Donnerstag, 13. Juni 2019

Fotografie ist Sport #blogparade

Bald ist wieder #Fotomarathon in München, genauer gesagt am 20.7.

Irgendjemand hat irgendwann einmal gesagt, dass Fotografie kein Sport ist. Das kann man so sehen, man kann es aber auch hinterfragen. Dass Fotografieren allein schon deswegen anstrengend ist, weil man mit schwerem Gepäck unterwegs ist, wird jeder bestätigen, der schon mal mit einem robusten Dreibeinstativ und einer vollgepackten Fototasche im Gebirge unterwegs war. Um ungewöhnliche Aufnahmeperspektiven zu finden, muss man sich selbst im Flachland ganz schön verrenken. Das sieht für die Umstehenden nicht nur lustig aus, es ist auch ordentlich schweißtreibend. Mitunter kommt man dabei richtig aus der Puste. Ich wage zu behaupten: Wer nach dem Fotografieren noch nie einen Muskelkater hatte, hat noch nicht richtig fotografiert.

Das macht aus der Fotografie noch keinen Sport, aber unser Hobby birgt ein enormes Potenzial zum Muskelaufbau, zum Erlangen von mehr Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit, sowie zur Steigerung der allgemeinen Kondition.

Yoga-Übung: Tiefe Rückenbeuge über Schwenkmonitor.
Sehr beliebt als Dehnungsübung bei Fotografen Ü60.


























Deshalb möchte ich heute eine Einladung zur #blogparade "Fotografie ist Sport" aussprechen. Dafür gibt es folgende Möglichkeiten:
  1. Erklärt mir und euren Lesern ganz seriös oder mit einem Augenzwinkern, warum Fotografie eine sportliche Herausforderung darstellt - und zwar in körperlicher Hinsicht.
  2. Welche fotografischen Aufnahmesituationen ähneln sportlichen Betätigungen, oder setzen sportliche Betätigungen des Fotografen voraus, um überhaupt zu den Motiven zu gelangen? (Ich denke da an so simple Dinge wie: Kniebeugen mit der Kamera, oder die Unterwasserfotografie, bei der ein Fotograf gleichzeitig Taucher sein muss...) 
  3. Welche lustigen und skurrilen Sportarten könnte man für Fotografen erfinden?
    Hier sind Kreativität, Humor und Erfindungsreichtum gefragt:
    50-Meter-Sprint zum Motiv, 100-Meter-Hürdenlauf über quergelegte Einbeinstative, Querfeldein-Hindernisrennen für Landschafts- oder Tierfotografen in den Gewichtsklassen Spiegelreflex-Vollformatausrüstung ab 5 Kilo, Fototaschen-Gewichtheben ... und so weiter.  Auch die Ausarbeitung neuer Yoga-Asanas wie der "Sonnengruß für Smartphoneknipser" ist denkbar.
Der traditionelle Fotograf ist eher Einzelkämpfer, aber gäbe es nicht auch schöne Teamsportarten? Die Vorstellung dass sich zwei Mannschaften auf eine Leica stürzen, über einen grünen Rasen rennen, und versuchen, die Kamera unbeschädigt in das eigene, mit Zuckerwatte ausstaffierte Tor zu werfen, wäre eine Variante des American Football, die so noch nie gespielt wurde. Man denke nur an die lange Schlange von Sponsoren, Banden- und Trikotwerbung sowie TV-Übertragungsrechte!

Überlegt euch also auch, wie das vielfältige Zubehör (Blitzgeräte, Reflektoren, Tragegurte, Stative, Fototaschen...) für diese neuen Disziplinen als unverzichtbares Hilfsmittel eingesetzt werden könnte. Schließlich sucht die Fotoindustrie händeringend nach neuen Absatzmärkten. Für die körperlich weniger robusten Fotografen könnten "Objektivjonglieren" oder "Filterstapeln" zu trendigen Geschicklichkeitsspielen werden, die viele Youtube-Zuschauer begeistern.

Es geht um nichts Geringeres als darum, neue Weltrekorde aufzustellen - und sei es nur fürs Guinness-Buch der Skurrilitäten. Am Ende wird Fotografieren vielleicht doch noch zu einer offiziell anerkannten olympischen Disziplin?

