Donnerstag, 13. Juni 2019

Fotografie ist Sport #blogparade

Bald ist wieder #Fotomarathon in München, genauer gesagt am 20.7.

Irgendjemand hat irgendwann einmal gesagt, dass Fotografie kein Sport ist. Das kann man so sehen, man kann es aber auch hinterfragen. Dass Fotografieren allein schon deswegen anstrengend ist, weil man mit schwerem Gepäck unterwegs ist, wird jeder bestätigen, der schon mal mit einem robusten Dreibeinstativ und einer vollgepackten Fototasche im Gebirge unterwegs war. Um ungewöhnliche Aufnahmeperspektiven zu finden, muss man sich selbst im Flachland ganz schön verrenken. Das sieht für die Umstehenden nicht nur lustig aus, es ist auch ordentlich schweißtreibend. Mitunter kommt man dabei richtig aus der Puste. Ich wage zu behaupten: Wer nach dem Fotografieren noch nie einen Muskelkater hatte, hat noch nicht richtig fotografiert.

Das macht aus der Fotografie noch keinen Sport, aber unser Hobby birgt ein enormes Potenzial zum Muskelaufbau, zum Erlangen von mehr Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit, sowie zur Steigerung der allgemeinen Kondition.

Yoga-Übung: Tiefe Rückenbeuge über Schwenkmonitor.
Sehr beliebt als Dehnungsübung bei Fotografen Ü60.


























Deshalb möchte ich heute eine Einladung zur #blogparade "Fotografie ist Sport" aussprechen. Dafür gibt es folgende Möglichkeiten:
  1. Erklärt mir und euren Lesern ganz seriös oder mit einem Augenzwinkern, warum Fotografie eine sportliche Herausforderung darstellt - und zwar in körperlicher Hinsicht.
  2. Welche fotografischen Aufnahmesituationen ähneln sportlichen Betätigungen, oder setzen sportliche Betätigungen des Fotografen voraus, um überhaupt zu den Motiven zu gelangen? (Ich denke da an so simple Dinge wie: Kniebeugen mit der Kamera, oder die Unterwasserfotografie, bei der ein Fotograf gleichzeitig Taucher sein muss...) 
  3. Welche lustigen und skurrilen Sportarten könnte man für Fotografen erfinden?
    Hier sind Kreativität, Humor und Erfindungsreichtum gefragt:
    50-Meter-Sprint zum Motiv, 100-Meter-Hürdenlauf über quergelegte Einbeinstative, Querfeldein-Hindernisrennen für Landschafts- oder Tierfotografen in den Gewichtsklassen Spiegelreflex-Vollformatausrüstung ab 5 Kilo, Fototaschen-Gewichtheben ... und so weiter.  Auch die Ausarbeitung neuer Yoga-Asanas wie der "Sonnengruß für Smartphoneknipser" ist denkbar.
Der traditionelle Fotograf ist eher Einzelkämpfer, aber gäbe es nicht auch schöne Teamsportarten? Die Vorstellung dass sich zwei Mannschaften auf eine Leica stürzen, über einen grünen Rasen rennen, und versuchen, die Kamera unbeschädigt in das eigene, mit Zuckerwatte ausstaffierte Tor zu werfen, wäre eine Variante des American Football, die so noch nie gespielt wurde. Man denke nur an die lange Schlange von Sponsoren, Banden- und Trikotwerbung sowie TV-Übertragungsrechte!

Überlegt euch also auch, wie das vielfältige Zubehör (Blitzgeräte, Reflektoren, Tragegurte, Stative, Fototaschen...) für diese neuen Disziplinen als unverzichtbares Hilfsmittel eingesetzt werden könnte. Schließlich sucht die Fotoindustrie händeringend nach neuen Absatzmärkten. Für die körperlich weniger robusten Fotografen könnten "Objektivjonglieren" oder "Filterstapeln" zu trendigen Geschicklichkeitsspielen werden, die viele Youtube-Zuschauer begeistern.

Es geht um nichts Geringeres als darum, neue Weltrekorde aufzustellen - und sei es nur fürs Guinness-Buch der Skurrilitäten. Am Ende wird Fotografieren vielleicht doch noch zu einer offiziell anerkannten olympischen Disziplin?

