Donnerstag, 20. September 2018

TV-Tipps bis Mitte Oktober

Die neuen TV-Tipps von www.kunstlinks.de sind soeben eingetroffen.
Der Film, auf den ich seit langem warte, war in den letzten Filmtipps schon in der Vorschau: Beuys hat mit Fotografie nicht so viel zu tun, und mit Werken wie "Zeige deine Wunde" hatte ich schon immer gewisse Probleme. Nachdem ich verschiedene Berichte in Kultursendungen mit Ausschnitten aus diesem Dokumentarfilm gesehen hatte, wurde ich  neugierig. Sendetermin: 3.10.18 um 21:45 h auf arte.


Für Fotografen gibt's eine Dokumentation über Sigi Braun, einen Unterwasserfilmer. Der Beitrag läuft auf Servus TV, das heißt er ist nicht in einer Mediathek abrufbar. Wer sich für Lost Places Fotografie in Bayern interessiert, kann sich dazu eine Doku aus dem Jahr 2016 anschauen.

Bei mir stehen zwei andere Sendungen auf der Favoritenliste:
#Selfie - Ich - und die Welt, Eine Dokumentation "im Spannungsfeld zwischen den Anfängen des Selbstporträts und der heutigen Selfie-Manie". Dazu passt: Nicht ohne mein Smartphone - Ein Leben für Likes.

In der Rubrik "Themenübergreifend" empfehle ich zwei Sendungen, die vielleicht nicht so interessant klingen, aber als Ausgangspunkt für eigene Fotoprojekte dienen können:
  • Von der Dunkelheit ins Licht - Die Geschichte der urbanen Beleuchtung (arte, 25.9.) bietet viele Möglichkeiten einer fotografischen Umsetzung.
  • Interview mit einem Bild (rbb, 1.10.) dreht sich um das Motiv "Mensch und Meer in der Malerei". Wie kann man diesen Ansatz der Bildanalyse auf die Fotografie übertragen? Was würde ein Foto erzählen, wenn man es interviewt? Lassen Sie sich inspirieren.
Hier geht's zur Liste mit allen aktuellen Sendeterminen. Vielen Dank an Hermann Ludwig!

Montag, 17. September 2018

Dias und Fotos digitalisieren: Mein Workflow


Vor etwa einem Monat hatte ich berichtet, dass ich meine analogen Schätze dringend retten, sprich einscannen muss. Um die Aufnahmen wieder vorzeigbar zu machen, müssen sie nach dem Scannen bearbeitet werden. Das dauert oft genauso lange wie der reine Scanvorgang,  manchmal sogar länger. Zwar kann man eine gute Scan-Software so einstellen, dass die Bilder automatisch optimiert werden, aber das funktioniert nicht immer. Manche Bilder werden zu hell oder zu dunkel digitalisiert, bei anderen ändert die Automatikeinstellung das Bildformat und schneidet unterbelichtete Bereiche einfach ab. Beim automatischen Entfernen von Staub und Kratzern kann es ebenfalls zu Fehlern kommen. 

Neben dem Scanner sitzenbleiben, um sofort einzugreifen wäre eine Möglichkeit, aber ich verbringe meine Freizeit lieber anders.


Deshalb lasse ich die Magazine weitgehend unbeaufsichtigt durchlaufen und überprüfe anschließend, welche Bilder einen zweiten Scan brauchen. Diese Motive picke ich anschließend heraus und lege sie für später zurück. Die fehlerhaften Scans bleiben trotzdem vorläufig im Archiv, damit ich sie später ersetzen kann: Der neue Scan bekommt den gleichen Dateinamen und überschreibt die fehlerhafte Datei. Das sollte man natürlich nur machen, wenn man wach und aufmerksam ist, sonst heißt es: zurück an den Scanner...

Die Formatfrage
Als Dateiformat verwende ich im Gegensatz zu ScanCorner nicht das JPEG sondern das TIFF Format. Es hat den Vorteil, dass man Bilder auch mehrmals öffnen und bearbeiten kann, ohne dass sich die Bildqualität dabei dramatisch verschlechtert. TIFF-Dateien sind erheblich größer. Ich habe mich dabei für einen Kompromiss entschieden, damit die Datenmenge nicht zu groß wird. Gut 20MB pro Scan entspricht etwa der Datenmenge einer RAW-Aufnahme aus meinen aktuellen Kameras. Damit kommen Computer und Software gut klar und diese Qualität ist für 90% der vorhandenen Motive völlig ausreichend. Bei Fünf-Sterne-Motiven kann man die Auflösung weiter erhöhen und sie bei Bedarf ein zweites Mal scannen. 
Wenn ich JPEG-Dateien fürs Internet oder für andere Zwecke benötige, exportiere ich sie aus Lightroom, aber dazu später mehr.

Suchen, finden, archivieren
Die Dateien erhalten beim oder nach dem Scannen eindeutige Dateinamen und werden chronologisch in Ordner sortiert. Der Vorteil mit Dateinamen zu arbeiten besteht darin, dass die digitalen Dateien auf der Festplatte genau in der Reihenfolge sortiert werden, in der sie früher einmal als Diaschau gezeigt wurden. In der Lightroom-Bibliothek kann man die Sortierung beeinflussen, indem man die Sortier-Kriterien (zu finden am unteren Bildschirmrand) entsprechend einstellt. Auch hier ist das Arbeiten mit Dateinamen günstig.
Von den gescannten Bildern lege ich sofort ein Backup an, das beim späteren Bearbeiten einzelner Motive laufend aktuell gehalten wird.


