Donnerstag, 19. April 2018

Ausprobieren statt studieren


Am vergangenen Wochenende sind meine Belegexemplare eingetroffen: Fotografieren! Der Fotokurs zum Mitmachen ist jetzt im Handel erhältlich.
Dieses Buch richtet sich an Fotografierende, die wenig praktische Erfahrung haben, und soll sie in die Lage versetzen, mit den Schritt-für-Schritt-Anleitungen die wichtigsten Foto- und Kameragrundlagen in Eigenregie zu trainieren. Übungen zur Bildbearbeitung sind ebenfalls enthalten. Hier geht's zur Leseprobe.

29,90 EUR / Hardcover / 360 Seiten als Buch, E-Book oder beides (Bundle) beim Verlag oder bei Amazon.


Das Cover sieht dem 2012 erschienenen Buch sehr ähnlich, das neue Buch widmet sich jedoch dem Verständnis und dem Training der elementaren Foto-Grundlagen. Motto: So viel Theorie wie nötig, dafür so viel Praxis wie möglich. Wer seine Kamera danach gut beherrscht und Lust auf mehr hat, für den wäre Fotografieren! aus dem Jahr 2012 ein gutes Folgewerk. Auf dem Gebrauchtmarkt sind derzeit noch einige günstige Exemplare verfügbar, nachgedruckt wird es nicht mehr.



Im neuen Buch gibt es auch die Rubrik Quiztime. Anhand von eingestreuten Fragen können die Leserinnen und Leser ihren Lernfortschritt überprüfen. Weil das im sogenannten Multiple-Choice-Verfahren funktionieren soll, musste ich natürlich auch mögliche Lösungen vorgeben. Die Sache ist manchmal komplex, geschlossene Ja/Nein-Fragen wären zu einfach. Die Thematik soll vertieft werden und nützlich sein, nicht wie beim TV-Bingo-Duell. Also dachte ich mir, dass praxisrelevante Fragen optimal wären, zum Beispiel:

Sie wollen ein Foto insgesamt heller machen. Was tun Sie?
A) Ich mache eine Belichtungsreihe.
B) Ich benutze die Belichtungskorrektur nach Plus. 
C) Ich wechsle zur Spotmessung.
D) Ich benutze den Programmshift im Modus P.
E) Ich aktiviere das Histogramm an der Kamera.

Vor lauter Schreibstress hatte ich mich in meinem Word-Dokument "verscrollt" und die richtigen Lösungen zu einer ganz anderen Frage eingetragen, also ein Zufallsergebnis, das völlig falsch war. Prompt meldete sich meine Lektorin und schrieb: "Wäre Lösung B nicht auch richtig?"
Sie hatte natürlich recht, schließlich hat sie Ahnung vom Fotografieren, und es ist gut, wenn sie Fehler rechtzeitig entdeckt. In einer ruhigen Minute überprüfte ich meine Antworten und dachte nur: Au wei, wir müssten eigentlich jede dieser Antworten erläutern, denn die Sache ist komplexer, als sie auf den ersten Blick aussieht.
  • Antwort B ist die einfachste Lösung und richtig. 
  • Antwort A ist aber auch richtig, wenn es eine Belichtungsreihe nach Plus ist.
  • Antwort C ist ebenfalls richtig, wenn man den Messpunkt auf eine dunkle Stelle richtet.
  • Es gibt sogar eine Situation, in der Antwort D richtig sein könnte: Das Bild wird heller, wenn man in einer sehr hellen Umgebung fotografiert und die Belichtungszeit mit dem Programmshift gnadenlos verlängert. 
  • Antwort E ist auch nicht ganz verkehrt, wenn man das Histogramm zur Beurteilung heranzieht, und daraufhin beschließt, weitere Maßnahmen zu ergreifen. 
Wenn jemand, der schon ganz viel Ahnung vom Fotografieren hat, ein Buch liest, das für absolute Anfänger konzipiert ist, dann gibt's erfahrungsgemäß Leserbriefe. Der geübte Fotograf hat selbst schon sehr viele Situationen erlebt - selbst die kuriosesten, die man sich ausdenken kann, kommen in der Realität vor. Zudem gibt es fast immer mehr als einen Weg. Man kann vieles auch ganz anders machen, und es ist trotzdem richtig. Je länger man nachdenkt, desto komplizierter wird die Sache, und genau das soll bei solchen Fragen nicht passieren. Also doch Bingo? In einem Anflug von Verzweiflung korrigierte ich meine Antwortvorschläge:

Sie wollen ein Foto insgesamt heller machen. Was tun Sie?
A) Ich nehme das Fragezeichen und hoffe, dass ich eine Reise nach Timbuktu gewinne.
B) Ich schalte die Raumbeleuchtung ein.
C) Ich nehme die Belichtungskorrektur.
D) Ich nehme den Telefonjoker.
E) Ich kaufe eine Kamera, die meine Gedanken lesen kann.

Sie können sich denken, dass ich mit diesem Vorschlag nicht durchgekommen bin. Aber lustig wäre es schon gewesen :-)  #humorpotenzial

Ich glaube, wir haben diese Frage letztendlich gestrichen, es gab ja noch genügend andere Möglichkeiten. Natürlich wurde das Buch wie immer von mehreren Fachleuten gelesen, lektoriert und korrigiert, bevor die Druckfreigabe erfolgte,  und es handelt sich um ein absolut seriöses Buch. Falls dennoch gesteigerter Bedarf an einer skurrilen Alternativausgabe besteht, lassen Sie es mich wissen, dann schreibe ich künftig mehr unter der Rubrik "Blinder Fleck". Wenn Sie jemanden kennen, der einen Fotokurs zum Mitmachen braucht, freue ich mich natürlich über eine Empfehlung.

Dienstag, 17. April 2018

Fotoprojekt Fahrräder (reloaded)

Dass ich Fahrräder mag und sie für ein wunderbares fotografisches Sammelthema halte, hatte ich bereits in einem früheren Blogbeitrag erwähnt. Mit dieser Leidenschaft bin ich nicht allein. Allerdings gibt es so 'ne Fahrräder und so' ne Fahrräder.


Die einen mag man, die anderen offensichtlich nicht. Es war keine besonders kluge Strategie von oBike, Großstädte weltweit mit ihren grässlichen vollgummibereiften gelben Mietfahrrädern zu überschwemmen. Aus einer prinzipiell coolen Idee wurde ein Ärgernis. Dass in meiner sonst so gepflegten Heimatstadt München ein solcher Vandalismus aufkommt, hat mich überrascht. Allerdings handelt es sich nicht um ein lokales Phänomen, wie Berichte und Bilder aus anderen Städten nahelegen. Womöglich liegt es an der Farbkombination, die an eine Invasion von Wespen erinnert?


Seit einiger Zeit gibt es einen Instagram-Trend, der nicht nur die Vermüllung des städtischen Raums dokumentiert, sondern auch sehr kreative Blüten treibt. Es lohnt sich, mal nach dem Hashtag #sadobike zu suchen. 

Das SZ-Magazin hat sich mit diesem Trend befasst und zeigt eine Reihe von Bildern. Die Kommentierung ist gleichermaßen amüsant wie kritisch: Methode, Effektivität, Vandalismusgrad... lesenswert! Grundsätzlich bin ich gegen Vandalismus, aber in diesem Fall zeigt er Wirkung: oBike zieht bis Ende April 6000 von 6800 Rädern aus München ab. Das Scheitern des Geschäftsmodells hat sich das Unternehmen selbst zuzuschreiben: G'lumperts Zeug braucht wirklich niemand. Und was viel schlimmer ist: Keiner kümmert sich um defekte Räder. 


Die blaue Konkurrenz der MVG macht das deutlich besser: Spätestens am dritten Tag werden die Räder abgeholt. Das weiß ich so genau, weil es bei uns im Haus jemanden gibt, der sich gelegentlich eines leiht, um damit nach Hause zu fahren. ;-)

Wir brauchen Leih-Fahrräder, aber nicht so!
Nach dem Vandalismus-Erlebnis mit oBike gibt es nun - typisch deutsch - einen Leitfaden für Fahrradverleiher, und unser Oberbürgermeister schreit nach einem neuen Gesetz... Ja wunderbar. So läuft es leider immer, wenn (nur) einer Mist baut. Künftig darf ein Verleiher nur noch fünf Räder pro Standort aufstellen? Das wird die Millionen Touristen sicher freuen, wenn sie sich ein Radl leihen wollen, und keines mehr finden - danke, oBike.