Dabei sein ist alles 😉
Es gibt nur eine einzige Regel: Es darf skurril sein, aber nur verbal. Also bitte keine reale Umsetzung potenziell gefährlicher Aktivitäten, denn in einer Sache stimme ich den konservativen Fotografen absolut zu: Selbstverantwortung ist oberstes Gebot. Sobald die Sicherheit/Gesundheit bedroht ist, hört der Spaß auf.

Wer bei der Blogparade mitmachen möchte, kann seinen Link als Kommentar unter diesen Beitrag posten, oder per Mail an mich schicken.



Alles Wissenswerte zum absolut seriösen Fotomarathon München, Termine, Ablauf, Preise gibt es hier.

Donnerstag, 6. Juni 2019

Die perfekte Kamera: Wunschliste

Seit 2013 verfasse ich Kamerahandbücher. Acht sind erschienen, das neunte ist fast fertig. Im Zuge dieser Tätigkeit stellt mir der  Rheinwerk-Verlag für etwa zwei bis drei Monate das jeweilige Kameramodell zur Verfügung. Danach kann ich diese Kamera übernehmen (kaufen), oder  ich gebe sie zurück. Manchmal fällt mir diese Entscheidung schwer, aber ich leide nicht an GAS (Gear Acquisition Syndrome = Ausrüstungs-Anhäufungs-Syndrom), und kann mich bei Kaufentscheidungen sehr gut zurückhalten. Genau wie die meisten meiner Leserinnen und Leser halte ich trotzdem Ausschau nach der ultimativen Kamera, der sogenannen "eierlegenden Wollmilchsau", die alle meine Wünsche erfüllt. Es gibt sie nicht und ich vermeide ganz bewusst das Wörtchen noch nicht. Wenn es diese perfekte Kamera gäbe, hätten alle Hersteller ein riesengroßes Problem. Wer würde noch etwas anderes kaufen?

Makro, Weitwinkel, Supertele - gibt's alles schon in einem Gerät, aber nicht im Taschenformat.

Nach allem, was ich so aus Kursen, Leserbriefen, Foren und unter Fotofreunden zusammengetragen habe, erstelle ich jetzt mal eine 😈 Wunschliste an die Industrie: 

