Mittwoch, 8. Januar 2020

Das dritte Bild


Nein, diese Landschaft gibt es nicht "in echt". Dieses Bild ist eines von vielen Nebenprodukten, die am Rande meines unendlich langwierigen Digitalisierungsprojekts entstehen. Es ist ein "Sandwich" aus zwei Diapositiven, die ich zusammen in ein Diarähmchen gesteckt, und dann als Einzelbild gescannt habe. Anschließend habe ich die TIFF-Datei in Photoshop und Lightroom optimiert.

So einen kreativen Unfug mache ich nicht zum ersten Mal. Die Anfänge reichen weit zurück in die 1990er Jahre. 

Diese beiden Bäume hatte ich mit einem Orange-Verlauffilter fotografiert und die Objektivlinse auch noch für einen partiellen Nebel-Effekt angehaucht. Zwei dieser Bilder gekontert in einem Rahmen ergibt das hier:


Dieses Dia trug ich damals ins Fotogeschäft meines Vertrauens und ließ einen Abzug machen. Meine Fotoclubkollegen waren entsetzt über meine kitschigen Spielereien. Igitt. Heute können Sie solche Motive natürlich digital erstellen oder vielleicht mit irgendeiner App auf dem Smartphone erzeugen. An knallige Farben haben wir uns mittlerweile gewöhnt. 😎

Das dritte Bild: Überblendtechnik
Während ich immer noch alte Dias einscanne und anschließend aus ihren Rähmchen entferne, fallen mir immer wieder Bildmotive in die Hände, die sich gut für solche "Sandwiches" eignen. Meist stecken die Kandidaten direkt hintereinander im Magazin. Für eine gute Diashow war es immer wichtig, die Bildmotive so zu sortieren, das man beim Übergang von einem Foto zum nächsten ein drittes Bild erkennen konnte. Billige Diaprojektoren konnten die Motive nicht überblenden, es gab nur eine Dunkelphase zwischen den einzelnen Bildern. Das war schlecht, weil der ständige Wechsel zwischen Hell und Dunkel für die Zuschauer sehr anstrengend war, und die Leute schnell müde wurden. Darum hatten wir im Fotoclub einen Überblend-Projektor, der sich zwei Dias gleichzeitig holen und nacheinander mit Überblendung projizieren konnte. Bei guten Bildern mit interessanten Übergängen schlafen die Zuschauer nicht so schnell ein. 😏

Wenn Sie heute in Lightroom oder in anderen Programmen eine Bilderschau aus Ihren Digitalmotiven zusammenstellen, können Sie die Dauer und Intensität der Übergänge oder Überblendungen ebenfalls einstellen. Wählen Sie für Ihre Präsentation nicht einfach eine chronologische Bildreihenfolge. Suchen Sie nach Motiven, die gut miteinander funktionieren. Der Effekt des dritten Bilds ist für den Zuschauer immer verblüffend, erhöht die Aufmerksamkeit und trägt zur Spannung bei. Wenn es Ihnen Spaß macht, können Sie aus passenden Bildpaaren eigene digitale Sandwich-Dateien machen.

Nordlichter? Nein.
Es sind Lichtspuren aus einem Autobahntunnel, kombiniert mit einem Landschaftsfoto.





Digital oder analog - was ist einfacher?
Anfangs hatte ich darauf spekuliert, meine alten Motive einfach in Photoshop miteinander zu kombinieren, um mir das mühsame Gefummel mit den Diarähmchen und den extra Scanvorgang zu sparen. Ganz so einfach ist es nicht. Wenn man zwei digitale Bildebenen mit 50% Deckkraft miteinander verrechnen lässt, entsteht nicht die gleiche plastische Wirkung wie im Scanner. Je nach Motiv muss man in Photoshop (o.a.) unterschiedliche "Mischmodus"-Einstellungen ausprobieren oder lokale Anpassungen mit Pinseln vornehmen. Manchmal hilft es auch, die Deckkraft zu variieren oder die obere und die untere Bildebene zu vertauschen.

Um analoge Sandwiches zu erstellen, brauchen Sie natürlich einen Diascanner und Rähmchen, in denen man zwei Filmebenen gleichzeitig fixieren kann. Wenn diese zwei Dias dann plan aufeinander liegen, entstehen beim Projizieren bzw. Scannen Moiré-Effekte. Man sieht auch Fingertapser, Staub und Kratzer. Das ist gewöhnungsbedürftig und immer eine Frage des Geschmacks. Mit dem Programm Analog Effex Pro habe ich schon oft digitale Motive alt aussehen lassen, ich mag diesen Retro-Effekt. Hier bekomme ich ihn direkt aus dem Scanner. Trotzdem passt er nicht für alle Motive gleich gut, darum braucht man auch Geduld und Zeit fürs Retuschieren. Zwölf Sandwiches im Jahr sind eine gute Ausbeute... 😅



Vielleicht haben Sie das alte (Dia-)Archiv von Ihren Eltern oder Großeltern geerbt und wissen nicht, was Sie damit anfangen sollen? Öffnen Sie die Schatztruhe. Probieren Sie neue Kombinationen aus, experimentieren Sie, verbinden Sie die digitale Gegenwart mit der analogen Vergangenheit. So entstehen mitunter surreale, auf jeden Fall aber einzigartige Kombinationen.

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