Jahren nach Australien ausgewandert ist.

Fotonanny: Jens Uwe, ich vermisse unsere gemeinsamen Fotospaziergänge, aber es ist toll, dass wir uns in all den Jahren nicht aus den Augen verloren haben - Internet sei Dank.




Wir kennen uns seit
...einer Zeit, als das Internet in der Kinderwiege lag, und ich das grafische Muster von Jacs Telefonnummer erinnerte, wenn ich die Tasten drückte.

Wir haben uns kennengelernt durch
...meine Leidenschaft für Fotografie, entdeckt auf einer Australienreise, entwickelt mit Hilfe des Fotoclubs Ost in München.

Du fotografierst...
seit 1995.

analog: früher – meine Analogkamera führt nun ein Schattendasein in einer Schublade.
digital: gelegentlich – nicht mehr so viel wie früher, da ich derzeit fast all meine Freizeit in meine Website investiere.
mit dem Smartphone: gelegentlich – früher hatte ich eine Kompaktkamera für jene Momente dabei, in denen ich „Ach, hätte ich doch...!“ dachte. Nun nutze ich mein iPhone.

Dienstag, 13. September 2016

Günter Spitzing: Ein Lebenswerk

Es gibt viele Beweggründe, warum jemand eine Kamera in die Hand nimmt und Bilder macht. Während wir älter werden, verändert sich nicht nur die Technik. Auch der Blick des Fotografen wandelt sich mit den gesammelten Erfahrungen. Im letzten Teil der Interviewserie mit Günter Spitzing geht es um dieses Thema.

Viele Fotografen träumen von einer eigenen Fotoausstellung. Sie haben u.a. 1976 auf der photokina ausgestellt, später Porträts aus Bali und Indien gezeigt; heute sind es vor allem Fotos aus dem Projekt Irular. Was sind Ihre Erfahrungen mit Ausstellungen generell? 

GS: Ausstellungen haben einen hohen Aufmerksamkeitswert. Sie machen sich auch gut in der Vita. Reaktionen erhalte ich allerdings nicht all zu viele. Früher haben Fachredaktionen Ausstellungen besprochen. Das geschieht heute kaum noch. Ich denke aber schon, dass die Kombination von Ausstellungen, Presseartikeln und Vorträgen doch ein gutes Mittel ist ein Sache bekannt zu, auch um Unterstützer für unsere Ureinwohnerprojekte zu bekommen.

Was bedeutet das Fotografieren für Sie heute? 

Fotografieren, auch Filmen ist nach wie vor wichtig. Früher ging es allerdings vor allem um die Bildgestaltung. Heute eher um die Bildinhalte. Ich brauch Fotos aus dem Leben der Irular als Illustrationsmaterial in Vorträgen, Artikeln, Bücheren und last not least für meine Website.

Wie groß ist Ihr fotografisches Archiv (analog und digital)? 

Gezählt habe ich meine Dias nicht. Schätzungsweise sind es knapp 100 000. Das Digitalarchiv hat diese Größenordnung noch nicht erreicht, wächst aber schnell, zumal ich ja auch viele Dias scannen muss. SW-Negative sind etwa 10 000 vorhanden. Da nach digitalen Aufnahmen ohne große Umstände, sowohl farbige, wie schwarzweiße Bilder hergestellt werden können, gibt es in Schwarzweiß keinen Zuwachs.














Machen Sie sich Gedanken darüber, was später einmal aus Ihrem fotografischen Nachlass wird? 

Mittwoch, 31. August 2016

Günter Spitzing: Was wir lernen können

Anstatt sich zurückzulehnen, reist Günter Spitzing jedes Jahr nach Indien, um selbst bei den Menschen zu sein, für die er sich einsetzt. Seine alte Leidenschaft - die Fotografie -  nutzt er dabei weiter.

Sie engagieren sich heute sehr für indigene Völker (Irular, unbekanntes Naturvolk in Südindien) und verbringen jedes Jahr einige Zeit mit den Menschen dort. Ihr Verein „Zukunft Irular e.V.“ bekämpft nicht nur den Hunger, sondern bietet den Kindern der Irular eine gute Ausbildung, die ihnen echte Zukunftschancen eröffnet. Auf Ihrer Homepage findet man dazu sehr viele Informationen (Link)

Viele Menschen sind bereit Geld für alle möglichen Dinge zu spenden – warum sollte jemand Ihren Verein unterstützen und nicht große Organisationen wie das Rote Kreuz, Ärzte ohne Grenzen oder Ähnliche?