Bildbearbeitung: Lightroom, Photoshop, ...?
Die Ordner mit den Analogmotiven importiere ich zunächst in Lightroom in einen eigens dafür angelegten Katalog. In der Lightroom Biblitothek habe ich einen besseren Überblick über die Motive und kann mir anschauen, welche sich überhaupt für eine intensivere Bearbeitung eignen. Ich beginne aber noch nicht mit der Entwicklung. Insbesondere das Enfernen von Staub und Kratzern finde ich in Photoshop mit dem Bereichsreparaturpinsel komfortabler als in LR, aber das ist Übungssache. Die fusseligen Originale braucht kein Mensch, darum überschreibe ich den Originalscan mit dem entfusselten aber ansonsten unbearbeiteten Bild aus Photoshop.

Bei diesem Motiv musste nur der Staub entfernt
und das exakte 2:3 Format eingestellt werden.

Diese Korrekturen erscheinen nicht automatisch in Lightroom. Man muss zunächst das Foto in der Bibliothek mit den Einstellungen von der Festplatte aktualisieren. Dabei würden alle Änderungen am zuvor importieren Foto - nebst Verschlagwortung - verlorengehen. Deshalb beginnt die Bearbeitung für mich in Lightroom erst, wenn das Entfusseln in Photoshop beendet ist.

Einstellungen vom Datenträger importieren:
Ja, nach dem Entfusseln in Photoshop!
 
Die Lightroom-Entwicklung läuft genauso ab wie bei anderen digitalen Dateien. Am Ende exportiere ich das bearbeitete Bild noch einmal als neue TIFF-Datei. Diese optimierten Endversionen lege ich unter neuem Namen zu den Originalen, aber in einen separaten Ordner.
Man kann alle Bearbeitungen nur in Photoshop oder nur in Lighroom machen oder auch in einem anderen Bearbeitungsprogramm. Meine Empfehlung: Behalten Sie einen fusselfreien Originalscan und legen Sie eine Kopie der Datei an, bei der Sie Farben, Schärfe und andere Dinge optimieren. Wenn Sie später doch noch einmal eine andere Ausarbeitung Ihres Motivs machen wollen, können Sie auf ein weitgehend unbearbeitetes Original zurückgreifen und haben mehr Möglichkeiten.

Originale: Aufbewahren oder entsorgen?
Die große Gretchenfrage, die sich ganz am Ende unweigerlich stellt lautet: Originaldias bzw. Abzüge aufheben oder nicht? 
Ich habe einen Teil meiner Dias vor etwa fünfzehn Jahren schon einmal gescannt, damals mit niedrigerer Auflösung. Werde ich in weiteren fünfzehn Jahren mit Bedauern feststellen, dass ich das alles nochmal machen muss? 
  1. Die Originale altern, sie verblassen, verkratzen, verstauben und werden nicht besser.
  2. Die Qualität moderner Digitalbilder und -kameras setzt den Maßstab beim Betrachten alter Fotos. Gescannte Bilder lassen sich optimieren, sind aber selten so scharf und so gut wie ganz neue Bilder. 
  3. Der Fotograf lernt dazu: Viele alte Fotos entsprechen nicht mehr meinen heutigen Qualitätskriterien und ich kann mich schmerzlos von solchen Originalen trennen.

Deswegen reicht mir beim Digitalisieren der Kompromiss. Die besten Bilder picke ich  noch einmal heraus, um sie aufzubewahren. Die Dias werden mit Sicherheit nicht mehr projiziert.  Darum müssen sie auch nicht mehr in den sperrigen und hässlichen Plastikmagazinen ihr Dasein fristen.
Schachteln für jeden Geschmack gibt's im 1-EUR-Shop. Wenn solche Boxen irgendwann  nicht mehr zum Einrichtungsdesign passen, oder wenn wieder ein Umzug ansteht, kann man ja nochmal überlegen, ob sie bleiben dürfen oder gehen müssen.



Eine kleine Anekdote zum Schluss...
Der Diascanner macht komische Geräusche, er brummt, klappert und pfeift stundenlang im Arbeitszimmer vor sich hin. Wenn es still wird weiß ich, dass ich wieder ein Magazin nachlegen muss. Am Sonntagabend räume ich alles beiseite, damit mein Mann während der Woche in diesem Raum in Ruhe arbeiten kann. Gestern fragte er mich, wie lange das denn nun eigentlich noch so weitergehen solle. Ich legte ihm die grobe Berechnung vor und meinte: "Wenn ich konsequent dranbleibe sind wir bis zum Jahresende mit den Dias durch." Ich habe ihm nicht gesagt, dass ich mindestens genauso viele Fotoabzüge einzuscannen habe. Er hält mich auch so schon für verrückt.


Donnerstag, 13. September 2018

Warum so teuer?