Dabei sein ist alles 😉
Es gibt nur eine einzige Regel: Es darf skurril sein, aber nur verbal. Also bitte keine reale Umsetzung potenziell gefährlicher Aktivitäten, denn in einer Sache stimme ich den konservativen Fotografen absolut zu: Selbstverantwortung ist oberstes Gebot. Sobald die Sicherheit/Gesundheit bedroht ist, hört der Spaß auf.

Wer bei der Blogparade mitmachen möchte, kann seinen Link als Kommentar unter diesen Beitrag posten, oder per Mail an mich schicken.



Alles Wissenswerte zum absolut seriösen Fotomarathon München, Termine, Ablauf, Preise gibt es hier.

Donnerstag, 6. Juni 2019

Die perfekte Kamera: Wunschliste

Seit 2013 verfasse ich Kamerahandbücher. Acht sind erschienen, das neunte ist fast fertig. Im Zuge dieser Tätigkeit stellt mir der  Rheinwerk-Verlag für etwa zwei bis drei Monate das jeweilige Kameramodell zur Verfügung. Danach kann ich diese Kamera übernehmen (kaufen), oder  ich gebe sie zurück. Manchmal fällt mir diese Entscheidung schwer, aber ich leide nicht an GAS (Gear Acquisition Syndrome = Ausrüstungs-Anhäufungs-Syndrom), und kann mich bei Kaufentscheidungen sehr gut zurückhalten. Genau wie die meisten meiner Leserinnen und Leser halte ich trotzdem Ausschau nach der ultimativen Kamera, der sogenannen "eierlegenden Wollmilchsau", die alle meine Wünsche erfüllt. Es gibt sie nicht und ich vermeide ganz bewusst das Wörtchen noch nicht. Wenn es diese perfekte Kamera gäbe, hätten alle Hersteller ein riesengroßes Problem. Wer würde noch etwas anderes kaufen?

Makro, Weitwinkel, Supertele - gibt's alles schon in einem Gerät, aber nicht im Taschenformat.

Nach allem, was ich so aus Kursen, Leserbriefen, Foren und unter Fotofreunden zusammengetragen habe, erstelle ich jetzt mal eine 😈 Wunschliste an die Industrie: 

Meine Traumkamera
  • ist klein und robust, 
  • sie passt in die Jackentasche, liegt aber auch gut in der Hand, und trotzdem sind alle Tasten  ergonomisch angeordnet.
  • Sie ist spritzwassergeschützt und staubdicht, damit ich auch in den feuchtwarmen Tropen oder in der Sahara während eines Sandsturms fotografieren kann. Natürlich möchte ich damit auch in den Swimmingpool oder ins Meer eintauchen, und gestochen scharfe Unterwasserfotos aufnehmen. 
  • Sie hat einen eingebauten Blitz, der eine komplette Studioblitzanlage ersetzt, und fantastische Ausleuchtungen ermöglicht - auch beim Filmen.
  • Diese Kamera geht nicht kaputt, wenn ich sie versehentlich fallenlasse.
  • Sie hat einen Schwenkmonitor mit Touchscreen,
  • einen hellen, elektronischen Sucher, mit ruckelfreier Anzeige und Dioptrienkorrektur,
  • einen rauschfreien, möglichst großen (idealerweise Vollformat) Sensor,
  • liefert auch nachts scharfe und unverwackelte Bilder, selbst wenn ich nie ein Stativ mitnehme.
  • Das Objektiv verfügt über einen Zoombereich von 20 bis +3000 mm mit durchgängiger Lichtstärke von f1,8 und lässt sich auf f32 abblenden. (Ja, sie passt immer noch in die Jackentasche!)
  • Natürlich sind die Abbildungseigenschaften des Objektivs in jeder Zoomstellung erste Sahne: keine Verzerrungen, keine Vignettierungen, keine chromatischen Aberrationen und messerscharf gestochene Bilder.
  • Der Akku hält mindestens eine Woche, egal wieviel ich fotografiere, ach ne: er hält ein ganzes Jahr, so wie früher.
  • Meine Traumkamera macht außerdem wackelfreie Videos aus der Hand, mit einer Tonqualität wie aus dem Tonstudio.
  • Natürlich hat sie alle Funktionen von der Vollautomatik bis Manuell, und die ganzen schönen Motivprogramme und Kreativfilter, die es eh schon gibt.
  • Sie lässt sich individuell auf meine Bedürfnisse konfigurieren (Fn-Tasten, C-Programme),
  • sie kann GPS-Daten aufzeichnen, Bilder drahtlos versenden, und sie lässt sich mit dem Smartphone fernsteuern. Das mit der Datensicherheit bei der Übertragung haben wir natürlich auch gelöst.
  • Sie hat Apps für die professionelle Bildbearbeitung, kennt meine Vorlieben und bearbeitet die Bilder vollautomatisch so, wie ich es tun würde - einfach magisch!
  • ... habe ich etwas vergessen? Wenn Ihnen noch etwas einfällt, schreiben Sie einen Kommentar. Vielleicht müsste diese Kamera auch Whatsapp-Nachrichten verschicken können, oder Excel an Bord haben? Soll sie mit dem smarten Kühlschrank kommunizieren und Amazon-Bestellungen ermöglichen? Das ist kein Scherz, mit dem Smartphone geht das alles schon.
  • Weil diese Kamera so oft gekauft wird, ist sie natürlich auch zu einem sensationell günstigen Preis erhältlich - sagen wir 99,- EUR? Wer etwas Besonderes mit rotem oder grünem Punkt haben möchte, legt einfach einen Tausender obendrauf. 
  • Es gibt sie auch in einer Retro-Variante, die mir das Gefühl und das Aussehen gibt, mit einer mechanisch-analogen Kamera unterwegs zu sein.
Wer noch näher ran will, muss zum Teleskop greifen.


