Dienstag, 9. August 2011

Neue Kamera?

Kommt sie und wenn ja: wann? 
Wie wird sie ausgestattet sein? 
Werde ich sie mir leisten können?

Diese und ähnliche Fragen stellen sich tagtäglich viele Hobbyfotografen. In Foren und Blogs, auf facebook und bei Fototreffen kann man immer wieder die gleichen Diskussionen verfolgen. Jemand sucht ein Nachfolge-Modell für seine bereits vorhandene Digitalkamera. In Fotozeitschriften hat man was gelesen und aus Fotofachkreisen hat man gehört, dass da demnächst wieder etwas ganz Neues und Tolles auf den Markt kommen soll. Aber wann genau? Lohnt es sich zu warten? Oder soll man doch das nehmen, wovon andere schon seit zwei Jahren schwärmen? Mit dem Hin- und Herwälzen von solchen Gedanken kann man viel Zeit verschwenden.



Viel interessanter ist deshalb die Frage: WARUM will ich mir eine neue Kamera kaufen? Die erste Antwort darauf wird vermutlich lauten: um bessere (die besten) Bilder zu bekommen.

Aber was genau bedeutet "bessere Bilder"?
  • Bedeutet es, dass die Kamera einen schnellere Bildfolge in der Serienbildschaltung liefert, weil ich Sport- oder Tierfotograf bin? 
  • Bedeutet es, dass sie weniger Bildrauschen erzeugen sollte, weil ich oft ohne Stativ in der Dämmerung fotografiere?
  • Bedeutet es, dass der Autofokus der neuen Kamera genauer trifft?
  • Brauche ich eine höhere Auflösung, weil ich neuerdings immer A0-Plakate von meinen Dateien erzeugen muss, und das alte Modell diese Formate nicht hergibt?
  • ...
Es gibt viele Gründe, warum man mit der einen oder anderen älteren Kamera vielleicht nicht mehr ganz glücklich ist. Als Besitzer von nicht weniger als fünf Kameragehäusen weiß ich aber auch, dass sich noch kein neues Modell als eierlegende Wollmilchsau entpuppt hat. Es wird nicht alles besser, sondern manches Gute, was man an der alten Kamera geschätzt hat, wurde beim neuen Modell wegrationalisiert oder verschlimmbessert. So muss ich mittlerweile je nach Aufgabe und vorhandenem Zubehör immer neu entscheiden, welche Kamera-Objektivkombination ich mitnehme, wenn ich diese oder jene Aufgabe erfüllen muss. Punktsieg für die Industrie, die mal wieder ordentlich viel Umsatz macht, weil der Batteriegriff des alten Modells mit dem neuen Kameragehäuse nicht zusammenpasst, oder das sauteure alte Blitzgerät nicht versteht, was die neue Kamera spricht. Willkommen im Teufelskreis.

Genau wie bei Computern ist es heutzutage irgendwann nötig, ein älteres Kameramodell zu ersetzen. Ob man das schon nach drei Jahren oder erst nach fünf oder sieben Jahren tut, ist nicht selten eine Frage des Geldbeutels. Trotzdem führt die ganze Diskussion am Wesentlichen vorbei, und das ist und bleibt die Frage nach den Bildern.

Während meines Umzugs bin ich über eine Ausgabe der Photo News von 1996 gestolpert. Ich hatte sie aufgehoben, weil tolle Schwarzweißfotos darin abgedruckt waren. Als ich dann die photokina-Neuigkeiten von vor 15 Jahren überflog, musste ich lachen. Technik von gestern, 100% analog. Das einzige, was über die Jahre also wirklich Bestand hat, sind interessante Fotos. Auch wenn es manchen schmerzen mag: nach zehn Jahren fragt keiner mehr, ob der Fotograf eine Himpsidimpsi x2 oder eine Wullidulli Tralabims benutzt hat. Sicher mag so mancher nun argumentieren, dass man ein tolles Foto  nur mit der tollsten, d.h. aktuellsten Technik in den Kasten bekommt. Was zu beweisen wäre, und was natürlich auch vom Genre/den bevorzugten Motiven abhängt. Ich würde es so formulieren: Je besser der Fotograf, desto besser sollte auch die Kamera sein. Erst in den Händen eines guten und erfahrenen Fotografen kann man den Unterschied in den Bildern wirklich sehen.

Und so ist es immer gut, wenn wir unabhängig von jeder Technik unsere Fähigkeiten als Fotograf/in weiter entwickeln.

Bessere Bilder bekomme ich, 
  • wenn ich erkenne, wo ich Fehler mache (oder schlampig arbeite), und wenn ich diese Fehler konsequent abstelle
  • wenn ich erkenne, wo mir Fachwissen fehlt und ich mir dieses Wissen aneigne, 
  • wenn ich erkenne, wo mir die Erfahrung für bestimmte Aufnahmesituationen fehlt, und ich diese Erfahrung durch gezieltes Training sammle,
  • wenn ich mir Gedanken über Bildinhalte mache, und 
  • wenn ich mich mit Bildideen beschäftige, und nicht zuletzt mit dem Licht.
Die Anekdote von Helmut Newton und dem Koch kennt wohl jeder. Koch: „Sie müssen eine tolle Kamera haben, Ihre Bilder sind fantastisch!“ Newton: „Oh, und Sie müssen tolle Töpfe haben, Ihr Essen schmeckt wirklich vorzüglich!“

Es sind nicht nur die Töpfe, sondern eben auch die Zutaten (Licht, Motiv, Bildausschnitt, ...), und die Erfahrung und Persönlichkeit des Fotografen, die zum Gesamtergebnis beitragen. Und die sind weder für 500 noch für 3500 EUR käuflich zu erwerben...


1 Kommentar:

  1. Sehr gut geschrieben!
    Und es stimmt, letztendlich macht ja derjenige die Bilder, der hinter der Kamera steht. (;

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