Im Übrigen ist Fahrrad-Vandalismus kein neues Phänomen. Meistens geht es dabei Drahteseln an den Kragen, die längere Zeit herrenlos und unverschlossen herumstehen. Wenn man die Augen offen hält, sieht man sehr viele solcher Räder. Sie werden nach einiger Zeit zum Ersatzteillager: erst verschwinden die losen Teile, dann das Vorderrad, und wenn nichts mehr abgeschraubt werden kann, kümmert sich die Stadtreinigung um das Gerippe. Geklaut wird natürlich auch sehr viel. Sicher sind einige der unfreiwillgen Ersatzteilstationen Räder, die anderswo vermisst werden. Ein gutes Schloss hilft auch nicht immer.



Das hier war mal ein richtig schickes Rad. Warum der Eigentümer es an einer so abgelegenen Stelle an die Straßenlaterne gekettet und es dann wochenlang nicht abgeholt hat, ist mir ein Rätsel. Schade drum! 




Bei der Stadtplanung wurde bisher eher auf die Autos geschaut, aber nicht auf Abstellplätze für Räder. Garagen und Keller sind nicht immer groß genug, um darin auch noch die Fahrräder für eine ganze Familie unterzubringen. Hinzu kommen die vielen "Fahrradleichen": rostige Radl, die seit Jahren die besten Positionen am gemeinschaftlichen Radständer blockieren und nie bewegt werden. Sobald die Sommerradler ihre Vehikel aus den Kellern und Garagen holen, wird es noch enger, und die Hausverwalter jagen ihre Hausmeister los zur "Fahrradaktion", die meistens nicht viel bringt. Man kann niemanden zwingen, sein Fahrrad zu benutzen. Also geht der Kampf um einen Fahrradabstellplatz in die nächste Runde. Mein Trost besteht darin, dass ich im Sommer noch mehr Motive fürs Projekt finde :-) .

Vielen Dank an Michael Kanthak, der mir diesen Link zugeschickt hat: Berlin fährt Rad, eine Bildstrecke mit vielen Kuriositäten aus der Bundeshauptstadt. 


Mittwoch, 11. April 2018

Workshop mit Reptilien

Schon im letzten Jahr hatte mich eine Kursteilnehmerin gefragt, ob ich nicht mal eine Exkursion in die  Auffangstation des Reptilienhauses in München organisieren könnte. Diese Einrichtung kannte ich bereits vom Hörensagen: Ein guter Freund hatte mir einen Besuch ebenfalls nahegelegt, vor allem um diese Auffangstation in ihrer Arbeit zu unterstützen. Zu einem Workshop konnte ich mich nicht durchringen, aber es gibt Termine, die von der Auffangstation selbst organisiert werden. Steffis Erfahrungsbericht teile ich hier gerne:

(c) Steffi A.

















Die Auffangstation hat mit ziemlich vielen Widrigkeiten zu kämpfen, da sie mit den Räumen, die ihnen zur Verfügung stehen, auskommen müssen. So kommt es vor, dass die Terrarien bis unter die Decken gestapelt sind, in denen dann die Tiere untergebracht werden. Auch habe ich erfahren, dass sie eine Außenstation im Tierheim in Riem haben, was von dort aber bedauerlicherweise (laut Aussage des Leiters der Auffangstation) nicht unterstützt wird.

(c) Steffi A.

Trotz der etwas schwierigen Bedingungen waren alle vor Ort bemüht, uns die Möglichkeiten für schöne Fotos zu bieten. Nachdem wir sämtliche Räume mit den Tieren aufgesucht hatten und uns mit der Kamera frei bewegen konnten, um Aufnahmen zu machen, wurde  im Erdgeschoß (die Tiere sind alle im Keller untergebracht) ein kleines "Fotostudio" aufgebaut.




Angedacht war, dass wir nacheinander die Tiere, die für uns in Pose gesetzt wurden, fotografieren sollten, damit wir nicht alle gleichzeitig die Blitzanlage auslösen, und somit den ein oder anderen beim Fotografieren stören. Dies war aber nicht wirklich umsetzbar, zumal wir den Hinweis bekommen hatten, dass nur ein Bild mit Zunge ein wirklich tolles Tierbild wäre... So habe ich nach 4-5 Fotos den Blitzauslöser wieder abgegeben und mit dem eigenen Blitz weiter fotografiert.

(c) Steffi A.
Insgesamt war der Workshop ein super tolles Erlebnis. Wir waren fünf Teilnehmer, die von einem Fotografen (Name leider unbekannt) empfangen und eingewiesen wurden. Mehr Leute hätten aufgrund der beengten räumlichen Verhältnisse auch nicht teilnehmen können. (Steffi A.)

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Womöglich lohnt es sich auch, an einer der regulären Führungen teilzunehmen, und bei dieser Gelegenheit ein paar Fotos zu machen... Die Reptilien-Auffangsstation freut sich in jedem Fall über Spenden, um ihre Arbeit weiterführen zu können.
Adresse: Im Erdgeschoß des Veterinärmedizinischen Instituts der Universität München in der Kaulbachstraße 37. (fn)

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Kursangebot (laut Ausschreibung auf der Webseite der Auffangstation) 

(c) Steffi A.

Für ambitionierte Fotografen bieten wir angeleitete Workshops sowie Fotoshootings mit unseren Tiere an. Unabhängig von der Ausrüstung oder von Vorkenntnissen, kann hier jeder das Fotografieren von Terrarientieren erlernen und durchführen. Spezialequipment wie Studio-Dauerlicht, Polfilter oder Servoblitze wird von uns zum Ausprobieren bereitgehalten. Die Workshops und Shootings werden durch versierte Tierärzte und -Pfleger sowie – bei Bedarf – einem fotografischen Workshopleiter begleitet und finden in den Räumen der Auffangstation in München statt. Die Workshops werden jeweils in einer kleinen Gruppe von 3 bis 5 Fotografen durchgeführt, so dass eine gute “Motivausbeute” sichergestellt ist. Es wird speziell auf die Problematik der Terrarien- und Aquarienfotografie eingegangen (Licht, Reflexionen, Weissabgleich, Freistellung etc.). 



Wenn Sie Interesse an einem Fotoworkshop haben melden Sie sich bitte per E-Mail an. Die Plätze werden in der Reihenfolge der Anmeldungen vergeben. Die Anmeldung muss per E-Mail erfolgen und ist erst nach Eingang der Anmeldebestätigung als feste Reservierung zu sehen. Die “Teilnahmegebühr” beträgt pro Person ab 60,00 Euro (gerne wird eine höhere Spende angenommen.) 

Am 21.04.18 (Samstag) findet der nächste Foto-Workshop statt.
Bitte per Mail anmelden: thomas.tuerbl@reptilienauffangstation.de

Weitere Informationen und Termine siehe Webseite

Montag, 9. April 2018

TV-Tipps bis Mai




















 Frisch eingetroffen ist die aktualisierte Liste mit interessanten Sendungen für den Zeitraum bis Anfang Mai. Für reine Fotografen ist diesmal nicht sehr viel dabei, dafür gibt es eine Menge Tipps in der Rubrik Internet&Medien.

In dieser Woche widmet sich die Sendung Kulturzeit auf 3sat dem Thema "Gelebte Utopien - Auf der Spur einer besseren Welt". Vielleicht ist das mal ein interessantes Alternativprogramm für alle, die den Fernseher wegen der vielen schlechten Nachrichten schon gar nicht mehr einschalten? Ein Plädoyer für intelligente Mediennutzung finden Sie hier.

Mein Dank für die zuverlässige Zusammenstellung und Zusendung der TV-Tipps gilt, wie immer,  Hermann Ludwig und seinen kunstlinks.de 

Wenn ich zwischenzeitlich interessante Kurzbeiträge aus Kultursendungen sehe, verlinke ich diese auf meiner Facebook-Autorinnenseite.

Donnerstag, 29. März 2018

Fotoclub Erding lädt ein


Kühles Wetter an Ostern - wie wäre es mit einem Besuch in Erding?
Die Ausstellung im Frauenkircherl eröffnet heute Abend und ist bis zum 2. April zu sehen.
Weitere Informationen über den Club gibt es hier.

Mittwoch, 21. März 2018

Analoge Fotos und Dias digitalisieren: Erfahrungsbericht


Im Oktober hatte ich angekündigt, dass ich testweise einige meiner analogen Bilder von einem professionellen Dienstleister digitalisieren lassen wollte. Aus Überfluss an Zeitmangel konnte ich die Sendung erst im November losschicken. Für meinen Testauftrag hatte ich tief ins Archiv gegriffen und Originale in vier unterschiedlichen Formaten gewählt:
  • Kleinbilddias und 
  • Kleinbildnegative aus den 1990ern (24x36 mm)
  • Negative im Pocketformat (24x24 mm) sowie 
  • einen Streifen eines analogen 6x6 Rollfilms (Mittelformat) aus den 1970ern.
Im Hinblick auf die Motive hatte ich Typisches und Schwieriges ausgesucht: Die Dias waren ziemlich verstaubt, manche tendenziell unterbelichtet, und auf dem Rollfilm befanden sich Sonnenuntergangsmotive. Da ich selbst auch schon einiges Material digitalisiert habe, war ich mir im klaren darüber, dass das keine leichte Aufgabe wird.