Meine Traumkamera
  • ist klein und robust, 
  • sie passt in die Jackentasche, liegt aber auch gut in der Hand, und trotzdem sind alle Tasten  ergonomisch angeordnet.
  • Sie ist spritzwassergeschützt und staubdicht, damit ich auch in den feuchtwarmen Tropen oder in der Sahara während eines Sandsturms fotografieren kann. Natürlich möchte ich damit auch in den Swimmingpool oder ins Meer eintauchen, und gestochen scharfe Unterwasserfotos aufnehmen. 
  • Sie hat einen eingebauten Blitz, der eine komplette Studioblitzanlage ersetzt, und fantastische Ausleuchtungen ermöglicht - auch beim Filmen.
  • Diese Kamera geht nicht kaputt, wenn ich sie versehentlich fallenlasse.
  • Sie hat einen Schwenkmonitor mit Touchscreen,
  • einen hellen, elektronischen Sucher, mit ruckelfreier Anzeige und Dioptrienkorrektur,
  • einen rauschfreien, möglichst großen (idealerweise Vollformat) Sensor,
  • liefert auch nachts scharfe und unverwackelte Bilder, selbst wenn ich nie ein Stativ mitnehme.
  • Das Objektiv verfügt über einen Zoombereich von 20 bis +3000 mm mit durchgängiger Lichtstärke von f1,8 und lässt sich auf f32 abblenden. (Ja, sie passt immer noch in die Jackentasche!)
  • Natürlich sind die Abbildungseigenschaften des Objektivs in jeder Zoomstellung erste Sahne: keine Verzerrungen, keine Vignettierungen, keine chromatischen Aberrationen und messerscharf gestochene Bilder.
  • Der Akku hält mindestens eine Woche, egal wieviel ich fotografiere, ach ne: er hält ein ganzes Jahr, so wie früher.
  • Meine Traumkamera macht außerdem wackelfreie Videos aus der Hand, mit einer Tonqualität wie aus dem Tonstudio.
  • Natürlich hat sie alle Funktionen von der Vollautomatik bis Manuell, und die ganzen schönen Motivprogramme und Kreativfilter, die es eh schon gibt.
  • Sie lässt sich individuell auf meine Bedürfnisse konfigurieren (Fn-Tasten, C-Programme),
  • sie kann GPS-Daten aufzeichnen, Bilder drahtlos versenden, und sie lässt sich mit dem Smartphone fernsteuern. Das mit der Datensicherheit bei der Übertragung haben wir natürlich auch gelöst.
  • Sie hat Apps für die professionelle Bildbearbeitung, kennt meine Vorlieben und bearbeitet die Bilder vollautomatisch so, wie ich es tun würde - einfach magisch!
  • ... habe ich etwas vergessen? Wenn Ihnen noch etwas einfällt, schreiben Sie einen Kommentar. Vielleicht müsste diese Kamera auch Whatsapp-Nachrichten verschicken können, oder Excel an Bord haben? Soll sie mit dem smarten Kühlschrank kommunizieren und Amazon-Bestellungen ermöglichen? Das ist kein Scherz, mit dem Smartphone geht das alles schon.
  • Weil diese Kamera so oft gekauft wird, ist sie natürlich auch zu einem sensationell günstigen Preis erhältlich - sagen wir 99,- EUR? Wer etwas Besonderes mit rotem oder grünem Punkt haben möchte, legt einfach einen Tausender obendrauf. 
  • Es gibt sie auch in einer Retro-Variante, die mir das Gefühl und das Aussehen gibt, mit einer mechanisch-analogen Kamera unterwegs zu sein.
Wer noch näher ran will, muss zum Teleskop greifen.


Geht nicht gibt's nicht, so lautete dereinst ein Werbeslogan.

Fast alle oben aufgelisteten "Features" gibt es, aber es gibt sie nicht in dieser Kombination. Dafür gibt es immer noch harte physikalische Gründe, von denen ich hier nur die wichtigsten kurz anreißen möchte: Ein großer Sensor verlangt nach einem großen Gehäuse, somit passt die Kamera nicht mehr in die Jackentasche. Ein Extremobjektiv wie das der Coolpix P1000 hat eine große Auszugslänge, und für gute Abbildungseigenschaften sind hochwertige (schwere) Linsen nötig. Momentan lautet die Faustregel: Maximale Abbildungseigenschaften = mehr Größe, mehr Gewicht und mehr Wechselobjektive = hohe Kosten, wenig Komfort. Wer in diesem Punkt bereit ist Abstriche zu machen, findet heute schon Geräte, die der Traumkamera nahekommen. Alle anderen müssen warten, bis die Materialforschung oder die physikalische Grundlagenforschung mit bahnbrechenden neuen Erkenntnissen aufwarten.
Auch bei der Ergonomie gibt es Grenzen: Je kleiner die Kamera, desto schwieriger wird es, die Bedienelemente so zu gestalten und anzuordnen, dass sie sich vernünftig benutzen lassen. Aber vielleicht denken wir da zu altmodisch: Sprachsteuerung gibt es ja schon, nicht wahr, Siri? Mein Smartphone löst aus, wenn ich "Klick" sage. Das ist manchmal sehr nützlich. Ich möchte dann aber auch Kurzbefehle für die Traumkamera, mit denen ich gleich ein ganzes Set an individuellen Einstellungen mit nur einem Zungenschnalzer aktivieren kann. Wenn die Kamera mit dem Gehirn verdrahtet wird, könnte die Kamerabedienung ohne Tasten funktionieren - ein WLAN-Headset? Unbedingt in schickem Design! 😉

Das mit dem Blitzlicht ist natürlich extremes Wunschdenken. Dazu können wir aber in Richtung CGR (Computer Generated Reality) schauen. Autowerbung wird schon seit längerem im Computer erstellt, und diese Bilder sehen täuschen echt aus. Gerade macht das erste künstlich generierte Fotomodell (Shudu) bei Instagram Karriere. Weiterführende Links finden Sie am Ende des Artikels.