Geht nicht gibt's nicht, so lautete dereinst ein Werbeslogan.

Fast alle oben aufgelisteten "Features" gibt es, aber es gibt sie nicht in dieser Kombination. Dafür gibt es immer noch harte physikalische Gründe, von denen ich hier nur die wichtigsten kurz anreißen möchte: Ein großer Sensor verlangt nach einem großen Gehäuse, somit passt die Kamera nicht mehr in die Jackentasche. Ein Extremobjektiv wie das der Coolpix P1000 hat eine große Auszugslänge, und für gute Abbildungseigenschaften sind hochwertige (schwere) Linsen nötig. Momentan lautet die Faustregel: Maximale Abbildungseigenschaften = mehr Größe, mehr Gewicht und mehr Wechselobjektive = hohe Kosten, wenig Komfort. Wer in diesem Punkt bereit ist Abstriche zu machen, findet heute schon Geräte, die der Traumkamera nahekommen. Alle anderen müssen warten, bis die Materialforschung oder die physikalische Grundlagenforschung mit bahnbrechenden neuen Erkenntnissen aufwarten.
Auch bei der Ergonomie gibt es Grenzen: Je kleiner die Kamera, desto schwieriger wird es, die Bedienelemente so zu gestalten und anzuordnen, dass sie sich vernünftig benutzen lassen. Aber vielleicht denken wir da zu altmodisch: Sprachsteuerung gibt es ja schon, nicht wahr, Siri? Mein Smartphone löst aus, wenn ich "Klick" sage. Das ist manchmal sehr nützlich. Ich möchte dann aber auch Kurzbefehle für die Traumkamera, mit denen ich gleich ein ganzes Set an individuellen Einstellungen mit nur einem Zungenschnalzer aktivieren kann. Wenn die Kamera mit dem Gehirn verdrahtet wird, könnte die Kamerabedienung ohne Tasten funktionieren - ein WLAN-Headset? Unbedingt in schickem Design! 😉

Das mit dem Blitzlicht ist natürlich extremes Wunschdenken. Dazu können wir aber in Richtung CGR (Computer Generated Reality) schauen. Autowerbung wird schon seit längerem im Computer erstellt, und diese Bilder sehen täuschen echt aus. Gerade macht das erste künstlich generierte Fotomodell (Shudu) bei Instagram Karriere. Weiterführende Links finden Sie am Ende des Artikels.

Baden gehen mit der Kamera: Für hervorragende Unterwasserfotos braucht man teure Spezialausrüstung -
und sehr viel Knowhow.


