Dienstag, 28. August 2018

Warum fotografieren? (1/20)


„Ohne Fotografie ist der Moment für immer verloren,
so als ob es ihn nie gegeben hätte.”

Richard Avedon

Montag, 27. August 2018

Jubiläum: 10 Jahre Fotonanny Blog!



Wer hat an der Uhr gedreht? Am 27. August 2008 habe ich in diesem Blog meinen ersten Artikel gepostet. So richtig ernst genommen habe ich das Bloggen anfangs nicht, außerdem war Twitter mit seinen kurzen und knackigen Botschaften gerade voll im Trend. Im Netz gibt es dauernd irgendwelche Trends und ich wusste noch nicht so genau, ob es sich lohnen würde, von einer statischen Webseite auf einen Blog umzusatteln. Aktuell verbringen wohl die meisten Menschen mehr Zeit mit dem Lesen und Schreiben von Kurznachrichten per Whatsapp oder treiben sich eher auf Instagram herum. Es gibt so viele Möglichkeiten...

Für mich war Bücher schreiben immer das Maß der Dinge und ist es bis heute geblieben. Eine Herausforderung ist die immer kürzer werdende Aufmerksamkeitsspanne der Leser. Wissen muss häppchenweise serviert werden, weil die meisten Menschen wenig Zeit und noch weniger Ruhe haben, um das Gelesene zu verdauen. Die Interaktivität und das schnelle Tempo von Whatsapp und sozialen Medien verursachen im Gehirn der Nutzer die Ausschüttung von Botenstoffen, die das Belohnungszentrum aktivieren. Wer ein Buch oder einen längeren Text liest, bekommt diesen Kick nicht so schnell und nicht so oft. Für das Buch Fotografieren! haben wir deshalb ein neues didaktisches Konzept angewendet, das dieser Entwicklung Rechnung trägt.

Fotonanny im Aufwärtstrend
Der Fotonanny-Blog ist im Lauf der Zeit zu einer sinnvollen Ergänzung meiner Buchveröffentlichtungen geworden, wie die Zugriffszahlen deutlich zeigen. Hier im Blog kann ich Themen vertiefen oder Fragen aus Kursen und Leserzuschriften aufgreifen. Auch in meinem (Arbeits)Alltag tauchen Themen auf, von denen ich glaube, dass sie für andere interessant sein können. Ob das wirklich stimmt versuche ich durch einen Blick auf die Zugriffsstatistiken herauszufinden.

Abgesehen von den Amazon Links ist mein Blog frei von gesponserter Werbung oder AdWords. Trotz anderslautender Empfehlungen nutze ich auch kein Google Analytics sondern nur die einfachen Statistiken, die Blogger (Google) mitliefert.

Erfreulicher Aufwärtstrend

Während ich Bücher schreibe und meine Abgabetermine im Auge behalten muss, bleibt nicht immer genug Zeit für regelmäßige Blogbeiträge. Entsprechend zackig sehen die Zugriffszahlen aus. Je mehr Posts ich veröffentliche desto besser, sagt die Statistik.


35 bis 55 Beiträge pro Jahr sind nicht gerade viel, aber mir ist der Inhalt wichtiger als die reine Anzahl von Beiträgen. Was die Leserinnen und Leser offensichtlich am meisten interessiert, sind Artikel zu Kameras. Das ist nicht verwunderlich, schließlich habe ich in den letzten fünf Jahren sechs Kamerahandbücher veröffentlicht, das siebte zur Lumix TZ202 ist gerade auf dem Weg in die Druckerei. Anfang September erscheint die nächste Kamera, über die ich schreiben werde. Diesmal ist es keine Lumix, so viel kann ich schon verraten.

Was Sie sehen und wie Sie es als Foto umsetzen
ist ein Ausdruck Ihrer Kreativität, die Technik
ist dabei "nur" ein Werkzeug.
Mein Interesse an der Fotografie ist so groß wie eh und je, auch wenn ich mittlerweile weniger Kurse halte und nicht mehr als freiberufliche Fotografin arbeite. Im Gegensatz zu früher interessieren mich die technischen Entwicklungen, die das "Malen mit Licht" in den letzten zehn Jahren stark verändert haben und noch weiter verändern werden. Altgediente Fotografen mögen mir da widersprechen, das hätte ich vor fünf Jahren auch noch getan. Damals hatte ich die Bedienungsanleitungen bestenfalls überflogen und meine digitalen Kameras fast genauso benutzt wie ihre analogen Vorgänger. Belichtungszeit, Blende, ISO-Wert, ein gutes Motiv und Bildgestaltung - das reicht.