GS: Ich will nicht sagen, dass man nicht für „Ärzte ohne Grenzen“ spenden sollen. Sicherlich es gibt auch schwarzen Schafe unter den Organisationen, aber es ist nicht meine Aufgabe, die hier zu nennen. Wir müssen versuchen mit den Eifersüchteleien unter den Hilfsorganisationen Schluss zu machen. Es gibt übrigens auch Organisationen mit denen wir exzellent zusammenarbeiten. Die von Ihnen genannten Organisationen arbeiten übrigens eher in der Katastrophenhilfe, was natürlich sehr notwendig ist. Wir arbeiten auf dem Felde der nachhaltigen Langzeitunterstützung, also der eigentlichen Entwicklungszusammenarbeit.

















Hier die Gründe, warum auch die „Zukunft-Irular e.V.“ Aufmerksamkeit und Unterstützung verdient:

Montag, 18. Juli 2016

Das dritte Leben des Günter Spitzing

Wir leben in einer Welt, in der es zunehmend kriegerisch und ungerecht zugeht und das leider schon seit Jahren. Man muss entweder ziemlich ignorant, abgebrüht oder extrem ausgeglichen sein, um sich eine durchschnittliche Nachrichtensendung anzuschauen. Ratloses Schulterzucken kann man sich leisten, so lange man persönlich (noch) nicht betroffen ist. Es stellt sich immer mehr die Frage, welche Haltung wir gegenüber den äußeren Ereignissen einnehmen wollen. Als ich das Interview mit Günter Spitzing führte, bewegte sich das Gespräch in eine Richtung, bei der wir das Thema Fotografie verließen.

Der Günter Spitzing von heute engagiert sich für ganz andere Themen. Dennoch bedient er sich weiterhin der Fotografie. Warum und wie: hier erzählt er davon. Vielleicht ist dieser Teil der Interviewserie auch eine Inspiration für andere, die nach Wegen suchen, ihrer fotografischen Arbeit - oder ihrem Leben - eine tiefere Bedeutung zu verleihen.

Herr Spitzing, Sie haben an der Universität Hamburg Sprache und Kultur Indonesiens, sowie Religionswissenschaft und Ethnologie studiert und das Studium 1989 (im Alter von 58 Jahren!) mit einer Magisterarbeit abgeschlossen. Schon 1981 haben Sie begonnen, Bücher über südastasiatische und griechische Kulturen und Religionen zu schreiben. 

Wann begann Ihr Interesse an der asiatischen Kultur, was war der Auslöser? 

GS: Ich habe mich merkwürdigerweise von frühester Kindheit für fremde Völker und Kulturen interessiert. Im Haus des oben erwähnten Onkels hingen zwei japanische Farbholzschnitte, die mich fasziniert haben. Ich war noch in der Grundschule, da begann ich schon das Lindenmuseum in Stuttgart zu besuchen.





















Was fasziniert Sie an diesen Themen? 

Donnerstag, 19. Mai 2016

Günter Spitzing: Von analog bis digital

Der technologische Umbruch, der sich in der Fotografie Ende der 90er Jahre abzeichnete, führte auch dazu, dass das analoge Fotowissen nicht mehr so gefragt war. Im vorhergehenden Teil der Interviewserie hat Günter Spitzing bereits erzählt, wie das Aufkommen der Digitalfotografie seine Tätigkeit als Autor beeinflusste. Mich hat deshalb besonders interessiert, wie er als damals knapp Siebzigjähriger mit diesem Umbruch zurechtkam. Einfach in Rente gehen? Weit gefehlt! 

Heute feiert Günter Spitzing 85. seinen Geburtstag. Wer ihm gratulieren möchte, darf mir schreiben, ich leite die Grüße gerne weiter. Sie finden ihn auch bei XING oder gelangen über seine Homepage direkt zu ihm. 

Mittlerweile fotografieren Sie digital und benutzen Photoshop (Respekt, Herr Spitzing!) Haben Sie damals eine solche Entwicklung der Fotografie erwartet oder geahnt? 

GS: Ich hatte an eine Weiterentwicklung von Kameras gedacht, nicht aber an einen völligen Systemwechsel.