Alles eine Frage der Zeit
Neulich habe ich ein uraltes Fotolehrbuch aus den späten 1970er Jahren im Keller gefunden. Wer weiß noch, was ein "Spiegeltele" ist? Damals gab es kaum vernünftige Zoomobjektive, man musste Festbrennweiten nutzen. Mein erstes 500 mm Teleobjektiv war fünfzig Zentimeter lang. Daran hatte ich wahrlich keine Freude. Es wird hoffentlich keine weiteren vierzig Jahre dauern, bis schlaue Menschen oder künstliche Intelligenzen neue Techniken, Materialien und Software entwickeln, mit denen sich alle Fotografenwünsche in nur einem Gerät erfüllen lassen. Und dann?
Stellen wir uns vor, ein Hersteller wie Apple, Huawei, Google oder Kennenwirnochnicht bringt diese eierlegende Wollmilchsau auf den Markt. Dann werden wir jammern, dass Nikon, Canon, Sony, Panasonic, Olympus, Leica, Hasselblad ... und der ganze noch verbliebene Reigen der Kamerahersteller vom Markt verschwindet. Es wäre das Amazon-Phänomen im Fotosektor. Oder würden Sie das als "Demokratisierung der Fotografie" bezeichnen, weil endlich jedem die gleichen technischen Möglichkeiten zur Verfügung stehen? Ich glaube wir wollen und wir brauchen (auch diese) Artenvielfalt. 😆

Wahrscheinlich werden wir langfristig ein Gerät bekommen, das viele der oben aufgelisteten Wünsche in sich vereint. Da gibt es dieses Buch mit dem Titel "Pass auf, was du denkst". Nachdem ich diese Wunschliste jetzt nicht nur gedacht, sondern aufgeschrieben, und in einem Google-Blog veröffentlicht habe, kommt bestimmt eine KI vorbei und macht sich Notizen. Die Zukunft der Fotografie wird meiner Ansicht nach immer stärker von der Software abhängen, aber auch von der Rechenleistung der Geräte. Beides entwickelt sich rasant weiter, und die Halbwertszeit von Computern und anderen elektronischen Geräten bleibt kurz. Entgehen kann man diesem Wettlauf nur, wenn man wieder zum analogen Film greift, oder sich einfach in Gelassenheit übt.

Weiterführende Links:
  • Ein ernstes Thema: Gear Acquisition Syndrome (GAS
  • Kein Fake: Shudu ist ein 3D-Fotomodell (Süddeutsche Zeitung
  • Erschreckend: Realistische Fotos von Personen, die es gar nicht gibt (Stern)
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Bilder in diesem Beitrag: 1+3 Panasonic Lumix FZ1000 II, 2: Nikon Coolpix P1000

Mittwoch, 5. Juni 2019

TV-Tipps für Juni


Diesmal kommen die TV-Tipps für den Juni mit etwas Verspätung, aber Sie haben noch nichts verpasst. Die einzige Sendung, die für Fotografen ausgesprochen interessant klingt, wird leider nur vom Schweizer Fernsehen (SF) ausgestrahlt. Die Dokumentation geht der Frage nach, wie die digitale Revolution den Berufsstand des Fotografen verändert hat. Am Beispiel von fünf Schweizer Fotografen zeigt der Filmemacher, wie diese auf die Herausforderung reagieren. Sollte ein deutscher Sender - vermutlich 3sat -  eines Tages diesen Beitrag senden, erfahren Sie es hier. 

Für Leute, die gerne über den Tellerrand schauen, habe ich wieder einige "alternative" Sendungen herausgepickt. Im PDF-Dokument finden Sie auch die Links zu den Mediatheken und zum Mediathek-Viewer online, den Sie nach Ihren eigenen Suchbegriffen durchstöbern können.

Freitag, 31. Mai 2019

Perspektivwechsel

Im vorigen Blogartikel hatte ich angekündigt, dass ich mich auf die Suche nach "Motiven mit geraden Horizonten" machen und ein paar Sonnenstrahlen einfangen wollte. Beides hat geklappt, wie Sie sehen. Der Urlaub ist vorbei und der Alltag hat mich wieder. Es ist der Erholung sehr zuträglich, wenn man schöne Motive von der Dachterrasse aus fotografieren und sich dann wieder an den Pool legen kann. Insgesamt waren drei Kameras im Einsatz: natürlich die Lumix FZ1000II, die Nikon Coolpix P1000 und das Smartphone. Wenn bei der Lumix noch Nachmittag war, war die Nikon manchmal schon im Sonnenuntergangsmodus. Nicht nur Menschen reagieren unterschiedlich auf Farbstimmungen.