Die Eingangsbestätigung von ScanCorner kam sehr schnell, danach musste ich eine Weile warten. Da ich ohnehin mit ganz anderen Dingen beschäftigt war, hat mich das nicht weiter gestört. Mitte Dezember kam die Meldung per E-Mail, dass ich meine Bilder in der Online-Galerie prüfen könne. Die Dateien sind dort nur in einer reduzierten Auflösung zu sehen, eine Qualitätsbeurteilung ist aber sehr gut möglich.

6x6 Rollfilmnegativ

Beim Sonnenuntergangsmotiv ist die ursprünglich warme Farbnote nach dem Scannen - erwartungsgemäß - verlorengegangen. Das ist ein klassischer Fehler bei der automatischen Tonwertkorrektur bzw. ein Nebeneffekt bei der Korrektur von Rotstichen. Dieses Motiv habe ich später selbst in Lightroom so getrimmt, dass es wieder dem ursprünglichen subjektiven Eindruck entsprach. Dazu später mehr.

Ein größeres Problem waren meine Pocketnegative, die durch die jahrzehntelange Aufbewahrung in einem Negativordner eine so starke Wölbung aufwiesen, dass sie nicht mehr plan im Scanner lagen. Dadurch entstanden im oberen und unteren Bereich weiche Verzerrungen, wie bei einem Spielzeugeffekt bzw. wie bei einer Kamera mit Lomo-Optik. Auf den Originalbildern war diese Unschärfe nicht zu sehen, darum schrieb ich eine Mail an ScanCorner. Ich wurde positiv überrascht: Man hatte dort einen neuen Aufsatz für den Scanner bestellt, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Und tatsächlich: Der zweite Scan war scharf - so scharf, wie es die alten Negative eben zulassen.

Pocketnegativ 24x24 mm
Klick aufs Bild für vergrößerte Ansicht

Richtig toll waren die Ergebnisse bei den Kleinbilddias. Hier ist vor allem die manuelle Nachbearbeitung beim "Entfusseln" hervorzuheben. Dieses Motiv hat auch durch die farbliche Bearbeitung gewonnen:


Klick aufs Bild für vergrößerte Ansicht

Nachdem ich mein OK zum Endergebnis gegeben hatte, erhielt ich umgehend eine Tracking-ID für die Rücksendung der Originalaufnahmen und die DVD, auf der alle digitalisierten Dateien übersichtlich in verschiedenen Ordner - genau wie im Kundenportal - hinterlegt waren. Als die Sendung bei mir eintraf, sicher und sauber verpackt, war ich von der liebevollen Aufmachung angetan: 

Die Datenmenge der Dateien (JPG) variiert je nach Ausgangsmaterial. Bei den Mittelformat (6x6) Negativen liegt sie, je nach Detailreichtum des Motivs, zwischen 25 MB und 45 MB, die Kleinbildformate sind 5-8 MB groß.
Die Auflösung beträgt 3000 dpi (2730 x 4087 Pixel beim Kleinbildformat). Höhere Auflösungen sind auf Wunsch möglich.
Die Bilder lassen sich in Lightroom, Photoshop oder anderen Programmen durchaus noch feintunen, aber man sollte keine Wunder erwarten. Das ist auch dem analogen Bildmaterial geschuldet, das - zumindest bei mir -  nicht immer feinkörnig und auch nicht immer absolut scharf ist. 
Grundsätzlich kann man sagen: Aus einem hochwertigen Original, das richtig belichtet und scharf ist, wird auch ein hochwertiger und ansehnlicher Scan.


Für Leute, die weder Zeit noch Lust haben, ihre analogen Fotos im Alleingang mühsam zu digitalisieren, ist ScanCorner eine sehr gute Adresse.
Die Digitalisierung erfolgt nicht  über Nacht, aber dafür ist der persönliche und individuelle Service einzigartig. Die Preise sind fair, vor allem im Hinblick darauf, dass man die  Bilder thematisch trennen, und nur speziell ausgewählte Fotos von einem Negativstreifen in Auftrag geben kann. Die Dateien werden in getrennten Ordnern geliefert, wenn man sie entsprechend vorsortieren möchte. 

ScanCorner digitalisiert nicht nur Fotos, sondern auch Filme, Cassetten und Schallplatten. Eine alte VHS-Cassette, zu der es kein Abspielgerät mehr gibt, habe ich nach dem Testauftrag gleich noch hinterhergeschickt. Wenn Sie auch solch alte Schätze in die digitale Neuzeit retten wollen, gönnen Sie sich den Service. Hier geht's zur Startseite des Unternehmens.

Im ScanCorner Blog habe ich schließlich auch noch die Serie "Nostalgiegeschichten erzählt in Bildern" entdeckt. Für mich ist das ein schöner Denkanstoß: Lassen Sie sich die Geschichten zu Ihren Familienfotos von den Zeitzeugen erzählen. Nehmen Sie diese Erzählungen mit dem Rekorder Ihres Smartphones auf, und speichern Sie die Audiodateien bei den digitalisierten Bildern. Heute können wir multimediale Familienchroniken erstellen - die digitalisierten Fotos sind der Anfang.


Dienstag, 20. März 2018

Fotoclubs laden ein

Am 23. März laden die Fotofreunde vhs Pfaffenhofen zur Vernissage ihrer Ausstellung 2018 ein. Beginn ist um 19:30 Uhr. Diese Ausstellung läuft bis Sonntag, den 15. April.
Weitere Informationen www.fotofreunde-paf.de


Klick aufs Bild für vergrößerte Ansicht


Am 6. April eröffnet die Ausstellung Linien im Fokus. Die Vernissage mit Tonbildschau beginnt um 19:00 Uhr, die Ausstellung ist im Wolf-Ferrari-Haus in Ottobrunn bis zum 22. April zu sehen, der Eintritt ist frei. Weitere Informationen vhs Südost


Meistens erhalte ich solche Informationen "um drei Ecken". Fotoclubs sind immer herzlich eingeladen, mir ihre Ausstellungsankündigungen mitzuteilen. Schicken Sie Ihre Einladungen an


Donnerstag, 8. März 2018

TV-Tipps bis April
















Frisch eingetroffen ist die aktualisierte Liste mit interessanten Sendungen für den Zeitraum bis Anfang April. Diesmal sind wieder einige große Namen dabei: Peter Lindbergh, Nadar, Robert Frank und August Sander. Das Gute an den Wiederholungen ist, dass man immer eine zweite (dritte und vierte) Chance bekommt... 

Eine Erstausstrahlung hat es ebenfalls gegeben: Ara Güler, der berühmteste Fotograf der Türkei. Da die Sendung schon vorgestern gelaufen ist, gibt's hier gleich den Link zur Mediathek, die in den GEZahlten Gebühren enthalten ist.

Anlässlich des heutigen internationalen Frauentags freut es mich, dass es diesmal auch eine 45minütige Dokumentation über eine Fotografin gibt:

Sonntag, 11. März 2018 - 23:10 - 00:05 Uhr Servus TV 
Montag, 12. März 2018 - 01:40 - 02:25 Uhr Servus TV 
Breaking the Day: Ein Moment, der alles verändert - Die Abenteuer-Fotografin 
Als nomadische Abenteuer-Fotografin ist Krystle Wright es gewohnt, sich auf unbekanntes Terrain zu begeben. Aber ihr neuestes und ehrgeizigstes Projekt bisher ist, einen Fels-Kletterer beim Aufstieg des "Totem Pole", des berühmten tasmanischen Brandungspfeilers zu fotografieren. Dieses Unterfangen verlangt aber von der Fotografin, angeseilt über dem Meer zu hängen, während sie fotografiert. Eine Herausforderung, die sie bisher in dem Schwierigkeitsgrad noch nicht meistern musste.

Sendungen von Servus TV gibt's nicht (kostenlos) in den Mediatheken, da muss man entweder den Festplattenrekorder anschmeißen oder eine Nachteule sein.

Besten Dank, wie immer, an Hermann Ludwig und seine kunstlinks.de

Wenn ich zufällig interessante Kurzbeiträge sehe, verlinke ich diese relativ zeitnah auf meiner Facebook-Autorinnenseite

Montag, 5. März 2018

Der Alltag macht uns fertig

Hilde und Gretl waren zwei Cousinen aus dem österreichischen Waldviertel, die in einem kleinen Hexenhäusl gemeinsam gelebt hatten...