...Guten Abend...meinen Sie das Preis von 115€ für ein Handbuch nicht zu Hoch ist..nach meine Meinung Sie sollen sofort reagieren und ,leider ich muß sagen, diese Preis-Frechheit bei Amazon und eBay klären. Wer bezahlt das ? Ist das wirklich Wertvoll? Ich muß das wiesen , habe nie über 50 € für Fotohandbuch bezahlt..Bin gespant was Sie mir antworten...115€ sagen Sie ehrlich ! LG aus Neuwied
Kommentar zu Lumix FZ1000 / FZ2000 - Neuigkeiten zu den Handbüchern




Nachrichten wie diese bekomme ich sehr oft und die Antwort darauf lautet:

Vergriffene Bücher sind manchmal noch bei eBay und Amazon erhältlich. Dort werden stellenweise schwindelerregende Summen verlangt, was die Gemüter natürlich erhitzt. 
Weder ich noch der Verlag haben Einfluss auf die Preise des Second-Hand-Markts und wir haben auch keinen Nutzen davon. Der Verkaufserlös geht - nach Abzug der Gebühren der jeweiligen Verkaufsplattform - direkt an den Privatverkäufer. Er ist derjenige, der seinen Second-Hand-Preis individuell festlegt.

Grundsätzlich gilt in Deutschland zwar die sogenannte „Buchpreisbindung“, doch sie endet, sobald ein Verlag den Titel aus dem Programm nimmt. Das ist bei einigen meiner Bücher der Fall.

Wenn zu diesem Zeitpunkt noch eine sehr hohe Nachfrage nach einem Buch besteht, dieses vom Verlag aber nicht mehr nachgeliefert wird, gelten die Gesetze des Marktes: Die Nachfrage bestimmt den Preis. Der Verkäufer kann festlegen, was er für sein Buch haben möchte. Ob ein Käufer bereit ist, den geforderten Preis für eine „Rarität“ zu bezahlen, liegt im Ermessen des Einzelnen. 

Speziell bei Kamerahandbüchern tritt dieser Fall häufig auf. Diese Bücher erscheinen grundsätzlich in einer niedrigeren Auflage als klassische Fotolehrbücher. Bei bleibend hoher Nachfrage gibt es einen Nachdruck, zum Beispiel beim Handbuch zur FZ300. Sobald die Verkaufszahlen unter einen bestimmten Schwellenwert fallen wird nicht mehr nachgedruckt. Die noch vorhandenen Restexemplare werden abverkauft, danach verschwindet der Titel aus dem Verlagsprogramm und fällt nicht mehr unter die Buchpreisbindung. Einzelne Rest- oder Gebrauchtexemplare sind dann nur noch im sogenannten Antiquariat erhältlich mit den oben beschriebenen Konsequenzen. 

Die Rechte an meinen Texten und Bildern fürs Kamerahandbuch zur FZ1000 hatte ich zurückbekommen und eine Neuauflage im Selbstverlag - vornehmlich als E-Book geplant. Nach Sichtung der Dateien und Überarbeitung des ersten Kapitels wurde aber schnell klar, dass mich dieses Projekt mehrere Wochen beschäftigen würde. Obwohl ich mich sehr freue, dass immer noch so viele Leserinnen und Leser an diesem Buch interessiert sind, ist der Aufwand im Verhältnis zum Ertrag aus einem solchen E-Book schlichtweg zu groß. Für diese schweren Herzens getroffene Entscheidung bitte ich um Verständnis.

Dienstag, 11. September 2018

Lumix TZ202 - Tolle Reisekamera

Im Juni hatte ich angekündigt, dass ich an einem neuen Kamerahandbuch arbeite. Andere Autoren sind meistens schneller, aber das schätze ich eben am Rheinwerk-Verlag: Ich bekomme genug Zeit, um mich mit der jeweiligen Kamera intensiv zu beschäftigen. Die TZ202 war in den zurückliegenden drei Monaten meine ständige Begleiterin und es gab nur wenige Situationen, in denen ich sie gegen eine andere Kamera hätte eintauschen wollen. Nächste Woche muss ich sie wieder abgeben und ich werde sie vermissen.

105 mm | f5,3 | 1/25 s | ISO 3200

SCN Kühle Nachtaufnahme
RAW, bearbeitet
Available Light Fotografie bei schummrigen Lichtverhältnissen ist mit der TZ202 möglich, wenn man bereit ist Abstriche bei der Bildqualität in Kauf zu nehmen. Das gleiche gilt für Actionfotos an trüben Tagen. Das 24-360 mm Objektiv ist leider nicht so lichtstark wie das an der FZ1000. Deshalb muss die ISO-Automatik (oder der Fotograf) die Empfindlichkeit oft ziemlich hochschrauben. Trotz 1" Sensor wird das Bildrauschen ab ISO 1000 sichtbar, ab ISO 1600 muss man stark sein oder die RAW-Dateien gut feintunen.

Situationen mit schwachem Licht sind bei vielen Kameras kritisch. Ich bin zudem eine Fotografin, die gerne bis zum Anschlag zoomt und nur selten zum Stativ greift. In allen anderen Lebenslagen war ich mit dieser kleinen Kamera wirklich glücklich. Als Reisekamera oder als "Immerdabei" spielt die TZ202 ihre Stärken voll aus.  Ein Schwenkdisplay und ein eingebauter ND-Filter wären Ausstattungsmerkmale, die ich mir in manchen Momenten noch gewünscht hätte. 

