Freitag, 25. November 2011

Gute Kamera macht gute Fotos


Es ist schon ein paar Tage her, da flatterte mir eine Nachricht in die Mailbox. Sie enthielt folgenden Text:

Hallo, ich habe nur eine frage: ich wollte nur wissen welche Kamera sie haben weil sie gute Fotos macht.

Echt? ;-)
Die Frage verrät natürlich eine ganze Menge über den oder die FragestellerIn. Wer sich schon eine Weile mit dem Fotografieren beschäftigt hat, würde so eine Frage gar nicht stellen. Allzu bekannt ist die Anekdote von Helmut Newton und dem Koch, die in solchen Fällen stets zitiert wird. Falls jemand sie noch nicht kennt:

Koch: „Sie müssen eine tolle Kamera haben, Ihre Bilder sind fantastisch!“
Newton: „Oh, und Sie müssen tolle Töpfe haben, Ihr Essen schmeckt wirklich vorzüglich!“

Trotzdem habe ich ganz brav verraten, womit ich meine Bilder mache (das wären aktuell die EOS DSLRs 40D, 5D, 7D und eine kompakte G11). Ich habe dann noch eine vage Empfehlung hinterher geschickt. Und die lautete: Mit der G11 würde ich keine Porträts und keine Tier- oder Actionfotos machen. Wenn Sie ernsthaft mit dem Fotografieren anfangen wollen, dann kommt es aber immer darauf an, was Sie fotografieren wollen. Am besten legen Sie sich eine Spiegelreflexkamera zu.

Als ich die Nachricht abgesendet hatte, kamen mir Zweifel. Ich weiß nicht, ob diese Empfehlung wirklich in allen Fällen zutrifft, denn es gibt mittlerweile so viele Möglichkeiten. Selbst wenn wir die Kompaktknipsen mal außen vor lassen: Die Bandbreite an Kameramodellen ist so groß geworden, dass man wirklich von der Qual der Wahl sprechen kann. Gerne würde ich alle Kameramodelle selbst testen, um mir wirklich ein fundiertes Urteil erlauben zu können. Aber ich hab noch keinen Goldesel gefunden, um mir verschiedene Systeme zu kaufen. Und die Sache mit den Sponsoren ist schwierig, denn ich möchte in meiner Meinung unabhängig bleiben.

Welches System?
Heute findet man von der Edelkompakten über die Bridgekameras bis hin zu den spiegellosen Systemen ganz unterschiedliche Kameratypen und –modelle. Es ist nicht gesagt, dass ein Foto-Einsteiger mit einer Spiegelreflexkamera sofort glücklich wird. Es kommt eben immer drauf an… Eigentlich kann man sich erst dann die richtige Kamera kaufen, wenn man weiß, was man will. Und das dauert eine Weile. Im Umkehrschluss kann man also sagen: es ist erst mal egal, welche Kamera man kauft, weil man zunächst eigene Erfahrungen machen muss, und weil man erst mal etwas mehr übers Fotografieren wissen muss, um die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Eine Spiegelreflexkamera ist deshalb die klassische Empfehlung, weil man damit den „Rundumschlag“ machen kann. Man bekommt ein System, das man mit verschiedenem Zubehör (Wechselobjektive, Blitz, Studioausstattung) den meisten fotografischen Bedürfnissen anpassen kann. Auch solchen, die man erst später entdeckt.

Der Trend geht zur Zweit-Kamera
Ich habe als Kind angefangen zu fotografieren, die ersten beiden Kameras bekam ich geschenkt, die dritte kostete 50 Mark. Mit jeder Kamera konnte ich verschiedene Dinge tun, einiges funktionierte, bei anderen Motiven klappte es einfach nicht. Auf diese Weise habe ich schrittweise und über viele Jahre hinweg gelernt, wo die Grenzen meiner Ausrüstung lagen. Erst lernte ich was nicht geht, dann kam irgendwann die bessere Kamera. Darauf kann man sich auch in Zeiten der Digitalfotografie einrichten. Es bleibt meistens nicht bei einer Kamera.
Unterwegs mit meiner ersten Spiegelreflexkamera

Heute hat man aber die Möglichkeit, gleich mit einer Kamera zu starten, die im Wesentlichen alles kann. Wenn man dann trotzdem keine guten Bilder bekommt, liegt es an den Wissenslücken oder an der mangelnden Erfahrung im Umgang mit der Technik (und dem Motiv). Deswegen kann man auch nicht erwarten, dass über Nacht alles besser wird mit den Fotos. Es sei denn, man hängt sich rein und übt, oder man arbeitet am Knowhow. Am besten beides, dann kommt man auch schnell voran.

Vielleicht ist es ein Trost für so manchen Leser dieses Blogs, dass auch ich immer wieder an Grenzen stoße, und mich ärgere. Wenn ich mal sauer bin, dann nicht auf meine Kamera, sondern auf mich selbst. Wenn ein Gerät nicht so funktioniert, wie es soll (auch das gibt es!), dann ärgere ich mich bestenfalls darüber, dass ich zu geizig war, mir was Ordentliches zu kaufen. Meistens sind es aber andere Dinge: Bequemlichkeit, Ungenauigkeit, Unachtsamkeit... Diesen kleinen Piekser nehme ich als Ansporn. Auch beim Fotografieren geht es um Selbstüberwindung, um das ewige Ringen mit dem Inneren Schweinehund.

Wenn Sie demnächst mal wieder die Kamera frustriert in die Ecke legen möchten und mit nichts zufrieden sind, dann erinnern Sie sich an diese Zeilen. Frustration ist oft ein Zeichen dafür, dass man auf dem besten Weg ist, die nächste Lernstufe zu erklimmen. Also bloß nicht stehen bleiben, sondern weiter machen!


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