Geht es Ihnen wie mir? 
Bei diesen Begriffen springt mein Kopfkino sofort an. So könnte auch ein Märchen anfangen! Ganz so märchenhaft ist die Geschichte von Hilde und Gretl bei genauerer Betrachtung nicht, aber skurril ist sie allemal. Ich wage zu behaupten, dass Österreicher eine Form von Humor besitzen, mit der nicht jeder etwas anfangen kann. Wenn Sie den "Knochenmann" mit Josef Hader kennen, oder die TV-Serie "Braunschlag" gesehen haben, wissen Sie vielleicht, was ich meine. Dieser Humor hat manchmal auch etwas Düsteres und Befremdliches. Als ich etwas tiefer in das Thema "Hilde und Gretl" eintauchte, war ich zwiegespalten, denn die beiden Frauen sind seit fast zwanzig Jahren tot. 

Das Haus, in dem die beiden gelebt hatten, lag seit 1999 in einer Art Dornröschenschlaf. Als der Fotograf Peter Coeln das Haus kaufte, waren noch alle Gegenstände an ihrem Platz, so wie die beiden alten Damen zuletzt darin gelebt hatten. Normalerweise kümmern sich Angehörige um den Nachlass und um das Entrümpeln von Wohnungen. Normalerweise geschieht das alles innerhalb kürzester Zeit, weil Wohnraum an den meisten Orten so begehrt ist, dass man ihn schnellstmöglich leerräumt und wieder auf Vordermann bringt. Nicht so in diesem Fall. Peter Coeln und der Autor Tarek Leitner haben sich vor der Renovierung auf eine Spurensuche begeben. Die Hinterlassenschaften der beiden Cousinen wurden nicht, wie so oft üblich, radikal entsorgt. Sie wurden in einem Buch verewigt, und bei Youtube kann man sich auch einige Videos dazu anschauen. Die Links finden Sie am Ende dieses Beitrags.

Abbildungen (c) Peter Coeln,
mit freundlicher Genehmigung des Brandstätter Verlags

Privatsphäre: Darf man das?
Natürlich drängt sich unweigerlich die Frage auf: Wie weit darf man gehen, wenn man im Nachlass fremder Menschen herumstöbert? Wird das nicht irgendwann zu persönlich? 

Anders gefragt: Wie würden Sie sich fühlen, wenn wildfremde Leute nach Ihrem Ableben in Ihren abertausenden von Dingen, Briefen, Notizzetteln, Fotografien und Dokumenten herumstöbern, mit dem Ziel das alles öffentlich zu machen? So berechtigt diese Frage ist, so absurd ist sie auch: Man könnte sich gar nicht mehr irgendwie fühlen, denn man wäre ja schon längst tot. Solche Fragen kann man sich also nur stellen, solange man lebt. Wenn man so eine Vorgehensweise als "Leichenfledderei" betrachtet, dann hat das Buch auch etwas Gutes, weil es zum Nachdenken anregt. Wer so etwas nicht mag, sollte gegebenenfalls ein Testament verfassen. Darin kann man regeln, dass man postum nicht in einem Buch veröffentlich werden möchte. 

Was ist privat, was nicht?
Heutzutage erleben wir die Privatheit im öffentlichen Raum. In den sozialen Medien finden wir ähnlich Skurriles, aber das erscheint uns mittlerweile völlig normal. Hilde und Gretl haben diese moderne Welt nicht mehr erlebt, und ich frage mich: Wie hätten sie wohl ihr Facebook-Profil geordnet, was hätten sie gepostet, welche Whatsapp-Nachrichten hätten sie sich gegenseitig geschickt? Und was macht ein Nachlassverwalter dereinst bei Facebook aus all den persönlichen Erinnerungen? Alles radikal löschen, was jemandem einst wichtig erschien?

Mich hat das alles ziemlich zum Nachdenken gebracht, aber kehren wir zurück zu Hilde und Gretl, genauer gesagt zum Buch, das unter ebendiesem Titel im Brandstätter Verlag erschienen ist. Es war am Veröffentlichungstermin bereits ausverkauft und wurde inzwischen nachgedruckt. Ich habe mir das E-Book zugelegt, denn... ja, ich will nicht mehr so viele Sachen in meiner Wohnung haben, damit später weniger zu entsorgen ist.

Das Buch ist in fünf große Abschnitte unterteilt: 

1 Überlegen: Was einen Wert hat
Das erste Kapitel widmet sich einer ganz essentiellen FrageWas heben wir auf, was behalten wir? Tarek Leitner bezeichnet das als "eine Kulturtechnik, die uns niemand beibringt". 

Bei [Hilde und Gretl] kann man gut studieren, was sich im Leben eines Menschen, oder – wie in diesem Fall – im Leben zweier Menschen alles ansammelt. Sie sammelten nichts. Es sammelte sich. Und sie ordneten dann.

2 Staunen: Was übrig geblieben ist
Viele Gegenstände, die in Schränken und Regalen oft jahrzehntelang gestanden sind, hatten einen Wert und eine Bedeutung für denjenigen, der sie aufbewahrt und mit ihnen gelebt hat. Aber welchen Wert haben sie für jemand anderen? Die Zusammenstellung der Objekte ist so einzigartig wie der Mensch, der sie aufbewahrt hat. Darin liegt das Besondere, das die Autoren intuitiv erkannt haben. An der Wand eines Raums hängt ein Kalender aus dem Jahr 1999, an einer anderen Stelle ein hölzernes Telefon aus den Anfangstagen der Telefonie. Der zeitliche Abstand von knapp zwanzig Jahren plus die Lebensspanne der beiden Frauen, der sich bis ins frühe 20. Jahrhundert zurückreicht, machen aus diesem Nachlass so etwas wie einen neuzeitlichen archäologischen Fund.

Im Hause herrschte auf den ersten Blick ein heilloses Durcheinander. Es hätte viele potentielle Käufer wohl gleich hinausstürmen lassen, ohne über das Objekt noch einmal nachzudenken. [...] Wir hatten die Macht, das Massaker an den Dingen zu verhindern.

"Wir" Fotografen lieben Lost Places, oder etwa nicht?

3 Stiadln - Wie wir vorgegangen sind
Stiadln ist ein Begriff, den man in Deutschland nicht kennt. Ich kannte ihn auch nicht, und war froh über die Erklärung: Stiadln ist nicht suchen, nicht sammeln, nicht finden-wollen, stiadln ist nicht einmal sich-überraschen-lassen-wollen. Stiadln – und das erschien uns als die einzige mögliche Vorgehensweise in diesem scheinbaren Chaos – ist das Durchforsten mit dem Ziel, Gefälliges in Besitz zu nehmen oder an anderer Stelle abzulegen, manches vorerst nicht anzugreifen, um es später zu entsorgen, alles mit der losen Option, einen Anflug von Systematik in die Sache zu bringen – oder auch nicht. 

In diesem Begriff scheint auch mitzuschwingen, dass man beim Stiadln etwas macht, was man eigentlich nicht darf. Auch wenn dieses Buch einen voyeuristischen Charakter hat: Wer würde nicht in einen verstaubten Dachboden klettern und sich dort neugierig umsehen? Mich erinnert es an ein Abenteuer wie aus Kindertagen: Was haben sie wohl gefunden?

4 Sachen - Was wir vorgefunden haben
Liest man die Texte von Tarek Leitner, und das würde ich wahrlich empfehlen, so erfährt man, dass Hilde und Gretl alle Zettel mit den Terminen der Müllabfuhr und Sperrmüllsammlungen lückenlos aufbewahrt hatten. Ausgeräumt haben sie ihr Haus trotzdem nie. Sie haben alles geordnet und was "erledigt" war, wurde mit Damenstrümpfen säuberlich zusammengebunden. Spätestens jetzt muss man neugierig werden ;-)

Hundertfünfzig Jahre sind die Ansammlungen des Lebens zusammengebunden, gestapelt und abgelegt worden. Warum? Damit wir davon erfahren, uns wundern - und uns Fragen stellen, die unser eigenes Leben betreffen? Wann habe ich zuletzt den Keller ausgemistet? Heute wären es wohl die Festplatten unserer Computer, falls wir so konsequent sind, die Daten bei jedem neuen Gerätekauf vom alten auf den neuen Rechner zu übertragen. Der Archäologe der Zukunft muss IT-Experte sein, spezialisiert auf alte Systeme. Er würde Nachrichten finden, die sich oft nicht so viel anders lesen, als das, was Hilde und Gretl auf Zettel geschrieben haben...