Unterwegs habe ich den Akku manchmal mit einer Powerbank nachgeladen - Kabel ran, eine Tasse Kaffee trinken und schon geht's weiter. Ohne Ersatzakku sollten Vielfotografierer wie ich trotzdem nicht losziehen.

Gibt's was Neues?
Aufgefallen sind mir die verbesserten Blitzfunktionen. Die TZ202 hat keinen Blitzschuh für ein externes Blitzgerät, die Gestaltungsmöglichkeiten sind hier eher begrenzt. Dafür erkennt die Blitzautomatik unterschiedliche Aufnahmesituationen genauer und sie steuert den Miniblitz sehr gut aus. Dass man seltener eingreifen muss und die Blitzbilder trotzdem sehr natürlich aussehen, war für mich eine positive Überraschung. Ansonsten hat die Kamera alles, was man von Panasonic kennt und schätzt: Schnelle Serienbilder, Post Fokus und Focus Stacking in der Kamera, diverse Belichtungsreihenautomatiken, Mehrfachbelichtung, Zeitraffer und Stop-Motion-Videos. Die Steuerung über den Touchscreen und die Tasten funktioniert hervorragend. Wer durch den elektronischen Sucher schaut, kann sich den Touchscreen so einstellen, dass die Kamera nicht versehentlich mit der Nase gesteuert wird.

Wie immer gibt es tausenderlei Einstellungen und Konfigurationsmöglichkeiten. Neu - im Vergleich zu den Kameras, die ich bisher beschrieben hatte - ist Mein Menü, ein zusätzlicher Reiter, unter dem man sich bis zu 23 eigene Menüpunkte zusammenstellen und diese vorrangig anzeigen lassen kann. Das lohnt sich, weil man dann weniger in den komplexen Menüs herumzappen muss.
Panasonic hat generell in der Menüstruktur aufgeräumt. Im Individualmenü wurde eine Unterebene eingezogen und die verschiedenen Funktionen sind jetzt in logische Kategorien gegliedert. Umsteiger und erfahrene Fotografen dürften sich genau wie ich in dieser neuen Struktur besser zurechtfinden. Neueinsteiger ins Lumix-System und Foto-Anfänger brauchen anfangs ein bisschen Geduld und Übung. 

Ich habe mit der TZ202 wieder viele schöne Motive fotografieren können, ein paar davon möchte ich Ihnen hier zeigen.

Makro- und Nahaufnahmen
machen einfach Spaß, weil man ohne Extrazubehör ganz nah rankommt. Der Makro-Zoom ist dabei eine  ganz spannende Funktion, weil das Objektiv nicht ausgefahren wird. Er funktioniert nur mit dem JPEG-Format. Dieses Bild ist nicht im Studio sondern abends kurz nach Sonnenuntergang entstanden, deshalb ist der ISO-Wert ungewöhnlich hoch. Der Himmel war noch hell, es handelt sich um eine Gegenlichtsituation. Durch die Pluskorrektur wurde der zartblaue Himmel ganz weiß, die leicht überbelichtete Blüte erscheint zartrosa und transparent. Bei so einem Motiv ist es kein Problem, das Bildrauschen später in Lightroom zu korrigieren, auch wenn die Schärfe dabei etwas nachlässt.  
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90 mm | f5 | 1/30 s | ISO 1600 | +2



















Sattes Tele
Bei guten Lichtverhältnissen sind die Bilder auch mit dem iZoom (Digitalzoom) erfreulich gut, scharf und klar. Im Zoo wird es in den Tierhäusern eng mit der Belichtung, das gleiche gilt für eine Safari in der Dämmerung. Für die professionelle Tierfotografie ist die TZ202 nicht ausgelegt, aber wenn es hell ist kann man den gesamten Zoombereich ohne Reue ausschöpfen.

360 mm | f8 | 1/2500 s | ISO 125 | Spotmessung



















Blendenwirkung
Durch den 1" Sensor sieht man die Wirkung der offenen Blende (f3,3) im Bild, manchmal ist sie sogar sehr deutlich. Genaues Scharfstellen ist ein Muß, aber ganz einfach: Touchscreen antippen. Wenn man weiß wie es geht, bekommt man sogar einen effektvollen Sonnenstern ins Bild - auch ohne die Effektfilter aus dem sogenannten Kreativmodus. Man braucht nur den Modus A zur Vorwahl der Blendeneinstellung und darf nicht zoomen. In diesem Fall hat auch die leichte Streuung des Sonnenlichts durch den Spalt in der Skulptur zum Gelingen beigetragen.

24 mm | f8 | 1/1000 s | ISO 125 | unbearbeitet (!)



















Übung macht den Meister
Bei den Tier- und Actionfotos hatte ich zuvor  bemängelt, dass ein hoher ISO-Wert die Schärfe beeinträchtigt. Das heißt aber nicht, dass man mit der TZ202 gar keine tollen Tierfotos machen kann. Die größte Schwierigkeit besteht darin, schnell bewegte Motive im Blick und den Autofokusrahmen an der richtigen Stelle zu halten. Der AF-Rahmen Verfolgung, mit dem ich bisher nicht so viel anfangen konnte, war mir an der TZ202 eine große Hilfe.