Klick aufs Bild für größere Ansicht

Schönes Bild, nicht wahr? Aber stopp, es ist Betrug. Zunächst einmal handelt es sich um eine Panorama-Aufnahme aus drei Einzelfotos, aufgenommen mit 215 mm Brennweite. Mit der Freihand-Panoramafunktion ist man auf den Weitwinkelmodus beschränkt, je nach Kamera 24-28 mm. Bei diesem Motiv hätte man auf dem Foto so viel vom Vordergrund gesehen, dass man die entfernte Inselgruppe kaum noch wahrgenommen hätte.

Deshalb müssen Tele-Panoramen von Hand gemacht und die Einzelaufnahmen in einem Bearbeitungsprogramm zusammengesetzt werden. Der Profi arbeitet dann mit Stativ und speziellem Zubehör, aber ich bin faul und unser Koffer hatte sowieso schon den Aufkleber "heavy". Dank Lightroom & Co. ist es kein Problem, selbst Freihandaufnahmen mit wenigen Mausklicks zu einem Panorama zusammenzufügen. Wichtig ist dabei, dass die Aufnahmen in ihrer Helligkeit nicht zu stark von einander abweichen, dass man den Horizont auf gleicher Höhe hält, und dass man die Einzelbilder ausreichend überlappen lässt. Dann kann die Software die Übergänge korrekt berechnen.

Das ist noch kein Betrug. Das Wetter auf Ibiza war super, aber nur an fünf von sieben Tagen. Zwei Tage Dauerregen waren auch dabei. Das Panorama ist am Abend vor dem ersten Regentag entstanden, als sich das schlechte Wetter ankündigte. In Wirklichkeit sah die Szene so aus:

Es gab viel Grau und einen Hauch Apricot.

Mit zwei Verlaufsfiltern, in denen der Weißabgleich nach Blau gedreht wird, werden Meer und Himmel attraktiver. Die Regler Sättigung und Dynamik intensivieren den hellen Lichtstreifen am Horizont und sorgen für einen schönen Kalt-Warm-Kontrast. Das hat mit der sichtbaren Realität vor Ort nicht mehr viel zu tun, aber es sieht einfach besser aus. So funktioniert digitale Fotografie seit vielen Jahren.

Ein paar Tage später entstand dieses Bild:


Nun, was meinen Sie? Fake oder echt?

Bevor ich die Frage beantworte, zeige ich Ihnen erst noch ein paar andere Motive.
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1200 mm Brennweite | Freihandaufnahme | Kamera-JPEG unbearbeitet.
Experten werden sofort anhand der Brennweite erkennen, dass dieses Foto mit der P1000 aufgenommen ist. Das Containerschiff am Horizont sah schon im Sucher aus, wie eine Fata Morgana. Das Flimmern der Luft macht sich über eine so weite Distanz deutlich bemerkbar, ist also kein Objektivfehler. Mit bloßem Auge betrachtet, war das Schiff in der Ferne nur als heller diffuser Fleck zu erkennen. Für mich ist es immer eine Genugtuung, wenn es mir gelingt, die schwere Kamera gerade zu halten, damit der Horizont waagrecht bleibt und alle Bildelemente am richtigen Fleck landen.

180 mm Brennweite | leichte Perspektivkorrektur | Farben & Schärfe optimiert

Die Mauer der Festung von Eivissa ist ziemlich alt und verläuft nicht wie mit dem Lineal gezogen, sondern leicht schräg relativ zur weißen Hausmauer dahinter. Sie kennen das Problem vermutlich: Entweder ist die Mauer unten gerade oder die Wände oben - beides geht nicht ohne Linienkorrektur. Trotz einer Belichtungskorrektur nach Plus bei der Aufnahme fehlte dem Motiv etwas "Frische", die durch eine Weiß-Beschneidung der JPEG-Datei nachträglich hinzugefügt wurde. Etwas mehr Struktur und Klarheit für die Mauer kamen dann noch obendrauf.

400 mm Brennweite | Kamera-JPEG, unbearbeitet
Hier war die  FZ1000II im Einsatz, maximaler Zoom, Programmautomatik - beim Stadtbummel musste es schnell gehen. Was mich wirklich begeistert: Man sieht im elektronischen Sucher sehr genau, wo das Motiv endet. So kann man beim Fotografieren exakt gestalten und muss hinterher nichts zuschneiden. Die Stühle links sind bewusst angeschnitten, weil Sie dort sonst einen Ampelmast vorgefunden hätten.

Bei den folgenden beiden Bildern geht es auch um das Gestalten mit Linien, aber das Bildpaar hat für mich noch zwei andere Aspekte:

1. "Schlechtes Wetter" ist nicht immer schlecht.
2. Welche Wirklichkeit wollen Sie zeigen?