5 Sichern - Was wir weitertragen
Wozu das alles? Warum haben Hilde und Gretl all diese Dinge aufbewahrt und geordnet? Wer waren die beiden? Warum haben die Autoren nicht einfach alles sofort weggeworfen? Welcher Mehrwert entsteht durch dieses Projekt? Warum, um alles in der Welt, sollte man sich überhaupt damit beschäftigen?  Es stehen viele Fragen im Raum, die nur zum Teil beantwortet werden, und das muss auch gar nicht sein. Das Buch ist vielmehr eine Einladung, sich selbst ein paar Fragen zu stellen.  

Als all die Artefakte, all das Klumpert, im angemieteten Lokal nebenan gelagert waren, und das Haus leer stand, wirkte es befremdlich und fremd.

Auf den letzten beiden Doppelseiten des Buchs sieht man, wie das Haus und die Räume nach der Renovierung aussehen. "Ein tiefer Schnitt, baulich und ideell".


Kritik am Buch 
Nachdem es "Hilde und Gretl" bei Amazon wieder gab, haben einige Leser ihre Rezensionen hinterlassen. Eine Dame schreibt: "Ich hätte mir gewünscht mehr über das Leben der beiden zu erfahren und nicht was und wie viel sie gesammelt haben. Um das geht es nämlich im gesamten Buch."

Nun ja: Ansichtssache. Wenn man die umfangreichen Texte genauer studiert und zwischen den Zeilen lesen kann, erfährt man doch eine ganze Menge über die beiden Frauen. Wie sehr möchte man da noch ins Detail gehen? Wird es an einigen Stellen nicht auch langweilig, weil zu alltäglich? Diese Gratwanderung fand ich gut gemeistert.

"Die meisten Fotografien sind sehr schlecht gemacht," merkt eine andere Leserin an. Damit sind wir beim Kernthema der Fotonanny. Die Fotos sind nicht inszeniert. Es ist eine Available Light Fotoreportage ohne besondere Hilfsmittel. So sehen Fotos aus, wenn man sie nicht künstlich überhöht. Sicher hätte man mit einer Großformatkamera arbeiten, alles perfekt ausleuchten und komplett anders inszenieren können. Ich versuche gerade auszurechnen, wie viele Monate das gedauert hätte. 



Man kann immer alles anders machen. Tarek Leitner und Peter Coeln haben diesen Weg gewählt. Sie vermitteln all denen, die es interessiert, ihre persönliche Sicht auf etwas alltäglich Ungewöhnliches. Ich hätte gerne noch mehr Bilder gesehen und habe es so interessant gefunden, dass ich darüber im Blog berichten wollte. Der Rest liegt - wie immer - im Auge des Betrachters.

Wo liegt für Sie der praktische Nutzen?
In der Inspiration! Wenn Sie das nächste Mal bei Ihren Verwandten zu Besuch sind, schauen Sie mal, was dort alles in den Regalen steht. Und bevor Sie Ihr Fotohandy zücken oder die Kamera holen, um etwaige skurrile Stilleben zu fotografieren: Fragen Sie um Erlaubnis. Noch besser: Holen Sie sich eine schriftliche Fotografier- und Veröffentlichungsgenehmigung ein ;-) Reden Sie mit den Leuten über deren Sammlungen und über deren Leben, bevor die Situation eintritt, dass ein desinteressierter Nachlassverwalter alles für immer wegräumt. Wenn die Autoren des Buchs Recht haben, dann ist das Erreichen einer perfekten Ordnung der Moment, an dem man nur noch sterben kann. Na, dann werde ich mit dem Aufräumen meines Kellers noch ein paar Jahre warten, und meine Zeit mit weiterhin mit Schreiben und Fotografieren verbringen...

Linkliste 

Hilde und Gretl beim Brandstätter Verlag
Hilde und Gretl bei Amazon

Video der Buchvorstellung
Kurzvideos bei Hilde und Gretl
Tarek Leitner / Peter Coeln

Für Freunde des dunklen Humors:
Fernsehserie Braunschlag (Wikipedia) (Amazon Video)
Krimi "Der Knochenmann" (Wikipedia) (Amazon Video)

Und hier habe ich von Hilde und Gretl erfahren: Willkommen Österreich
Satire aus dem Nachbarland, in Deutschland zu sehen auf 3sat, gegen Zwangsgebühr ;-)

 

Dienstag, 20. Februar 2018

Alte Kameras: Verkaufen oder Wertstoffhof?


Vor einiger Zeit habe ich meine EOS 7D wieder ausgepackt, die jahrelang neidisch auf die FZ1000 geschielt, und sich wahrscheinlich gefragt hat, ob sie im Wertstoffhof enden wird. So weit ist es (noch) nicht, aber es gibt einige digitale Gehäuse in meiner Sammlung, bei denen ich darüber nachgedacht habe. Lassen sich alte Digitalkameras wirklich noch verkaufen?


Meine allererste digitale Kompakte ist schon seit Jahren ein Fall fürs Museum, aber die behalte ich aus Gründen der Nostalgie. Alle Kameras, die ich danach angeschafft habe, funktionieren bis heute, nur die Akkus haben durch die lange Nichtbenutzung stark gelitten. Sie müssten ersetzt werden, wenn ich mit den alten Kameragehäusen noch einmal intensiver fotografieren wollte. Aber: Ist das überhaupt sinnvoll?

Schneller, besser, mehr Funktionen
Bei Bildern fürs Web oder für private Erinnerungsfotos wäre die geringe Auflösung der alten Modelle kein Problem. Heute wird die Fläche an der Kamerarückseite für möglichst große Monitore genutzt, die sich oft per Touchscreen bedienen lassen. Darum sind manche Bedienelemente an andere Stellen des Gehäuses gewandert, oder in verschachtelten Menüs verschwunden. Durch die zusätzlichen Funktionen sind manche moderne Kameras komplizierter in der Bedienung als die alten Geräte.

Im direkten Vergleich zwischen den alten und neueren Modellen fällt mir vor allem die Geschwindigkeit auf, mit der die Daten verarbeitet und auf die Speicherkarten geschrieben werden. Die neuen Kameras sind schneller, bei der Auflösung, dem Bildrauschen, der Kontrastanpassung, Schärfe und Farben ist im Lauf der Jahre alles deutlich besser geworden. Es sieht also eher schlecht aus für die alten Geräte.

Wenn die Vitrine voll ist...
Falls Sie mehr als drei Kameragehäuse bei sich herumliegen haben, wird es Zeit auszumisten. Technisch gesehen gibt es wenige bis gar keine Gründe, (unbenutzte) digitale Kameragehäuse aufzuheben, die älter sind als zehn Jahre. Nach spätestens fünf Jahren ist der technische Sprung jeweils so groß, dass es sich wirklich lohnt, ein aktuelleres Modell anzuschaffen. Das Vorgängermodell kann man als Zweit- oder Ersatzkamera verwenden, falls die neue Hauptkamera einmal zur Reparatur muss. Zögern Sie trotzdem nicht zu lange! Auch wenn der Wertverlust schmerzt: Verkaufen Sie halbwegs aktuelle Gehäuse, die Sie nicht mehr benutzen.

Es gibt genug Leute mit kleinem Geldbeutel, die sich freuen, wenn sie eine gute, aber nicht brandaktuelle Kamera zu einem günstigen Preis bekommen. Veraltete Modelle lassen sich bei eBay nur schwer verkaufen, es gibt einfach zu viele Anbieter.  Einfacher geht es über Ankaufdienste, die man auf der Seite Recyclingmonster findet. Firmen wie Wirkaufens, ReBuy und Zoxs errechnen aus den eingegebenen Daten unterschiedliche Preise für den Ankauf, da lohnt sich ein genauer Vergleich. Bei einem meiner Kameramodelle betrug die Differenz fast 100 EUR. Die Linkliste finden Sie am Ende dieses Beitrags. Defekte Akkus, fehlende Kabel oder eine zerfledderte Bedienungsanleitung mindern den Ankaufswert.

Sie wollen noch warten?
In den Jahren,  in denen die Digitalkameras ihren größten Boom erlebt haben (2003 - 2010), wurden so große Stückzahlen verkauft, dass sich diese Modelle kaum in Raritäten verwandeln werden. Experimentierfreudige Fotografen können ihre ausgemusterten Modelle noch für Infrarotaufnahmen umbauen (lassen). Dazu muss man entweder ein begeisterter Feinmechaniker sein, oder eine ordentliche Summe in den professionellen Umbau stecken.

Auf der Seite des Digicammuseums könnnen Sie sich einen Überblick darüber verschaffen, was alte Kameras aktuell wert sind. Die Liste enthält derzeit Modelle von 1988 bis 2013. Auch daran ist zu sehen, dass die Halbwertszeit einer Kamera heute etwa vier bis fünf Jahren beträgt. Sehr interessant finde ich die Umfrage am Ende jeder Kameraseite: Funktioniert die Kamera noch? Wie lange wurde sie verwendet? Man kann das Formular abschicken, ohne persönliche Daten preiszugeben. Machen Sie mit! Vielleicht haben Sie  sogar ein Modell, das der Museumsbetreiber gerne im Sortiment hätte.