360 mm | f6,4 | 1/3200s | ISO 3200 - Rauschen reduziert


















Der Abschied von der TZ202 wird mir erleichtert, weil in den nächsten Tagen schon die nächste Kamera bei mir eintrifft, über die ich schreiben werde. Dass es diesmal keine Lumix ist, habe ich selbst so gewollt. Nach vier Jahren Panasonic möchte ich mal wieder ein anderes System in Händen halten, damit ich im Kopf offen bleibe und besser vergleichen kann.




Das Handbuch zur TZ202 ist ab dem 28.9.2018 erhältlich, direkt beim Verlag auch als E-Book oder im sogenannten Bundle, also Buch + E-Book in Kombination zum vergünstigten Preis.

Sobald die Leseprobe verfügbar ist, ergänze ich den Link.

Was kommt als nächstes (Infos zur Lumix TZ202) hier im Blog.

Montag, 10. September 2018

Bildstabilisator sei Dank


Es gibt Momente, da rutscht mir das Herz in die Hose. Auf die Turmbesichtigung hatte ich mich sehr gefreut. Natürlich hatte ich auch den Warnhinweis gelesen und wusste, was auf mich zukommt: Schwindelfreiheit erforderlich


Es gibt Türme, die ich sehr gut erklimmen kann und es gibt die anderen. Das Treppenhaus ist meistens kein Problem. Ab da wo die Glocken hängen wird es schwieriger. Als ich dann aber die Türschwelle zum Rundum-Ausguck erblickte und dazu den vergleichsweise schmalen Balkon mit dem lapidaren Zäunchen vor dem gähnenden Abgrund war ich wie versteinert. Es gelang mir nicht mehr, der Dame hinter mir die Tür aufzuhalten. Mann, die war sauer... Mit dem Rücken an die orange Mauer gepresst starrte ich nur noch auf meinen Kameramonitor, nur um nicht nach unten schauen zu müssen. Schlotternde Knie, zitternde Hände und Schnappatmung... wie gut, dass der Bildstabilisator das alles aufgefangen hat. Gut auch, dass ich mit einem Psychologen verheiratet bin, der mir vor Ort einen Sofort-Crashkurs in Bauchatmung verpasst und mich nach zwei Minuten so weit beruhigt hatte, dass ich doch noch eine volle Runde um den Turm geschafft habe, immer hübsch mit dem Rücken an der Wand. 

Für dieses Motiv brauchte ich das 360 mm Zoom der TZ202, es war nur noch Blende 6,4 verfügbar. Dabei verlängert sich die Belichtungszeit und der ISO-Wert steigt. Bei trübem Wetter wäre das in meinem Zustand das Aus für eine halbwegs scharfe Aufnahme gewesen.



Nächstes Jahr steige ich wieder auf den orangen Turm und werde bis dahin jede Gelegenheit nutzen, mich per Bauchatmung an solche Ausblicke zu gewöhnen. Übung macht den Meister und die Fotos, die man von so weit oben machen kann, sind eine gute Motivation. Das mit der Tür kriege ich nächstes Jahr auch besser geregelt. Jetzt weiß ich ja, dass ich nicht sterbe, wenn ich da oben im Freien stehe...



Donnerstag, 6. September 2018

Warum fotografieren? (2/20)



„Die Kamera ist ein Instrument, 
das Menschen beibringt wie man ohne Kamera sieht.” 

Dorothea Lange

Montag, 3. September 2018

Die beste Kamera...

... ist immer die, die man dabei hat.

Wenn ich meinen Reisekoffer oder den Fotorucksack für eine Exkursion vorbereite, habe ich oft gute Vorsätze. Das große Stativ, die Vollformat-Spiegelreflexkamera und mindestens drei Wechselobjektive wären schon gut, es ist ja auch alles da. Ich müsste es nur einpacken. Trotzdem siegt die Bequemlichkeit, oder vielmehr meine pragmatische Grundeinstellung. Meine Freude am Fotografieren nimmt proportional mit den Nackenschmerzen ab, die ich bekomme, wenn ich das schwere Gepäck schleppen muss. Außerdem bin ich meistens mit dem Fahrrad unterwegs. Darum greife ich immer wieder zu den kleinen und leichten Kameras, obwohl ich weiß, dass ich bei den Bildergebnissen hier und da Abstriche machen muss.

Bei diesem Motiv hatte ich anfangs nur das Smartphone zur Hand. Damit habe ich lange nach dem richtigen Standort gesucht, um den Apfel genau an die gewünschte Stelle zu bekommen. Ich fragte mich, ob es mit einer "großen" Kamera einfacher gewesen wäre, darum kehrte ich etwas später noch einmal zurück. Die Abbildungseigenschaften von Smartphone und Bridgekamera (FZ1000) unterscheiden sich, aber prinzipiell war die gleiche Aufnahme mit beiden Geräten möglich.

Klick auf die Bilder für größere Ansicht

Das Licht sorgt für den größten sichtbaren Unterschied, weil die Sonne zwischen den beiden Aufnahmen weiter gewandert war. Allein durch die Beleuchtung entsteht eine größere räumliche Tiefenwirkung.

Ob man mit dem Handy oder mit einer größeren Kamera fotografiert, ist bei vielen Motiven egal. Man muss nur wissen bei welchen Motiven. Faustregel: Weitwinkelsituation, unbewegtes Motiv, einigermaßen helle Szene, ein Detail, flache Objekte >> Handy reicht.