Puristen brauchen tatsächlich nicht viel mehr. Trotzdem müssen wir manchmal über siebenundzwanzig Kombinationsmöglichkeiten der Autofokussteuerung sprechen oder uns in seitenlangen Kameramenüführungen zurechtfinden.

Braucht man noch Bücher über Fotografie?
Für die einen mag es kulturpessimistisch klingen, für die anderen wie wunderbare Zukunftsmusik: Wir werden eine Zeit erleben, in der wir an der Kamera gar nichts mehr einstellen müssen. Die KI-gestützten smarten Kameras werden sofort wissen, was für ein Bild wir machen wollen und eine automatische Bildkorrektur erledigt den Rest. Schon jetzt sind die sogenannten intelligenten Automatiken besser als ihr Ruf und die Bildbearbeitungssoftware wird immer besser. 

Beim Übergang von der analogen zur digitalen Fotografie konnte ich mit meinen Texten und Büchern zu einem besseren Verständnis beitragen. Aktuell sehe ich meine Aufgabe darin, die komplexen Bedienmechanismen digitaler Kameras und die fotografischen Grundlagen so zu erklären, dass jeder Laie sie versteht und praktisch anwenden kann. Darüber hinaus wird es mir immer ein Anliegen bleiben, ein paar Gedanken zur Fotografie aufzuschreiben.

"Richtig fotografieren" mit angepassten Kameraeinstellungen wird nicht aus der Mode kommen. Es wird weniger Leute geben, die sich dafür interessieren, aber wie bei den Schallplatten wird die klassische Art des Fotografierens ihren Stellenwert behalten. Die Malerei ist auch nicht verschwunden, nur weil Foto, Film und Fernsehen dazugekommen sind. Vielleicht bringt uns gerade die moderne Technik dazu, mehr ungewöhnliche Motive zu sehen und Bilder unkonventionell zu gestalten?

Was immer die Zukunft bringen mag: Ich bin neugierig auf die weiteren Entwicklungen und freue mich, wenn ich dabei Ihr Interesse wecken kann.

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Freitag, 24. August 2018

TV-Tipps für September

Hier sind die neuen Sendetermine, weitere Tipps zu Kunst & Kultur sowie Links zu den Mediatheken.

Für Fotografen sind diesmal zwei hochkarätige Dokumentarfilme im Programm: Finding Vivian Maier erzählt die unglaubliche Geschichte der geheimnisvollen Unbekannten, die zu einer der bekanntesten Straßenfotografinnen des 20.
Jahrhunderts wurde. Das Salz der Erde präsentiert Leben und Arbeit des weltberühmten Fotografen Sebastião Salgado.


Auch bei den anderen Themen lohnt es sich mal reinzuschauen.

Nur noch drei Tage: In der Schalterhalle des Münchner Hauptbahnhofs gibt es noch bis zum 27.8. die Fotografien des Wettbewerbs für Pressefotografie „World Press Photo 2018“ zu sehen.


Mittwoch, 22. August 2018

Alarmstufe Rot

Wer meinen Blog schon lange liest weiß, dass mich das Thema analoge Fotos digitalisieren seit langem umtreibt. Ich habe schon als Kind fotografiert. Obwohl ich immer wieder ausgemistet und viel entsorgt habe, sind im Lauf der Jahre hunderte von Fotoabzügen zusammengekommen.

1985 - 9x13 Fotoabzug gescannt und digital aufbereitet

Manche Fotos hatte ich gar nicht selbst gemacht, folglich sind die verbliebenen Fotoabzüge die einzigen Originale. Anfangs habe ich alles in Alben geklebt, aber nach ein paar Jahren waren die Regale voll. Meine Fotos landeten in schönen Kartons, weil sie dort platzsparender unterzubringen waren. Dias kamen auch dazu, hauptsächlich von den Reisen, die ich gemacht hatte. Die Digitalfotografie hat mein Platzproblem schließlich gelöst.

Meine digitalen Fotos schaue ich mir sehr oft an, die Fotoabzüge und Fotobücher etwas seltener. Vor allem die Dias haben es schwer. Um sie anzuschauen müsste ich jedes Mal einen alten Projektor aus dem Keller holen und die Dias vor der Projektion entstauben... sinnlos!

Alles digital verfügbar machen war deshalb immer der Plan, doch er scheiterte stets an dem einen Gedanken: Das kann ich ja irgendwann später auch noch machen, wenn ich denn mal Zeit dafür habe. Das nennt man Aufschieberitis. Dieses Versäumnis trifft mich in diesen Tagen wie ein Bumerang.