Zum Digicammuseum 

Natürlich können Sie auch Ihr eigenes Kameramuseum auf- und ausbauen, so wie Harry Herbs, der mir nach Veröffentlichung dieses Artikels einen kleinen Einblick in seine Sammlung gewährt hat. Na klar: es gibt nicht nur digitale, sondern auch die ganzen analogen Lieblinge :-)



Infrarot-Umbau
DIY Anleitung für den Infrarot-Umbau (Nikon) bei Youtube
Dienstleister für den professionellen Umbau, z.B.  IRreCams oder Optic Macario
Wer ein bisschen sucht, findet dazu natürlich noch viele weitere Informationen im Netz.

Ankaufdienste
Recyclingmonster (Übersicht) >> Elektronik
wirkaufens.de | ReBuy | Zoxs


Donnerstag, 8. Februar 2018

TV-Tipps bis März
















Frisch eingetroffen ist die aktualisierte Liste mit interessanten Sendungen für den Zeitraum bis Mitte März. Sie überschneidet sich teilweise mit den Tipps aus dem Vormonat.

Den angekündigten zweiten Teil des Interviews mit Hermann Ludwig, dem Macher der Kunstlinks gibt es inzwischen natürlich auch, und zwar hier.

Viel Spaß beim Lesen, Fernsehen oder beim Stöbern in den Mediatheken.

Dienstag, 30. Januar 2018

Wo ist Keegan?


Im Oktober 2016 hatte ich über Keegan, den Fotocoach berichtet. Der hat sich mittlerweile in Luft aufgelöst. Das französische Startup-Unternehmen Regaind, das die Bildanalyse-Software entwickelt hatte, wurde letztes Jahr von Apple gekauft. Über weitere Pläne, was aus dem bemerkenswerten Fotocoach werden soll, gibt es derzeit keine Informationen. Es wird darüber gemutmaßt, dass künftige iPhones dem Fotografen dabei helfen werden, aus einer Reihe von Bildern die jeweils besten auszusuchen. (Golem, 17.9.17)

Automatische Bildanalyse
Solch skurrile Fehler passieren der KI heute kaum noch
Für "Knipser", die sich mit dem Fotografieren nicht intensiv beschäftigen wollen, ist so ein Auswahl-Assistent wahrscheinlich eine tolle Sache. Vorteile sehe ich auch für die Leute, die sich all die Handyfotos anschauen müssen. Vielleicht werden die Knipsbilder besser, wenn eine virtuelle Intelligenz dabei hilft, den Ausschuss zu verringern. Es erinnert mich ein bisschen an die analogen Zeiten, in denen im Großlabor alle über- oder unterbelichteten Fotos eines Negativstreifens aussortiert wurden. Aber natürlich geht die virtuelle Intelligenz viel weiter: Sie analysiert nicht nur die technischen Parameter, sondern auch den Bildinhalt.



Mit an Bord ist eine Gesichtserkennungsfunktion, und was das bedeutet, mag ich mir gar nicht ausdenken. Natürlich erfolgt kein automatischer Abgleich aller privaten Spaßbilder mit den Datenbanken irgendwelcher Ermittlungsbehörden. Wir haben nichts zu verbergen und wir können davon ausgehen, dass die Hersteller all dieser technischen Spielereien stets nur den Kundennutzen im Auge haben... Ach, der Zug ist längst abgefahren.

Wen lassen Sie für sich denken?
Wenn wir die Bildanalyse eines Experten oder einer künstlichen Intelligenz nutzen, müssen wir uns deren Urteil nicht automatisch unterordnen. Ich finde es wichtig, das eigene Urteilsvermögen zu stärken, egal ob wir es mit einem Menschen oder einer Maschine zu tun haben. Ja, fangen Sie bitte an, in diesen Kategorien zu denken. Das ist keine Science Fiction mehr.
Die künstlichen Intelligenzen lernen gerade, wie Menschen denken. Als alter Fan von Raumschiff Enterprise muss ich dabei an den Androiden Data denken. Der hatte übermenschliche Fähigkeiten, aber auch die größte Mühe mit Ironie, dem menschlichen Humor und mit der Liebe. Wie lange wird es wohl dauern, bis Keegan&Co. in der Lage sind, subtilere Analysen vorzunehmen? Bei Keegan gab es die Möglichkeit, das zuvor gefällte Urteil zu bewerten. Wenn es sich um einen selbstlernenden Algorithmus handelt, müsste er etwaiges Feedback bei künftigen Bewertungen berücksichtigen, und davon sollten wir Gebrauch machen.





Keegan gab in der Testphase ziemlich ausgefeilte Rückmeldungen zu Schärfe, Belichtung, Hintergrund, Bildaufbau, Farben, Lichtsituation, Perspektive... Ob es diese Funktion irgendwann auch bei Apple wieder geben wird, steht in den Sternen.

Wenn ich ProgrammiererIn wäre, würde ich Keegan nachschauen lassen, wie viele der Bilder, die er für schlecht hält, tatsächlich gelöscht werden. 





Die Zukunft hat begonnen
Ich war wirklich zwiegespalten, als ich Keegan kennenlernte. In meinen Kursen waren und sind Bildbesprechungen ein wichtiges Element, und dafür nehme ich mir immer viel Zeit. Und nun kommt so eine virtuelle Intelligenz daher, die meinen Job kostenlos und in Sekundenschnelle erledigt? Kann ich jetzt einpacken? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Ich könnte umschulen auf Frisörin, Kosmetikerin oder in die Altenpflege wechseln, denn solche Jobs gelten aktuell als langfristig krisensicher. Alles andere können die virtuellen Kollegen mittelfristig übernehmen, sogar die künstlerischen Berufe.

Mit dem sogenannten Turing-Test formulierte Alan Turing 1950 eine Idee, wie man feststellen könnte, ob ein Computer, also eine Maschine, ein dem Menschen gleichwertiges Denkvermögen hätte. Dieser Test wurde 2017 gleich zweimal bestanden:

Im Juli 2017 stellten Forscher der Rutgers Universität eine KI vor, die künstlerische Gemälde produziert. Die KI wurde trainiert mit vielen Gemälden berühmter Maler verschiedener Epochen. In einem Blindtest wurden die von der KI erstellten Gemälde mit von Künstlern für die Art Basel erstellten Gemälden vermischt und 18 Experten in einem Blindtest zur Beurteilung vorgelegt. Die Jury beurteilte die Gemälde von der KI insgesamt besser als die von den Künstlern für die Art Basel erstellten Gemälde. 

Im Sommer 2017 haben Forscher der Universität von Chicago eine KI vorgestellt, die eigenständig Rezensionen verfassen kann. Diese maschinell erzeugten Rezensionen wurden zusammen mit von Menschen verfassten Rezensionen 600 Versuchspersonen zur Beurteilung vorgelegt. Diese beurteilten die von der KI erstellten Rezensionen im Blindtest durchschnittlich als ähnlich nützlich wie die von Menschen verfassten Rezensionen. In dieser Versuchsanordnung wird der Turing-Test somit bestanden, da für die Menschen nicht mehr erkennbar war, welche Rezensionen maschinell erstellt waren und welche von Menschen.
(Wikipedia)

Horch mal, wer da spricht
Mit diesen neuen Entwicklungen wird sich unser Leben in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren von Grund auf verändern. Siri, Alexa und Cortana sprechen schon mit uns. Wenn Keegan zurückkommt, können wir ihn vielleicht fragen, wie wir die Kamera einstellen sollen. Die KI ist ja nicht blöd: Es hat sich garantiert schon herumgesprochen, dass wir Menschen nicht bevormundet werden wollen. Modus M statt Vollautomatik, Keegan oder Keegane sprechen als virtueller Fototrainer zu uns, und gleich nach der Belichtung liefern sie die Bildanalyse? Ausprobieren würde ich das auf jeden Fall.
Sie halten das alles für Unsinn, für zu weit hergeholt? Ich wäre nicht unglücklich, wenn ich mich irre. Es gab schon viele Fehlprognosen: 
  • „Dieses Telefon hat zu viele Schwächen, als dass man es ernsthaft für die Kommunikation in Erwägung ziehen kann“. Internes Memo von Western Union (1876)
  • "Es gibt keinen Grund, warum jeder einen Computer zu Hause haben sollte” Ken Olsen, Gründer von Digital Equipment Corp. (1977)
  • "Das Abonnement-Modell für den Kauf von Musik ist gescheitert” Steve Jobs (2003)
  • „Das ist das teuerste Telefon der Welt. Und es spricht Business-Nutzer überhaupt nicht an, weil es keine Tastatur hat. Damit ist es keine besonders gute Mail-Maschine“. Microsoft-Chef Steve Ballmer (2007)
Das Internet und die digitalen Medien haben uns schon so sehr im Griff, dass es auch Gegenbewegungen gibt. "Immer mehr Menschen schalten nicht nur häufiger ihr Smartphone aus, sie verabschieden sich vom stetigen Strom des Negativen, Angstmachenden und Skandalösen. (...) Der Achtsamkeits-Trend ist auch Teil der Gegenbewegung zur gesellschaftlichen Hysterie, Teil eines Umgangs miteinander, der wieder auf Respekt, Zuhören, Vereinbarung setzt. Neue Höflichkeit – New Civility – könnte man das nennen", sagt Matthias Horx, der allerdings auch einmal dachte, dass sich das Internet und die sozialen Medien nicht so massiv durchsetzen würden. Wir haben unsere Zukunft selbst in der Hand, zumindest ein Stück weit.