Man braucht kein Bildbearbeitungsprogramm, um die Realität zu "verfälschen". Allein die Wahl des Bildausschnitts und der Perspektive ergeben zwei ganz unterschiedliche Ansichten und natürlich gäbe es noch diverse andere. Welche dieser beiden gefällt Ihnen besser? Welche entspricht eher Ihrer "Philosophie des Fotografierens"? Haben Sie schon eine?
Ich mache gerne mehrere Aufnahmen, damit ich mir für verschiedene Zwecke das jeweils passende Motiv aussuchen kann.

400 mm Brennweite | Kamera-JPEG | Auto-Tonwertkorrektur

87 mm Brennweite | Kamera-JPEG | Auto-Tonwertkorrektur

Jetzt will ich Sie nicht länger langweilen oder auf die Folter spannen, kommen wir zurück zum Sonnenuntergangsmotiv:

400 mm | f4 | 1/125 s | ISO 800

Die Szene sah in der Realität genauso intensiv aus wie auf diesem Bild. Es handelt sich um ein unbearbeitetes Kamera JPEG, aufgenommen mit dem Modus P, Freihandaufnahme, Bildstil Vivid (lebhaft) aus der Lumix FZ1000 II.
Ich habe dieses Motiv anschließend noch mit der Intelligenten Automatik und mit den SCN-Programmen für den romantischen und den dramatischen Sonnenuntergang aufgenommen, damit man im Handbuch den Vergleich sehen kann. Die hier gezeigte Version kam der Wirklichkeit am nächsten, auch wenn das Bild aussieht, als wäre es in Photoshop/Lightroom massiv nachbearbeitet. 
Wenn die Rahmenbedingungen stimmen (Wetter, Licht, Motiv) und wenn man die Kamera gerade hält, dann reicht es manchmal, einfach nur auf den Auslöser zu drücken.

Freitag, 17. Mai 2019

Updates: Zoner Photo Studio, Mediathek-Viewer, Fotobuch-Konfigurator

Im digitalen Zeitalter veralten viele Informationen ziemlich schnell. Darum ist es heute an der Zeit, über ein paar neue Entwicklungen zu berichten. 

Zoner Photo Studio X (ZPS X)
Kurz nach Erscheinen meines Artikels zu dieser Bildbearbeitungs-Software kam im April ein großes Frühjahrs-Update heraus. Wer die Software benutzt, hat beim Programmstart sicher den Hinweis gesehen, der oben rechts eingeblendet wurde. Wenn Sie ZPS X jetzt testen, sind die Aktualisierungen bereits enthalten.
Die neuen Funktionen sind nützlich und interessant: Die Anzeige von RAW-Dateien wurde beschleunigt und die Behandlung von RAW+JPEG vereinfacht. Das ist (war) ein Problem, das mich bei Lightroom immer wieder stört. 
Bei der Gesichtsbearbeitung legt Zoner ebenfalls nach: Gesichtszüge können mit der Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) verändert werden. Ja, Sie lesen richtig. Wir reden längst nicht mehr von der Retusche lästiger Pickel oder von einem schöneren Hautton. Machen Sie die Nase schmaler, den Mund üppiger, die Augen gleichmäßiger und zaubern Sie dem oder der Abgebildeten ein Lächeln ins Gesicht. Das ist alles Standard und findet sich im Tool Verflüssigen. Darüber hinaus gibt in Zoner es alle möglichen (und unmöglichen) Deformationswerkzeuge. Es wundert mich, dass man diese Werkzeuge aus psychologischen Aspekten noch nicht als "Optimierungswerkzeuge" bezeichnet. Ich gebe zu, dass ich auch schon mal versucht habe, bei einem verzerrten Selfie aus Eierköpfen normal aussehende Menschen zu machen. Ganz einfach ist das nicht, aber die Möglichkeiten sind faszinierend.
Eine Übersicht über alle Neuerungen und ein kurzes Demo-Video zur Gesichtsbearbeitung finden Sie auf der ZPS X Homepage.