Zoomen darf ich mit meinem Smartphone nicht, und das fällt mir oft schwer. Ich liebe die Flexibilität des 25 - 400 mm Zoomobjektivs an der FZ1000, bei der TZ 202 sind es auch immerhin 360 mm. Mein Handy liefert nur im Weitwinkelmodus optimale Bilder. Deshalb ist die Smartphone-Fotografie für mich eher eine weitere Spielart des Fotoprojekts "Nur eine Brennweite". Dass es wenig Einstellungsmöglichkeiten gibt, ist eine zusätzliche Herausforderung. Bewegte Motive kann ich vergessen, schwaches Licht und extreme Kontraste bewältigt das Handy nicht mal im Ansatz. Ich muss also immer sehr genau auf die Lichtverhältnisse achten, und mir die Motive bzw. die Perspektiven suchen, die ich mit dem Smartphone sicher fotografieren kann. Diese Einschränkungen zwingen mich genauer hinzuschauen und mich stärker auf die Gestaltung zu konzentrieren. Die Bilder werden genauso wie die RAW-Dateien aus anderen Kameras in die Lightroom Bibliothek aufgenommen. Trotz des JPEG-Formats lassen sie sich gut bearbeiten. Wichtig ist  nur, dass beim Fotografieren alles gepasst hat.



Anfangs hatte ich mit dem Smartphone große Probleme, weil mir das glatte Gerät ständig durch die Finger rutschen wollte. Dadurch habe ich beim Auslösen den Ausschnitt regelmäßig verrissen oder die Fotos wurden unscharf. Mit einer griffigen Hülle und unter Einsatz der Sprachsteuerung klappt es erheblich besser:  Die Worte "Klick" oder "Aufnahme" lösen die Smartphonekamera aus. Ich glaube man könnte sogar eigene Wörter dafür definieren, mir ist nur noch nichts Lustiges eingefallen. Unlängst habe ich mir sogar einen Selfie-Stick besorgt, der wartet aber noch auf seinen ersten Einsatz. Sie dürfen davon ausgehen, dass es kein Selfie sein wird. :-)

Dienstag, 28. August 2018

Warum fotografieren? (1/20)


„Ohne Fotografie ist der Moment für immer verloren,
so als ob es ihn nie gegeben hätte.”

Richard Avedon

Montag, 27. August 2018

Jubiläum: 10 Jahre Fotonanny Blog!



Wer hat an der Uhr gedreht? Am 27. August 2008 habe ich in diesem Blog meinen ersten Artikel gepostet. So richtig ernst genommen habe ich das Bloggen anfangs nicht, außerdem war Twitter mit seinen kurzen und knackigen Botschaften gerade voll im Trend. Im Netz gibt es dauernd irgendwelche Trends und ich wusste noch nicht so genau, ob es sich lohnen würde, von einer statischen Webseite auf einen Blog umzusatteln. Aktuell verbringen wohl die meisten Menschen mehr Zeit mit dem Lesen und Schreiben von Kurznachrichten per Whatsapp oder treiben sich eher auf Instagram herum. Es gibt so viele Möglichkeiten...

Für mich war Bücher schreiben immer das Maß der Dinge und ist es bis heute geblieben. Eine Herausforderung ist die immer kürzer werdende Aufmerksamkeitsspanne der Leser. Wissen muss häppchenweise serviert werden, weil die meisten Menschen wenig Zeit und noch weniger Ruhe haben, um das Gelesene zu verdauen. Die Interaktivität und das schnelle Tempo von Whatsapp und sozialen Medien verursachen im Gehirn der Nutzer die Ausschüttung von Botenstoffen, die das Belohnungszentrum aktivieren. Wer ein Buch oder einen längeren Text liest, bekommt diesen Kick nicht so schnell und nicht so oft. Für das Buch Fotografieren! haben wir deshalb ein neues didaktisches Konzept angewendet, das dieser Entwicklung Rechnung trägt.

Fotonanny im Aufwärtstrend
Der Fotonanny-Blog ist im Lauf der Zeit zu einer sinnvollen Ergänzung meiner Buchveröffentlichtungen geworden, wie die Zugriffszahlen deutlich zeigen. Hier im Blog kann ich Themen vertiefen oder Fragen aus Kursen und Leserzuschriften aufgreifen. Auch in meinem (Arbeits)Alltag tauchen Themen auf, von denen ich glaube, dass sie für andere interessant sein können. Ob das wirklich stimmt versuche ich durch einen Blick auf die Zugriffsstatistiken herauszufinden.

Abgesehen von den Amazon Links ist mein Blog frei von gesponserter Werbung oder AdWords. Trotz anderslautender Empfehlungen nutze ich auch kein Google Analytics sondern nur die einfachen Statistiken, die Blogger (Google) mitliefert.

Erfreulicher Aufwärtstrend

Während ich Bücher schreibe und meine Abgabetermine im Auge behalten muss, bleibt nicht immer genug Zeit für regelmäßige Blogbeiträge. Entsprechend zackig sehen die Zugriffszahlen aus. Je mehr Posts ich veröffentliche desto besser, sagt die Statistik.