Keegan ist erst mal weg, wie geht es weiter?
Wer schnelle Ergebnisse sehen will, kann weiterhin die Bildanalyse von Everypixel nutzen. Sie gibt kein detailliertes Feedback zu den Bildern, aber sie macht eine prozentuale Angabe darüber, ob ein Motiv agenturtauglich wäre. Hier kommen unkonventionelle Fotomotive etwas besser an als bei Keegan. Nebenbei kann man sehr gut beobachten, wie genau Algorithmen Bildinhalte erkennen und als Schlagwörter ausgeben.


Die Seite gibt es nur auf Englisch, aber die Begriffe können mit einem Mausklick in den Zwischenspeicher kopiert werden. Von dort braucht man sie nur in das Feld von Google-Translate einfügen, schon hat man die Verschlagwortung in der gewünschten oder in beiden Sprachen. Übersetzen war mein erster gelernter Beruf. Das lasse ich heute auch von Google erledigen. Was mich aber immer noch diebisch freut, sind die grauenhaften Fehler, die Translate macht. Ich schreibe eben, wie mir der Schnabel gewachsen ist, und solange Google Translate damit nicht klarkommt, weiß ich, dass es mein Alleinstellungsmerkmal ist. Ich bin zu beschäftigt und auch zu faul, meine eigenen Texte auch noch (korrekt) ins Englische zu übersetzen. Mehr Leser bekäme ich bestimmt, wenn ich das mächte. ;-)
Und noch mehr Leser bekäme ich, wenn ich nicht so viel schrübe. Aber weil es mir Spaß macht, mache ich es so und nicht anders. Dass Sie bis hierher gelesen haben, freut mich deshalb umso mehr. Was machen wir als nächstes? Irgendwas Kreatives. :-)

==========> Toller Tipp von Sabine: DeepL kann richtig gut übersetzen, und ich habe es ausprobiert - der Hammer!

Wenn Sie sich für das Thema interessieren, lesen Sie weiter im betrachtenswert Blog, einem meiner Paralleluniversen ;-)

Mittwoch, 17. Januar 2018

Kreativitätstipp: Nützlich machen

Es heißt immer, man müsse das Rad nicht neu erfinden. Das ist schon ein toller Spruch. 
Im Grunde genommen ist er absolut kreativitätsfeindlich. Sicher, das Rad ist eine super Erfindung. Trotzdem gefällt mir die Vorstellung, Autos und Fahrräder würden sich auf einer Art Magnetschwebefahrbahn durch München bewegen. Es gibt also durchaus Alternativen, die ein bisschen teuer und schwierig umzusetzen sind. Was ich damit sagen will: Wenn keiner darüber nachdenkt, ob und wie man ein Rad neu erfinden könnte, dann passiert es auch nicht. 

Wie findet man kreative Foto-Ideen?
Es gibt jede Menge Kreativtipps, die sich auch auf das Fotografieren anwenden lassen.  Besorgen Sie sich ein Notizbuch oder benutzen Sie den Sprachrekorder Ihres Smartphones, um alle Ideen zu notieren, die Ihnen spontan einfallen.

Der Tipp der Woche lautet:
Machen Sie aus etwas Ungenutztem etwas Nützliches für Ihre Fotografie.

















Was könnte das bedeuten?

Möglichkeit 1: Sammler
Manche Leute sammeln Briefmarken oder Schallplatten. Andere bringen aus jedem Land, das sie bereisen, ein Glas Sand mit. Wieder andere sammeln Stofftiere, Porzellan oder Blechdosen...
Machen Sie ein Fotoshooting mit Ihren Sammelobjekten. Wenn Sie danach zu dem Schluss kommen, dass diese Dinge wirklich unnütz für Sie sind, können Sie die Fotos gleich dazu verwenden, Ihre Sammlung bei eBay einzustellen.

Möglichkeit 2: Zubehör
In jedem Fotorucksack gibt es Zubehör, das nur sehr selten zum Einsatz kommt. Kramen Sie Ihre alten Kreativfilter hervor oder benutzen Sie den ND-Filter, den Sie zu Weihnachten geschenkt bekommen haben. Schauen Sie nach, ob die Batterien in Ihrem Blitzgerät noch okay sind, und benutzen Sie ihn bei dieser Gelegenheit für ein Experimentalbild. Wissen Sie noch, wie der Fernauslöser funktioniert, den Sie vor Jahren angeschafft haben? Wann haben Sie zuletzt mit dem Objektiv xyz fotografiert? Öffnen Sie Schränke, Schubladen und die Fototasche, und schauen Sie nach, was Sie alles haben. Belassen Sie es nicht dabei: benutzen Sie mindestens eines dieser Dinge innerhalb der nächsten acht Tage.

Möglichkeit 3: Tüftler und Techniker
Sie kennen sich mit Ihrer Kamera gut aus, aber da gibt es ein paar Funktionen, die Sie noch nie benutzt haben. Für irgendetwas müssen diese Einstellungen doch nützlich sein. Finden Sie heraus wofür und probieren Sie es aus. 

Möglichkeit 4: Analoge Relikte
Haben Sie noch irgendwo eine analoge Kamera herumliegen? Kaufen Sie sich einen Film dafür. Sicherheitshalber sollten Sie auch prüfen, ob Sie eine neue Batterie brauchen. Gehen Sie mit der alten Kamera fotografieren und lassen Sie sich von den Ergebnissen überraschen. 

Möglichkeit 5: Tools und Apps
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: Auf meinem Computer haben sich im Lauf der Zeit viele kleine Programme angesammelt, die ich irgendwann einmal zum Testen heruntergeladen, und danach nie wieder benutzt habe. Ein kalter verrregneter Wintertag eignet sich hervorragend, um diese Tools oder Handy-Apps noch einmal auszuprobieren. Danach können Sie Ihren Rechner davon befreien oder Sie tauchen tiefer in die Bildbearbeitung ein.

Möglichkeit 6ff: Ihre Idee!
Was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie das Wort ungenutzt oder unbenutzt lesen? Wie könnten Sie es fotografisch sinnvoll nutzen? 
Machen Sie sich Notizen und entwickeln Sie Fotoprojekte aus Ihren eigenen Ideen.

Sonntag, 14. Januar 2018

Das Internet vergisst mehr, als man denkt...

Im zweiten Teil des Interviews mit Hermann Ludwig, dem Macher von www.kunstlinks.de wird es anfangs ein bisschen technisch, aber das hat einen guten Grund. Als ich die Seiten zum ersten Mal besuchte, war ich erstaunt, ein Seitendesign vorzufinden, das mich an die Neunzigerjahre erinnerte. Das traut sich heute fast keiner mehr. Das moderne Web ist glatt und geschniegelt, fürs Smartphone und für Suchmaschinen optimiert.

FN: Wenn man die Seite kunstlinks.de aufruft, sieht man, dass es dort noch eine Menge mehr zu entdecken gibt. Das Seitendesign hat den Wandel der Internettechnologie nicht mitgemacht: warum?

HL: Die Technik hinter den Kunstlinks beruht auf einer Pearl-Programmierung, die war damals eher gebräuchlich als etwa heute PHP. Dadurch werden die Seitenaufrufe, die Suche und die Sortierung generiert. Mich interessieren dabei die Inhalte und dass sie erreichbar und lesbar sind. Beim Design habe ich eigentlich kein großes Geschick, verfolge aber die Philosophie, dass es im Sinne der Usability (Benutzerfreundlichkeit) förderlich ist, wenn das Erscheinungsbild stabil bleibt. Das ist eben eine alte Seite wie English Antique und zeigt das auch, die ist dann aber auch im Umgang vertraut. 