Baden gehen mit der Kamera: Für hervorragende Unterwasserfotos braucht man teure Spezialausrüstung -
und sehr viel Knowhow.


Alles eine Frage der Zeit
Neulich habe ich ein uraltes Fotolehrbuch aus den späten 1970er Jahren im Keller gefunden. Wer weiß noch, was ein "Spiegeltele" ist? Damals gab es kaum vernünftige Zoomobjektive, man musste Festbrennweiten nutzen. Mein erstes 500 mm Teleobjektiv war fünfzig Zentimeter lang. Daran hatte ich wahrlich keine Freude. Es wird hoffentlich keine weiteren vierzig Jahre dauern, bis schlaue Menschen oder künstliche Intelligenzen neue Techniken, Materialien und Software entwickeln, mit denen sich alle Fotografenwünsche in nur einem Gerät erfüllen lassen. Und dann?
Stellen wir uns vor, ein Hersteller wie Apple, Huawei, Google oder Kennenwirnochnicht bringt diese eierlegende Wollmilchsau auf den Markt. Dann werden wir jammern, dass Nikon, Canon, Sony, Panasonic, Olympus, Leica, Hasselblad ... und der ganze noch verbliebene Reigen der Kamerahersteller vom Markt verschwindet. Es wäre das Amazon-Phänomen im Fotosektor. Oder würden Sie das als "Demokratisierung der Fotografie" bezeichnen, weil endlich jedem die gleichen technischen Möglichkeiten zur Verfügung stehen? Ich glaube wir wollen und wir brauchen (auch diese) Artenvielfalt. 😆

Wahrscheinlich werden wir langfristig ein Gerät bekommen, das viele der oben aufgelisteten Wünsche in sich vereint. Da gibt es dieses Buch mit dem Titel "Pass auf, was du denkst". Nachdem ich diese Wunschliste jetzt nicht nur gedacht, sondern aufgeschrieben, und in einem Google-Blog veröffentlicht habe, kommt bestimmt eine KI vorbei und macht sich Notizen. Die Zukunft der Fotografie wird meiner Ansicht nach immer stärker von der Software abhängen, aber auch von der Rechenleistung der Geräte. Beides entwickelt sich rasant weiter, und die Halbwertszeit von Computern und anderen elektronischen Geräten bleibt kurz. Entgehen kann man diesem Wettlauf nur, wenn man wieder zum analogen Film greift, oder sich einfach in Gelassenheit übt.

Weiterführende Links:
  • Ein ernstes Thema: Gear Acquisition Syndrome (GAS
  • Kein Fake: Shudu ist ein 3D-Fotomodell (Süddeutsche Zeitung
  • Erschreckend: Realistische Fotos von Personen, die es gar nicht gibt (Stern)
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Bilder in diesem Beitrag: 1+3 Panasonic Lumix FZ1000 II, 2: Nikon Coolpix P1000

Mittwoch, 5. Juni 2019

TV-Tipps für Juni


Diesmal kommen die TV-Tipps für den Juni mit etwas Verspätung, aber Sie haben noch nichts verpasst. Die einzige Sendung, die für Fotografen ausgesprochen interessant klingt, wird leider nur vom Schweizer Fernsehen (SF) ausgestrahlt. Die Dokumentation geht der Frage nach, wie die digitale Revolution den Berufsstand des Fotografen verändert hat. Am Beispiel von fünf Schweizer Fotografen zeigt der Filmemacher, wie diese auf die Herausforderung reagieren. Sollte ein deutscher Sender - vermutlich 3sat -  eines Tages diesen Beitrag senden, erfahren Sie es hier. 

Für Leute, die gerne über den Tellerrand schauen, habe ich wieder einige "alternative" Sendungen herausgepickt. Im PDF-Dokument finden Sie auch die Links zu den Mediatheken und zum Mediathek-Viewer online, den Sie nach Ihren eigenen Suchbegriffen durchstöbern können.