Mittwoch, 1. Januar 2020

Warum fotografieren? (6/20)



Der Fotograf Paul Strand (1890 - 1976) ist lange vor der Einführung der Digitalfotografie gestorben, aber zu seinen Lebzeiten war Fotografieren bereits ein Massenphänomen. In einem Zitat kann man lesen, was er von der Unterscheidung zwischen professioneller und Amateurfotografie hält: Nichts. Für ihn ist es einer der "populärsten Irrtümer in Sachen Fotografie", schlechte Fotos mit dem Begriff "Amateur" zu verbinden. Damit hatte er absolut recht: Es gibt zahllose Amateure, die fotografieren können wie die Profis und die gleiche Ausrüstung benutzen.


Den Ausdruck amateurhaft verwenden wir ganz gerne, wenn sich jemand ungeschickt anstellt oder ein suboptimales Ergebnis abliefert. Dabei bedeutete Amateur ursprünglich nur, dass jemand etwas aus Liebe zur Sache tut. An der Bedeutungsverschiebung des Begriffs werden wir nichts ändern können, die eher abwertende Sichtweise hat sich eingeschlifffen. Die Bezeichnung "Profi" bleibt positiv besetzt. Wenn wir sagen, dass sich jemand professionell verhält, drücken wir damit unseren Respekt aus.

Der Amateur macht es aus Liebe - der Profi nimmt Geld
Diese Unterscheidung ist heute besonders wichtig, denn ein Amateur - eine Privatperson - darf beispielsweise jederzeit in der U-Bahn fotografieren. Der Profi braucht eine (kostenpflichtige) Genehmigung. In diesem Kontext ist es besser, Amateur zu sein und zu bleiben.

Wer die Fotografie heutzutage noch zum Beruf macht, tut es sicher nicht aus materiellen Gründen. Die meisten professionellen Fotografen, die ich kenne, sind im Herzen Amateure und formaljuristisch Profis, weil sie Geld mit ihren Aufträgen verdienen. Sie machen deswegen nicht automatisch bessere Fotos. Viele "Amateure" haben genauso viel Erfahrung wie gestandene Profis.

In einem gut bezahlten Job können Sie sich mit Ihrem Gehalt ein schönes Studio einrichten oder im Urlaub die tollsten Gegenden der Welt fotografieren. Das Problem ist dabei nur, dass Sie für Ihr schönes Hobby meist nicht genug Zeit haben. Den Job kündigen und Fotoprofi werden? Wenn das Ihr Traum ist und wenn dieser Gedanke Sie einfach nicht mehr loslässt, fragen Sie sich, warum Sie das tun wollen. Schöne Fotos können Sie als Amateur jederzeit machen. Lob und Anerkennung gibt es woanders auch. Um Kunstwerke zu schaffen oder um berühmt zu werden, muss man genausowenig Profi sein. Man braucht einfach nur den Elan, die eigenen Lebensumstände so umzugestalten, dass man genug Zeit für die Dinge hat, die man von Herzen gerne tut. In meinem Fall ist es das Schreiben, und das werde ich auch 2020 wieder tun. Hier im Blog und anderswo.

Guten Start ins Neue Jahr!

1 Kommentar:

  1. Ein wirklich schöner Beitrag der mir aus dem Herzen spricht!!!
    Danke dafür.
    LG Andrea

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