Rote Flecken auf dem Abzug - ein Warnsignal!
Klick aufs Bild für vergrößerte Ansicht.
Höchste Eisenbahn!
Gerade erleben wir einen sehr heißen Sommer. In München war es nicht nur heiß sondern auch immer wieder sehr feucht. Dias, Negative und Fotos müssen in einer gut klimatisierten Umgebung aufbewahrt werden... Mehr muss ich dazu nicht sagen. Aus Platzgründen hatte ich ein paar Kartons mit Fotos im Keller gelagert. Als ich sie heraufholte und öffnete, machte mir schon der Chemiegeruch klar, dass ich keine Zeit mehr habe zu warten. 




Ich mag zwar diesen rauen Charme von nachträglich aufgesetzten Kratzern und "Störungen", die man mit Analog Effex auf digitale Bilder legen kann, aber ich mag es definitiv nicht, wenn analoge Originale unwiederbringlich vergammeln. Es heißt zwar immer, dass digitale Daten auf Dauer weniger sicher seien als analoge Originale, aber da kann man sich gewaltig täuschen. Viele Fotos und Dias verlieren erst ihre Brillanz, dann geht die Farbe ganz raus. Kratzer und Staub machen die Motive auch nicht schöner. Wenn chemische Prozesse an den Originalen nagen wird es höchste Zeit aktiv zu werden.


Lohnt sich das überhaupt?
Angesichts großer analoger Bildbestände fragt man sich schon, ob sich die Mühe wirklich lohnt, die ganzen alten Bilder noch einmal anzufassen, oder ob man sie nicht lieber gleich - am besten unbesehen - in die Mülltonne werfen sollte. Aber warum hat man sie dann alle gemacht? Man verliert viele Erinnerungen und zudem weckt jedes Foto Assoziationen. Als ich meiner 80jährigen Mutter einen Stapel Fotos reichte, nachdem ich die Motive eingescannt hatte, war sie tagelang mit "den guten alten Zeiten" beschäftigt. Wir haben viel gelacht und uns Geschichten "von damals" erzählt.

Maßnahmenplan
Jetzt plane ich jeden Tag eine Extrastunde ein, setze mich an den Scanner und digitalisiere selbst. Der Diascanner braucht für ein Magazin mit 50 Dias etwa vier Stunden. Meine Aufmerksamkeit wird nur benötigt, wenn ich ihn starte, den Rest erledigt er allein. 
Etwas aufwändiger sind die Fotoabzüge, die ich auf den Flachbettscanner legen und einzeln scannen muss. Jeden Tag eine Handvoll lautet die Devise. Mit dieser Häppchen-Strategie komme ich ganz gut voran. Erfolgserlebnisse sind dabei besonders wichtig: Die Bearbeitung der gescannten Bilder wird noch einmal Zeit in Anspruch nehmen. Hier wartet die nächste Runde der Aufschieberitis, aber auch hier funktioniert die Häppchen-Methode. Wenn die Bilder erst einmal auf dem Computer sind, picke ich mir immer wieder eins der alten Motive heraus und bereite es auf. Das steigert die Motivation weiter. Jetzt bin ich sehr zuversichtlich, dass meine analogen Bilder in absehbarer Zeit nicht nur digital vorliegen, sondern dass einige davon auch in einer digital erneuerten Version hergezeigt werden können.


Was mich am meisten freut ist der Platz, den ich durch das Digitalisieren schaffe. Auf das Volumen von etwa acht Umzugskartons verzichte ich nur zu gerne! Wenn ich mit dem Scannen fertig bin, passen alle Fotos - hochauflösend -  auf handliche externe Festplatten und ich kann sie überallhin mitnehmen. Verkleinerte Versionen können auch in der Cloud gelagert werden.

Wenn Sie auch noch analoge Schätze haben und unter Aufschieberitis leiden: Warten Sie nicht bis es zu spät ist. Rechnen Sie aus, ob es sich für Sie lohnt, für das Digitalisieren einen professionellen Dienstleister zu beauftragen. Wenn Sie beim Blick auf die Gesamtsumme zusammenzucken, dann überlegen Sie sich, welche Häppchen-Methode für Sie in Frage kommt. Eine halbe oder eine Viertelstunde am Tag ist auch ein guter Anfang.

Weitere Artikel hier im Blog
Erfahrungsbericht ScanCorner (2018)
Das digitale Vermächtnis (2015)

Dienstag, 14. August 2018

Warum eigentlich nicht?

Die Fotoreise nach Rügen liegt nun schon bald ein Jahr zurück. Am letzten Tag haben wir eines dieser Ausflugsschiffe bestiegen, weil man nur vom Wasser aus die Küste und die Kreidefelsen in ihrer vollen Länge sehen kann. Zum Fotografieren ist das nicht die allerbeste Wahl, aber es ist ein Erlebnis. Das galt in unserem Fall umso mehr, weil es ziemlich stürmte. Das Boot wurde von den Wellen hin- und hergeschleudert, so mancher Mageninhalt auch... Wackere Fotografen setzen sich nicht hin, sie wollen flexibel bleiben und den Standort wechseln können. Also suchten wir uns einen sicheren Stehplatz, lehnten uns an die Stehtische oder an die Reling und warteten auf den richtigen Moment.


