Mittwoch, 9. März 2016

Everything seemed to fit so well

Vor etwa drei Monaten hatte ich im Artikel Das digitale Vermächtnis angekündigt, dass ich meine analogen Bildbestände nun endlich digitalisieren wollte. Ja, ich bin jetzt ernsthaft dabei!

1994 gab es eine Phase, in der ich mich an Büroklammern abgearbeitet habe. Damals war ich in meinem Bürojob ein wenig (räusper) ... nennen wir es "gelangweilt" ;-)





















"Everything seemed to fit so well" (Alles schien so gut zu passen) ist kein Foto. Das Motiv stammt aus einem Fotokopierer, an dem ich Stunden verbringen musste, um papierne Exportdokumente in x-facher Ausfertigung herzustellen. Wartezeit sinnvoll nutzen, lautete meine Devise. Die Büroklammern habe ich mit Tesafilm auf einem Papier fixiert, sonst hätte ich es nicht auf den Kopierer legen können. Der türkisfarbene Hintergrund war eine Abfallseite, die jemand im Kopierraum in den Papierkorb geworfen hatte. Auf der leeren Rückseite ließ sie sich aber wunderbar mit dem Büroklammermotiv recyceln. Streng genommen ist das hier nicht mal eine Fotografik sondern... tja, ich weiß nicht, ob es dafür einen eigenen Begriff gibt. Ich zeige dieses Motiv hier im Blog, weil ich es sehr inspirierend finde, die Grenzen der klassischen Fotografie zu überschreiten.

Diese Reproduktion ist grottenschlecht: Ich hatte das Blatt vor Jahren aus der Hand auf Negativfilm abfotografiert, dadurch ist das Motiv in meinem Fotoarchiv gelandet. Den Abzug habe ich letzte Woche schließlich in den Scanner gelegt. Bei jedem dieser Vorgänge verschlechtert sich die Abbildungsqualität (Negativ > Abzug > Scan). Das Originalwerk (A4) gibt es aber noch. Es ruht in einem der Umzugskartons, in die ich mich nach und nach vortasten werde. Weil das Motiv gerade so gut zu aktuellen Ereignissen in meinem Leben passt, hänge ich es mir vielleicht eine Weile an die Wand.

Dieses Foto mit den Büroklammern auf schwarzem Karton greift das Thema noch einmal auf - es ist ein paar Tage später Zuhause entstanden; fotografiert auf Diafilm, ISO 100; Abzug mit Flachbettscanner im TIF-Dateiformat digitalisiert. 


1994: Being different (Anders sein)















Die bläuliche Farbe der Klammern ist im Original nicht ganz so stark, aber bereits vorhanden. Der Diafilm war für Tageslicht (d.h. Sonne) ausgelegt. Ohne Filter vor dem Objektiv ergab sich immer eine leichte Farbverschiebung, wenn man wie hier im Schatten fotografierte. Heute regelt der Weißabgleich solche Farbstiche in der Kamera. Mit Bearbeitungsprogrammen kann man entsprechend korrigieren oder so einen Effekt feinsteuern. Bei RAW-Dateien geht das am besten, aber es klappt auch bei eingescannten Bildern.

Falls Sie nun auch Lust bekommen haben, alte analoge Motive zu scannen, wählen Sie das TIF-Format, es lässt sich besser bearbeiten. Die mögliche Auflösung hängt vom verfügbaren Scanner ab. Sie sollte so hoch sein, dass Sie Ihr bearbeitetes Motiv später wieder drucken oder ausbelichten lassen können, aber die Scanzeit verlängert sich bei maximaler Auflösung drastisch. Dateien mit 50 MB oder mehr sind möglich, aber auch auf schnellen Computern schwer zu handhaben, darum ist ein Mittelweg sinnvoll. Ich orientiere mich bei der Auflösung am Motiv: Reine Erinnerungsbilder müssen später nicht an die Wand, dort reicht ein Abzug bis 13x18 oder 20x30 cm (~5 Megapixel). Wichtige Motive scanne ich mit einer höheren Auflösung (~20 Megapixel). Kritisch sind die wirklich wertvollen Motive. Original entsorgen? Schwere Entscheidung...

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