35 bis 55 Beiträge pro Jahr sind nicht gerade viel, aber mir ist der Inhalt wichtiger als die reine Anzahl von Beiträgen. Was die Leserinnen und Leser offensichtlich am meisten interessiert, sind Artikel zu Kameras. Das ist nicht verwunderlich, schließlich habe ich in den letzten fünf Jahren sechs Kamerahandbücher veröffentlicht, das siebte zur Lumix TZ202 ist gerade auf dem Weg in die Druckerei. Anfang September erscheint die nächste Kamera, über die ich schreiben werde. Diesmal ist es keine Lumix, so viel kann ich schon verraten.

Was Sie sehen und wie Sie es als Foto umsetzen
ist ein Ausdruck Ihrer Kreativität, die Technik
ist dabei "nur" ein Werkzeug.
Mein Interesse an der Fotografie ist so groß wie eh und je, auch wenn ich mittlerweile weniger Kurse halte und nicht mehr als freiberufliche Fotografin arbeite. Im Gegensatz zu früher interessieren mich die technischen Entwicklungen, die das "Malen mit Licht" in den letzten zehn Jahren stark verändert haben und noch weiter verändern werden. Altgediente Fotografen mögen mir da widersprechen, das hätte ich vor fünf Jahren auch noch getan. Damals hatte ich die Bedienungsanleitungen bestenfalls überflogen und meine digitalen Kameras fast genauso benutzt wie ihre analogen Vorgänger. Belichtungszeit, Blende, ISO-Wert, ein gutes Motiv und Bildgestaltung - das reicht.



Puristen brauchen tatsächlich nicht viel mehr. Trotzdem müssen wir manchmal über siebenundzwanzig Kombinationsmöglichkeiten der Autofokussteuerung sprechen oder uns in seitenlangen Kameramenüführungen zurechtfinden.

Braucht man noch Bücher über Fotografie?
Für die einen mag es kulturpessimistisch klingen, für die anderen wie wunderbare Zukunftsmusik: Wir werden eine Zeit erleben, in der wir an der Kamera gar nichts mehr einstellen müssen. Die KI-gestützten smarten Kameras werden sofort wissen, was für ein Bild wir machen wollen und eine automatische Bildkorrektur erledigt den Rest. Schon jetzt sind die sogenannten intelligenten Automatiken besser als ihr Ruf und die Bildbearbeitungssoftware wird immer besser. 

Beim Übergang von der analogen zur digitalen Fotografie konnte ich mit meinen Texten und Büchern zu einem besseren Verständnis beitragen. Aktuell sehe ich meine Aufgabe darin, die komplexen Bedienmechanismen digitaler Kameras und die fotografischen Grundlagen so zu erklären, dass jeder Laie sie versteht und praktisch anwenden kann. Darüber hinaus wird es mir immer ein Anliegen bleiben, ein paar Gedanken zur Fotografie aufzuschreiben.

"Richtig fotografieren" mit angepassten Kameraeinstellungen wird nicht aus der Mode kommen. Es wird weniger Leute geben, die sich dafür interessieren, aber wie bei den Schallplatten wird die klassische Art des Fotografierens ihren Stellenwert behalten. Die Malerei ist auch nicht verschwunden, nur weil Foto, Film und Fernsehen dazugekommen sind. Vielleicht bringt uns gerade die moderne Technik dazu, mehr ungewöhnliche Motive zu sehen und Bilder unkonventionell zu gestalten?

Was immer die Zukunft bringen mag: Ich bin neugierig auf die weiteren Entwicklungen und freue mich, wenn ich dabei Ihr Interesse wecken kann.

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Wenn Sie neue Beiträge automatisch per E-Mail erhalten wollen können Sie in der rechten Navigationsspalte Ihre Mailadresse eintragen. Das Eingabefeld dazu finden Sie über dem Foto mit der roten Chili.


Freitag, 24. August 2018

TV-Tipps für September

Hier sind die neuen Sendetermine, weitere Tipps zu Kunst & Kultur sowie Links zu den Mediatheken.

Für Fotografen sind diesmal zwei hochkarätige Dokumentarfilme im Programm: Finding Vivian Maier erzählt die unglaubliche Geschichte der geheimnisvollen Unbekannten, die zu einer der bekanntesten Straßenfotografinnen des 20.
Jahrhunderts wurde. Das Salz der Erde präsentiert Leben und Arbeit des weltberühmten Fotografen Sebastião Salgado.


Auch bei den anderen Themen lohnt es sich mal reinzuschauen.

Nur noch drei Tage: In der Schalterhalle des Münchner Hauptbahnhofs gibt es noch bis zum 27.8. die Fotografien des Wettbewerbs für Pressefotografie „World Press Photo 2018“ zu sehen.


Mittwoch, 22. August 2018

Alarmstufe Rot

Wer meinen Blog schon lange liest weiß, dass mich das Thema analoge Fotos digitalisieren seit langem umtreibt. Ich habe schon als Kind fotografiert. Obwohl ich immer wieder ausgemistet und viel entsorgt habe, sind im Lauf der Jahre hunderte von Fotoabzügen zusammengekommen.