Was sind für Sie die Segnungen der heutigen Digitalfotografie – und wo sehen Sie die größten Probleme? 

GS: Digitale Fotos stehen sofort nach der Aufnahme zu Verfügung, sind einfach weiterzugeben und gut zu drucken. Ich habe ja selbst früher in konventioneller Weise Farbvergrößerungen hergestellt und auch Kurse darüber gegeben. Farbvergrößerungen erforderten damals das komplizierte Ansetzen von Bädern, die in kurzer Zeit aufgebraucht werden mussten, aber auch die Einhaltung relativ genauer Temperaturen. Ich habe damals meine Dunkelkammer total auf 26, bzw. 28 Grad hochgeheizt, um mir das einfacher zu machen. Dass man heute auch ein einzelnes Bild mit Photoshop bearbeiten und ausdrucken kann, ist ein unglaublich großer Vorteil. Als Nachteil sehe ich schon an, das die einfache Möglichkeit Bilder zu machen und mit ihnen umzugehen, doch dazu verführt in die Knipserei abzugleiten und auf Bildgestaltung zu verzichten. Ich habe das Gefühl man nimmt die Fotografie, ja generell das Bild, heute nicht mehr so ernst.

 
Schattenspiel mit Maske (1970)
(c) Günter Spitzing





















Ein besonderes Kapitel ist der Selfie-Wahnsinn. Statt für seine interessante Umwelt, interessiert man sich nur für sich selbst. Das führt absolut in die falsche Richtung. Übrigens - ich denke engagiert Fotografierenden geht es ähnlich wie mir: Ich schätze es nicht so sehr fotografiert zu werden.  Das ist auch konsequent, denn Fotografie soll dazu dienen uns das Fremde näher zu bringen. 

Mittwoch, 16. März 2016

Günter Spitzing: Wie wird man Fotofachbuchautor?

Im November hatte ich begonnen, mich mit Günter Spitzing auszutauschen. Es wird allerhöchste Zeit, dieses Gespräch fortzusetzen. In der heutigen Folge der Interviewserie erzählt er, wie seine Autorenkarriere begann, wohin sie führte und was ihn schließlich dazu brachte, sich mit anderen Themen zu beschäftigen.

1965 erschien Ihr erstes Fachbuch: "Wir Filmen farbig" (Dr. Diener KG, Neumünster). Wie bekamen Sie diesen Auftrag bzw. die Möglichkeit, so ein Buch zu veröffentlichen? Haben Sie bewusst eine Karriere als Fotofachbuchautor angestrebt oder sind Sie da mehr oder weniger hineingewachsen? 

GS:
Ich bin damals schon frühzeitig bei einigen Verlagen hausieren gegangen um ein Buchprojekt durchführen zu können. Doch das hat zunächst nichts gebracht. Viele Themen waren durch andere Autoren abgedeckt. Ich konnte die Verleger nicht überzeugen, dass eine andere Konzeption auch Chancen hat. Dann kam 1964 unerwartet der Werbeleiter von Leitz, Wetzlar, Andreas Jäckel auf mich zu und erbat ein Manuskript für einen Artikel über die Filmkamera Leicina. Ich lieferte es und dann sagte man mir, ich solle doch besser ein Buch machen und zwar als Pedant zu Walther Bensers Wir fotografieren farbig. Mit dem Erscheinen des Buches 1965 habe ich mich als freier Autor selbständig gemacht. Mein erstes Buch geriet in die Umstellung vom Doppelacht- zum Superachtfilm und wurde daher kein großer Erfolg. Aber sein Erscheinen hat ausgelöst, dass sich andere Verlage plötzlich für meine Arbeit interessierten. Insofern ist das Buch tatsächlich zu Ausgangspunkt für Mein Fotoliteratur-Schaffen geworden.

Bamberg: Michelsberg im Abendlicht (1960)

















In den darauf folgenden zwanzig Jahren haben Sie viele Fotofachbücher geschrieben, u.a. das erste Foto-Kinderbuch, das erste Practical Comic (Vergrößerungspraxis), sowie das erste deutschsprachige Buch über Fotopsychologie, das bis heute erhältlich ist (Amazon) Worauf sind Sie besonders stolz?