Eine traurige aber wichtige Nachricht habe ich letztes Jahr komplett verschlafen: Für die Nik-Collection, die es von Google kostenlos gegeben hatte, muss man mittlerweile wieder ordentlich Geld hinlegen (69,- EUR). Wer seinen Rechner neu aufsetzt oder einen neuen Computer kauft, kann das alte, kostenfreie Programm darauf leider nicht mehr installieren. Bestehende Installationen laufen noch, darum ist das Thema an mir vorbeigegangen. Die Software ist einfach gut und soll wieder weiterentwickelt werden. Lesen Sie dazu den Artikel bei Docma. Wenn Sie in den sauren Apfel beissen wollen oder müssen, können Sie die Nik-Software im Onlineshop von DxO kaufen.

Ein Handyfoto schnell mit den Nik-Effekten aufstylen - ich möchte darauf nicht mehr verzichten.

Und weil wir gerade dabei sind: Irfan View, mein Lieblings-Viewer, meldet gerade heute ein neues Update (Version 4.53). Damit kann man jetzt unter anderem Sprechblasen auf Fotos legen. Dem klassischen Fotografen werden die Haare zu Berge stehen, ABER denken Sie nicht nur an sich selbst. Auf Pinterest findet man davon jede Menge. Die Handhabung ist bei Irfan View ein bisschen umständlich, aber das Update ist eine gute Gelegenheit für mich, mal wieder die Werbetrommel für ein kostenloses Programm zu rühren, das ich seit fast zwanzig Jahren täglich benutze - zum Beispiel um all die Aufnahmedaten schnell auszulesen, die wir in all den Büchern zu den Bildern drucken. Danke Irfan Skiljan! Hier geht's zur Download-Seite.

Ebenfalls erfreulich ist diese Neuerung: Der Mediathek-Viewer, mit dem man sich alle Fernsehsendungen aus den deutschen Mediatheken herausfiltern kann, war immer schon etwas spröde in der Bedienung. Manchmal macht er nicht das, was er soll oder kann die Liste nicht laden. Zudem arbeitet er nur mit dem VLC-Media-Player, der von Software-Experten als unsicher eingestuft wird. Jetzt muss man sich diese Software nicht mehr installieren. Es gibt den Viewer in einer Online-Version, die auch die Mediatheken des ORF und SRF durchstöbert (Suche überall). Aus rechtlichen Gründen kann man mit deutscher IP-Adresse leider nicht in der Schweiz fernsehen und umgekehrt vermutlich auch nicht. Ich weiß, dass es Leute gibt, die wissen, wie man dieses Problem löst, aber das ist nicht mein Metier.
Unter dem nachfolgenden Link finden Sie alle Sendungen, die unter dem Stichwort "Foto" tagesaktuell gelistet sind:  Mediathek-Viewer online. Sie können die Beiträge sofort anschauen oder die Filme in verschiedenen Auflösungen für später herunterladen. 
Denken Sie daran, dass nicht nur der Suchbegriff "Foto" zu interessanten Sendungen führt. Gerade gestern bin ich zufällig in diesen Beitrag "hineingestolpert": Janine Meyer - Partykeller sind ihr Lieblingsmotiv (DAS auf NDR). Haben Sie einen Partykeller in München? Ich komme vorbei!

Last but not least: Wann haben Sie zuletzt ein Fotobuch gestaltet?
Als ich letztes Jahr für mein Buch Digitale Fotografie verschiedene Anbieter von Fotobüchern ausprobiert habe, ist mir aufgefallen, dass sehr viele davon dieselbe Online-Software (Fotobuch-Konfigurator) verwenden. Im Hinblick auf die Gestaltungsmöglichkeiten war es also relativ egal, bei welcher Firma man das Fotobuch erstellte. Die Firma myposter geht nun einen eigenen Weg und hat ein Jahr lang eine neue Software entwickelt. Der neue Konfigurator ist diese Woche online gegangen, bietet andere Designs und wird im Lauf der Zeit eine größer werdende Auswahl an Vorlagen bieten. Dieser neue Konfigurator ist auch so ausgelegt, dass man schnell (eigene) Vorlagen erstellen kann. Klingt gut! Hier können Sie sich selbst einen Eindruck verschaffen.

Bei mir stehen in Kürze die Korrekturläufe fürs Handbuch zur FZ1000II an. Die kurze Verschnaufpause nutze ich, um ein paar Sonnenstrahlen einzufangen und Motive mit geraden Horizonten zu suchen. Mit den neuen Bildern im Gepäck werde ich dann ein privates Fotobuch gestalten. Mehr dazu beim nächsten Mal.