Freitag, 13. November 2015

Wer ist eigentlich ... Günter Spitzing

Als ich neulich meine große Sammlung an Fotofachliteratur aus über dreißig Jahren durchforstet habe, fiel mir „Moderne Diafotografie“ von Günter Spitzing in die Hände. Du meine Güte, dachte ich, brauche ich das noch? Bei Fachbüchern achtet man vor allem auf das Thema und den Inhalt. Wenn ein Buch nicht mehr aktuell ist, landet es im Altpapier. Wer ein Fachbuch geschrieben hat, ist meistens nicht so relevant – Hauptsache man bekommt die gesuchten Informationen. Trotzdem habe ich gezögert, dieses Buch einfach zu entsorgen. Mir war der Name Spitzing viele Jahre ein Begriff, seine Bücher standen direkt neben denen von Hedgecoe und Feininger.

Mehrere Jahrzehnte lang war Günter Spitzing einer der angesagten deutschen Fotobuchautoren und ich habe einiges von ihm gelesen. 1965 – also vor fünfzig Jahren! – ist sein erstes Fachbuch erschienen. Zwischen 1965 und 1985 hat Günter Spitzing beinahe jährlich ein neues Buch veröffentlicht – 1968 sogar vier in einem Jahr. Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Was die wenigsten wissen: Es gibt niemanden im deutschsprachigen Raum, der sich so früh und so intensiv mit dem Thema Fotopsychologie beschäftigt hat wie er!

Ich selbst schreibe nun auch seit mehreren Jahren Fachbücher, in gewisser Weise bin ich in Günter Spitzings Fußstapfen getreten. Als ich bei Amazon über ein Buch mit dem Titel „Das indonesische Schattenspiel“ in Spitzings Bibliographie stolperte, war ich erst einmal überrascht und ahnte, dass er ein Thema gefunden haben musste, das ihn mindestens genauso begeistert, wie die Fotografie.
 

Mein eigener Berührungspunkt zur asiatischen Kultur besteht im Zen-Buddhismus, an dem ich vor allem eines schätze: es gibt keine Doktrin, sondern nur die Aufforderung, das Leben im Hier und Jetzt selbst zu erfahren. Bei so vielen offensichtlichen Parallelen fing ich an, genauer nachzuforschen. Wie alt ist Günter Spitzing inzwischen, wie geht es ihm, was macht er heute? 

Google und XING sei Dank: Ich habe ihn gefunden. Er ist 84 Jahre jung, lebt in Hamburg und er schreibt immer noch Bücher! Darüber hinaus reist er jedes Jahr nach Asien, hält Vorträge zu verschiedenen Themen und beschäftigt sich sehr intensiv mit dem Zustand unserer Welt.

Kurzerhand habe ich ihn kontaktiert. Es folgte ein sehr aufschlussreicher Mailaustausch und Günter Spitzing hat sich netterweise zu einem Interview bereit erklärt. Im Hinblick auf die Aufmerksamkeitsspanne des durchschnittlichen Internetlesers werde ich dieses Interview in mehreren Häppchen servieren und auch künftig die neue Rubrik Interview mit Leben füllen.

Los geht es mit einem Dialog zwischen zwei Fachbuchautoren aus zwei Generationen, die nicht nur die Fotografie gemeinsam haben: Wir schauen beide gerne über den Tellerrand hinaus und wir machen uns Gedanken darüber, ob und wie unsere Welt und das Leben im Allgemeinen vielleicht doch noch besser werden könnte.

Was Günter Spitzing angeht: Er redet bzw. schreibt nicht nur, er handelt. Wer jetzt sofort mehr erfahren möchte, findet hier weiterführende Informationen.

2 Kommentare:

  1. Zu diesem Namen gehört auch WINDISCH, der mich gleich nach dem Krieg in meine Fotofußstapsen stieß und meine Kenntnisse erheblich aufwertete. Fotografiere seit "Kindesbeinen" (1945) an und immer noch leidenschaftlich. Gestern bekam ich das vorbestellte GX80-Buch. Im Vergleich zum "Späth" eingängiger formuliert. Auch das FZ1000-Buch von Ihnen besitze ich. So etwas gehört ja auch zum GALILEO-Programm!

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  2. Vielen Dank!
    Der Name "Windisch" war mir nicht mehr geläufig, darum habe ich einmal danach gesucht und bin bei Amazon tatsächlich fündig geworden. Ich empfehle einen Blick in die abfotografierten Seiten, v.a. das Inhaltsverzeichnis :-)
    https://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B003VO0VJW/betrachtenswe-21

    Hans Windisch (*1891 +1965) hat in der gleichen Zeit gelebt, wie mein Großvater.

    Ein anderer Leser hatte mir noch den Namen "Otto Croy" zugeschickt - "Hunderterlei Fotokniffe" aus dem Jahr 1936...
    Im Februar 2004 hat die Österreichische Nationalbibliothek den fotografischen Nachlass von Otto Croÿ erworben.

    Unser fotografischer Nachlass wird womöglich von Google Inc. archiviert ;-)

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