Bei trübem Wetter, aus großer Distanz und mit feinen Wassertröpfchen in der Luft sind die Bildergebnisse nicht besonders spektakulär, die Fotos werden flau. Erst durch die spätere Bildbearbeitung bekommen solche Motive noch etwas Pep.


Bei starkem Seegang Bilder mit geradem Horizont hinzubekommen ist eine sportliche Herausforderung, egal ob man sitzt oder steht. Dieses Problem kann man später noch lösen, indem man die Bilder gerade ausrichtet. Die Funktion Dunst entfernen in Lightroom ist ein Segen, weil sie für markantere Farben und Strukturen sorgt.



Als mir ein Kursteilnehmer eine Panoramaaufnahme auf dem Monitor seiner FZ300 zeigte war ich verblüfft. Wie bitte? Freihand-Panorama bei Windstärke 6 auf'm Boot? Ich konnte es erst nicht glauben und war sicher, dass das mit dem Stitchen (Zusammenfügen) der Einzelbilder garantiert nicht funktioniert haben konnte. Solche Feinheiten sieht man auf dem kleinen Kameramonitor nicht. Trotzdem fand ich die Idee, in so einer Situation die Panoramafunktion zu benutzen so kreativ und ungewöhnlich, dass ich es selber ausprobieren wollte.

Klick aufs Bild für größere Ansicht
Das Ergebnis ist ein wenig skurril, aber nicht so schlecht wie befürchtet. Man sieht, dass das Zusammenfügen der Einzelbilder nicht überall exakt funktioniert hat, aber auf einem schwankenden Schiff ist das verzeihlich. Was dieses Motiv für mich interessant macht, ist die Wellenbewegung, die mit der Panoramafunktion aufgenommen wurde. Diese Verzerrung kommt der Realität viel näher als ein perfektes Foto mit gerader Küstenlinie. Solche Bilder sind Experimente. Der Vordergrund ist unaufgeräumt und die technische Qualität ist für anspruchsvolle Fotografen ein Unding. Trotzdem: Warum sollte man so etwas nicht ausprobieren? Ich habe bei dieser Gelegenheit eine Barriere in meinem Kopf entdeckt und entfernt. Es gibt so viele Situationen, in denen die fotografische Erfahrung sagt "das geht / das geht nicht". Manchmal merkt man erst beim Fotografieren, dass die Strategie, die man sich zurechtgelegt hat, doch nicht funktioniert. Manchmal passiert auch genau das Gegenteil: Es geht viel mehr, die Erwartungen werden übertroffen. Wenn man es nicht ausprobiert, wird man es nie erfahren, deshalb vielen Dank, lieber Toralf!

Die klassische Methode der Panorama-Erstellung hatte ich in dieser Situation schon im Hinterkopf, denn die langgestreckte Küstenlinie lässt sich in einem Einzelfoto nicht gut abbilden. Ein Stativ hätte mir auf dem schwankenden Schiff nicht geholfen, darum habe ich Einzelfotos im Rohdatenformat aus der Hand fotografiert. Lightroom oder Photoshop machen aus drei Einzelbildern dann ein etwas besseres und vor allem hochauflösendes Mini-Panorama.


Die Freihand-Panoramafunktion ist einfach, bequem und es geht schnell. Bei guten Lichtverhältnissen sind die Ergebnisse auch erstaunlich gut. Mich stört lediglich das JPEG-Format mit seiner begrenzten Auflösung, das sich im Nachhinein nur moderat bearbeiten lässt. Wenn es im Motiv extreme Kontraste von Hell nach Dunkel gibt scheitert die Funktion kläglich.



Einzelaufnahmen sind unerlässlich, wenn man hinterher ein halbwegs ordentliches Panorama erzeugen will. Für eine qualitativ hochwertiges Ergebnis muss man sich bei der Belichtung mehr Zeit nehmen, mit dem Stativ arbeiten und den Bildausschnitt besser planen. Trotzdem finde ich es beeindruckend, was man heutzutage mit ein paar schnell aufgenommenen Einzelfotos erreichen kann. Für den Hausgebrauch sind die Ergebnisse okay und es ist ein gangbarer Kompromiss, wenn es schnell gehen muss.

Mein Fazit: Öfter mal ans Panorama denken.
Die Funktion bzw. das Format eröffnet in vielen Situationen eine neue Sicht aufs Motiv. Siehe auch Formatwechsel: Panorama für einen Engel.