Freitag, 18. Dezember 2015

Günter Spitzing: Wie die Fotografie zum Beruf wurde

Wie berichtet ergab sich im Herbst 2015 die schöne Gelegenheit, dem Fotografen und Buchautor Günter Spitzing eine ganze Reihe von Fragen zu stellen. Im zweiten Teil der Interviewserie erzählt er, wie aus seinem Hobby ein Beruf werden konnte, und was er für nötig hält, um sich ein zweites Standbein als Fotograf aufzubauen.

Sie haben zwischen 1956 und 1965 neben ihrer Festanstellung in einem Industriebetrieb Diavorträge und Kurse gehalten. Da finde ich mich wieder. Auch heute gehen viele Hobbyfotografen diesen Weg, einfach weil sie so viel Spaß an der Fotografie haben. War die Fotografie für Sie zunächst nur ein Hobby und wann wurde sie zum Beruf?

GS:
Zunächst habe ich das Fotografieren als – so nannte man das damals – Liebhaberei betreiben. Das änderte sich aber sehr schnell. Ich wurde schon von meinen Schulkameraden als guter Fotograf angesehen. Wer damals Fotos, beispielsweise von Schulausflügen machte, dem wurden die Bilder abgekauft. Das musste sein, sonst hätte man sich die benötigten Filme gar nicht leisten können. Wir waren damals sehr knapp bei Kasse.

Freitag, 4. Dezember 2015

Günter Spitzing: So fing alles an

Wie berichtet ergab sich im Herbst 2015 die schöne Gelegenheit, dem Fotografen und Buchautor Günter Spitzing eine ganze Reihe von Fragen zu stellen. Hier ist Teil 1 des Interviews, bei dem wir in die Vergangenheit zurückblicken - wie alles anfing.

Die in dieser Artikelserie gezeigten Bilder hat Günter Spitzing freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Mauerbau Berlin, 1963 -
© Günter Spitzing




















Herr Spitzing, wenn man Ihren Werdegang anschaut, drängt sich der Eindruck auf, dass Sie in diesen beinahe 85 Jahren mehrere Leben nacheinander, vielleicht auch parallel geführt haben: Sie sind 1931 geboren, d.h. Ihre Kindheit und Jugend in den Kriegs- und Nachkriegsjahren dürfte nicht einfach gewesen sein. Nach dem Abitur waren Sie zunächst Freiberufler, bevor Sie 1956 in einem Industriebetrieb anfingen. Dort waren Sie dann im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Wollen Sie zu dieser ersten Lebensphase etwas erzählen? 
Zum Beispiel ...

Wo und wie fing das mit dem Fotografieren an? 

Freitag, 13. November 2015

Wer ist eigentlich ... Günter Spitzing

Als ich neulich meine große Sammlung an Fotofachliteratur aus über dreißig Jahren durchforstet habe, fiel mir „Moderne Diafotografie“ von Günter Spitzing in die Hände. Du meine Güte, dachte ich, brauche ich das noch? Bei Fachbüchern achtet man vor allem auf das Thema und den Inhalt. Wenn ein Buch nicht mehr aktuell ist, landet es im Altpapier. Wer ein Fachbuch geschrieben hat, ist meistens nicht so relevant – Hauptsache man bekommt die gesuchten Informationen. Trotzdem habe ich gezögert, dieses Buch einfach zu entsorgen. Mir war der Name Spitzing viele Jahre ein Begriff, seine Bücher standen direkt neben denen von Hedgecoe und Feininger.

Mehrere Jahrzehnte lang war Günter Spitzing einer der angesagten deutschen Fotobuchautoren und ich habe einiges von ihm gelesen. 1965 – also vor fünfzig Jahren! – ist sein erstes Fachbuch erschienen. Zwischen 1965 und 1985 hat Günter Spitzing beinahe jährlich ein neues Buch veröffentlicht – 1968 sogar vier in einem Jahr. Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Was die wenigsten wissen: Es gibt niemanden im deutschsprachigen Raum, der sich so früh und so intensiv mit dem Thema Fotopsychologie beschäftigt hat wie er!

Ich selbst schreibe nun auch seit mehreren Jahren Fachbücher, in gewisser Weise bin ich in Günter Spitzings Fußstapfen getreten. Als ich bei Amazon über ein Buch mit dem Titel „Das indonesische Schattenspiel“ in Spitzings Bibliographie stolperte, war ich erst einmal überrascht und ahnte, dass er ein Thema gefunden haben musste, das ihn mindestens genauso begeistert, wie die Fotografie.