1985 - 9x13 Fotoabzug gescannt und digital aufbereitet

Manche Fotos hatte ich gar nicht selbst gemacht, folglich sind die verbliebenen Fotoabzüge die einzigen Originale. Anfangs habe ich alles in Alben geklebt, aber nach ein paar Jahren waren die Regale voll. Meine Fotos landeten in schönen Kartons, weil sie dort platzsparender unterzubringen waren. Dias kamen auch dazu, hauptsächlich von den Reisen, die ich gemacht hatte. Die Digitalfotografie hat mein Platzproblem schließlich gelöst.

Meine digitalen Fotos schaue ich mir sehr oft an, die Fotoabzüge und Fotobücher etwas seltener. Vor allem die Dias haben es schwer. Um sie anzuschauen müsste ich jedes Mal einen alten Projektor aus dem Keller holen und die Dias vor der Projektion entstauben... sinnlos!

Alles digital verfügbar machen war deshalb immer der Plan, doch er scheiterte stets an dem einen Gedanken: Das kann ich ja irgendwann später auch noch machen, wenn ich denn mal Zeit dafür habe. Das nennt man Aufschieberitis. Dieses Versäumnis trifft mich in diesen Tagen wie ein Bumerang.

Rote Flecken auf dem Abzug - ein Warnsignal!
Klick aufs Bild für vergrößerte Ansicht.
Höchste Eisenbahn!
Gerade erleben wir einen sehr heißen Sommer. In München war es nicht nur heiß sondern auch immer wieder sehr feucht. Dias, Negative und Fotos müssen in einer gut klimatisierten Umgebung aufbewahrt werden... Mehr muss ich dazu nicht sagen. Aus Platzgründen hatte ich ein paar Kartons mit Fotos im Keller gelagert. Als ich sie heraufholte und öffnete, machte mir schon der Chemiegeruch klar, dass ich keine Zeit mehr habe zu warten. 




Ich mag zwar diesen rauen Charme von nachträglich aufgesetzten Kratzern und "Störungen", die man mit Analog Effex auf digitale Bilder legen kann, aber ich mag es definitiv nicht, wenn analoge Originale unwiederbringlich vergammeln. Es heißt zwar immer, dass digitale Daten auf Dauer weniger sicher seien als analoge Originale, aber da kann man sich gewaltig täuschen. Viele Fotos und Dias verlieren erst ihre Brillanz, dann geht die Farbe ganz raus. Kratzer und Staub machen die Motive auch nicht schöner. Wenn chemische Prozesse an den Originalen nagen wird es höchste Zeit aktiv zu werden.


Lohnt sich das überhaupt?
Angesichts großer analoger Bildbestände fragt man sich schon, ob sich die Mühe wirklich lohnt, die ganzen alten Bilder noch einmal anzufassen, oder ob man sie nicht lieber gleich - am besten unbesehen - in die Mülltonne werfen sollte. Aber warum hat man sie dann alle gemacht? Man verliert viele Erinnerungen und zudem weckt jedes Foto Assoziationen. Als ich meiner 80jährigen Mutter einen Stapel Fotos reichte, nachdem ich die Motive eingescannt hatte, war sie tagelang mit "den guten alten Zeiten" beschäftigt. Wir haben viel gelacht und uns Geschichten "von damals" erzählt.

Maßnahmenplan
Jetzt plane ich jeden Tag eine Extrastunde ein, setze mich an den Scanner und digitalisiere selbst. Der Diascanner braucht für ein Magazin mit 50 Dias etwa vier Stunden. Meine Aufmerksamkeit wird nur benötigt, wenn ich ihn starte, den Rest erledigt er allein. 
Etwas aufwändiger sind die Fotoabzüge, die ich auf den Flachbettscanner legen und einzeln scannen muss. Jeden Tag eine Handvoll lautet die Devise. Mit dieser Häppchen-Strategie komme ich ganz gut voran. Erfolgserlebnisse sind dabei besonders wichtig: Die Bearbeitung der gescannten Bilder wird noch einmal Zeit in Anspruch nehmen. Hier wartet die nächste Runde der Aufschieberitis, aber auch hier funktioniert die Häppchen-Methode. Wenn die Bilder erst einmal auf dem Computer sind, picke ich mir immer wieder eins der alten Motive heraus und bereite es auf. Das steigert die Motivation weiter. Jetzt bin ich sehr zuversichtlich, dass meine analogen Bilder in absehbarer Zeit nicht nur digital vorliegen, sondern dass einige davon auch in einer digital erneuerten Version hergezeigt werden können.


Was mich am meisten freut ist der Platz, den ich durch das Digitalisieren schaffe. Auf das Volumen von etwa acht Umzugskartons verzichte ich nur zu gerne! Wenn ich mit dem Scannen fertig bin, passen alle Fotos - hochauflösend -  auf handliche externe Festplatten und ich kann sie überallhin mitnehmen. Verkleinerte Versionen können auch in der Cloud gelagert werden.

Wenn Sie auch noch analoge Schätze haben und unter Aufschieberitis leiden: Warten Sie nicht bis es zu spät ist. Rechnen Sie aus, ob es sich für Sie lohnt, für das Digitalisieren einen professionellen Dienstleister zu beauftragen. Wenn Sie beim Blick auf die Gesamtsumme zusammenzucken, dann überlegen Sie sich, welche Häppchen-Methode für Sie in Frage kommt. Eine halbe oder eine Viertelstunde am Tag ist auch ein guter Anfang.

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Das digitale Vermächtnis (2015)