Ich könnte die Programmierung auch ändern, so dass sie ein Design ausgibt, das wie WordPress aussieht, ohne es zu sein. Wie albern wäre das denn? Erst haben früher alle Seiten nach Netscape ausgesehen, dann hat es von animierten GIFs gewimmelt, dann kamen die Content Management Systeme und heute sieht alles aus wie Joomla oder WordPress, nur unterschieden durch jeweils eigene Bilder und die ach so individuelle Farbgebung. Es heißt zwar, dass das Netz nichts vergisst, tatsächlich ist das Internet aber groß darin, permanent Inhalte zu vernichten, und zwar meist wegen eines Re-Designs. Ganz schlimm bei Schul-Homepages, wo eine immer wieder neue Crew das alte Geraffel weghaut, um zeitgemäßer zu wirken. Wenn ich in den Kunstlinks auf Ergebnisse des schulischen Kunstunterrichts verlinke sterben mir die Links regelmäßig.

FN: Mehrfache Re-Designs haben auch meinen ersten Internetauftritt komplett gekillt. Die Seite war damals sehr gut besucht, 2013 hatte ich keine Zeit mehr, alles auf den neuesten Stand zu bringen und das war's dann. Das kann ich also nur bestätigen, leider.

HL: Während ich das schreibe, fällt mir auf: Vor zwei Wochen habe ich mir ein altes Auto gekauft, das auch 99er Baujahr ist – also exakt so alt wie die Kunstlinks. Warum? Weil es schöner und eigener ist als die stereotype Masse der Neuwagen. So was wie Charakter.
Bei den Fernsehtipps ändere ich auch bewusst nichts am Seitenaufbau, weil wohl mittlerweile jeder Benutzer und Besucher seinen eigenen Umgang damit gefunden hat, wie er sie durchsucht, wie er Sendungen herauskopiert (deswegen auch jeder Eintrag mit Datum und Uhrzeit) oder löscht. Das soll ihm erhalten bleiben. Neuerungen gibt es bei den Kunstlinks selbst eher in der Technik. So etwa im „Meine Seite“-Mechanismus, wo man sich seine eigene persönliche Zusammenstellung aus dem Gesamtangebot sammeln kann, wo man also alles wiederfinden kann, was man mal entdeckt hat. 

FN: Das Internet hat unser Leben seit 1999 generell stark verändert. Damals saßen wir mit Modems vor Röhrenbildschirmen, heute hat fast jeder ein internetfähiges Smartphone in der Jackentasche. Was bedeutet das für ein Projekt wie die Kunstlinks? 

HL: Nun ja, eigentlich sollten die Seiten heutzutage mit einem responsiven Design aufgebaut sein, um auf Tablets oder Smartphones optimiert erscheinen zu können. Wie oben schon erwähnt werden meine Seiten von einem Pearl-Programm ausgeworfen. Das wäre schon ein ziemlicher Aufwand, diese Geschichte skalierbar zu gestalten. Pech für mich und für das Google-Ranking. Die Fernsehtipps kann man noch gerade so benutzen, obwohl ein Smartphone eigentlich danach verlangt, dass es in den Fernsehtipps Sprungadressen zu bestimmten Tagen (oder „Heute“) gäbe.

FN: Du unterrichtest seit 1978 Kunst, also beinahe vierzig Jahre. Hat sich das Interesse von Schülern an diesem Fach über die Jahrzehnte verändert und wenn ja: wie? 

HL: Für Schüler ist Schule immer aufregend, so oder so. Vieles erfahren oder tun sie das erste Mal im Leben. Mittlerweile bin ich ja seit gut einem Jahr in Pension und genieße das sehr. Während meiner gesamten aktiven Zeit hatte ich das Glück, dass alle meine Schüler wirklich nett zu mir waren. Als Kunstlehrer regiert man ja in seinem eigenen kleinen Reich in der Schule, so dass meine Erfahrungen nicht für die Schule oder gar für die Gesellschaft verallgemeinerbar sind. Auf dieser glücklichen Insel sind wir stets offen miteinander umgegangen, und vor allem aus den Leistungskursen sind sehr viele Schüler und Schülerinnen in künstlerische oder mediale Berufe weiter gegangen. In dem breiten Spektrum des Kunstunterrichts findet eigentlich fast jeder ein Eckchen, in dem er sich wohl fühlt.

Medienkompetenz ist ein Begriff, der heute wichtiger ist denn je. Wie erlebst Du diese „Medienkompetenz“ in deinem beruflichen Alltag als Lehrer und als Privatperson?

HL: Das ist ein Mega-Thema, in der Schule und außerhalb, dass ich hier kaum ausschöpfend darauf antworten kann. Nur so viel: mein Bestreben war stets, dass aus reinen Medien-Konsumenten selbst Gestalter wurden. Wenn man mal selbst eine Webseite angelegt hat, eine App programmiert hat, einige der vielzähligen Möglichkeiten in der Bildbearbeitung ausprobiert hat, sein Video gefilmt und geschnitten hat, seinen Text wirkungsvoll gelayoutet hat, dann durchschaut man auch die Tricks und Effekte, denen man ausgesetzt ist. Daher finde ich den kreativen Umgang mit den Medien im Kunstunterricht so eminent wichtig.

FN: Welche Rolle spielen die digitalen Medien  im Kunstunterricht heute?
Wie siehst Du die Ausstattung der Schulen mit modernen Unterrichtsmedien und die allgemeine LehrerInnenkompetenz im Angesicht von Smartphones / der Generation der Digital Natives?


 
HL: Einerseits gibt es wahnsinnige Chancen, was man im Kunstunterricht alles machen, andererseits ist es ein Trauerspiel, wie beharrlich die Verweigerungshaltung unter Kollegen verbreitet ist, die das traditionelle Künstlertum angegriffen fühlen. Zudem gibt es ein umfassendes Niederhalten durch die Kultuspolitik der Länder (gerade hier in Bayern), die zwar Digitalisierung irgendwie wollen, weil das im Berufsleben gefordert wird, die aber die Freizügigkeit im Umgang mit dem Netz aus den unterschiedlichsten Gründen fürchten. In den Schulen gibt es lauter kastrierte Netzzugänge, YouTube wird geblockt und Handys werden verboten, weil da böse Sachen gesehen werden könnten. Das ist einem kreativen Umgang nicht gerade förderlich.


Im Schulnetz wird auch die Software uniformiert, die kauft man als Paket bei einem Anbieter, damit die Systemadministratoren die Mühe mit Installation und Pflege nicht mehr haben. In diesen Paketen ist natürlich keine Spezialsoftware vorgesehen, wie man sie im Kunstunterricht brauchen würde. Deswegen hatte ich mein eigenes Netz aufgebaut, mit einem eigenen Zugang und mit eigener Softwareanschaffung, zusätzlich natürlich die kostenlosen Angebote wie Blender, SketchUp und GIMP installiert, die den Vorteil haben, dass die Schüler diese auch zu Hause nutzen können. Zu Beginn des digitalen Zeitalters war das vielleicht sogar spannend, mit den damals Neuen Medien zu arbeiten, heute finde ich es gut, wenn man sich das jeweils passende Medium aussuchen kann, digital oder analog oder auch gemischt. 

FN: Nachdem Du inzwischen im Ruhestand bist: Bleibt Dir persönlich jetzt mehr Zeit, um künstlerisch tätig zu sein? Wenn ja: welche Kunstform ist Deine liebste? Malerei, Zeichnen, Musik, …? 


HL: Meine künstlerischen Arbeiten habe ich sehr zeitaufwändig mit Bleistiften und Buntstiften auf großen Formaten gemacht, so dass sehr schnell klar wurde, dass ich nie den Ausstoß erbringen könnte, der für eine Künstlerkarriere nötig wäre.

FN: Ein paar davon hast Du uns hier zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür!

HL: Eine sehr schöne Zeit habe ich als Mitglied einer Band erlebt, bis diese sich dann leider aufgelöst hat. Danach war ich musikalisch alleine mit meinem Kurzweil und dem Computer beschäftigt.  





Dabei konnte ich eine lokale Jugendinitiative (www.subkultur-ffb.de) mit begründen, die die musikalische Szene im Landkreis mittlerweile in einem denkmalgeschützten Schlachthof (www.alter-schlachthof-ffb.de) unterstützt, womit ich wieder beim Denkmalschutz gelandet war, etc… und wo wieder viele meiner Schüler engagiert sind, etc… 




FN: Und damit schließt sich der Kreis. Vielleicht gibt es ja den einen oder anderen Leser, der mal im Fürstenfeldbrucker Schlachthof vorbeischaut, oder sogar eine Ausstellung? Ich würde mich freuen, wenn ich davon erführe. Herzlichen Dank für das ausführliche und tiefgründige Interview!

Den ersten Teil des Interviews finden Sie hier.