Dienstag, 17. April 2018

Fotoprojekt Fahrräder (reloaded)

Dass ich Fahrräder mag und sie für ein wunderbares fotografisches Sammelthema halte, hatte ich bereits in einem früheren Blogbeitrag erwähnt. Mit dieser Leidenschaft bin ich nicht allein. Allerdings gibt es so 'ne Fahrräder und so' ne Fahrräder.


Die einen mag man, die anderen offensichtlich nicht. Es war keine besonders kluge Strategie von oBike, Großstädte weltweit mit ihren grässlichen vollgummibereiften gelben Mietfahrrädern zu überschwemmen. Aus einer prinzipiell coolen Idee wurde ein Ärgernis. Dass in meiner sonst so gepflegten Heimatstadt München ein solcher Vandalismus aufkommt, hat mich überrascht. Allerdings handelt es sich nicht um ein lokales Phänomen, wie Berichte und Bilder aus anderen Städten nahelegen. Womöglich liegt es an der Farbkombination, die an eine Invasion von Wespen erinnert?


Seit einiger Zeit gibt es einen Instagram-Trend, der nicht nur die Vermüllung des städtischen Raums dokumentiert, sondern auch sehr kreative Blüten treibt. Es lohnt sich, mal nach dem Hashtag #sadobike zu suchen. 

Das SZ-Magazin hat sich mit diesem Trend befasst und zeigt eine Reihe von Bildern. Die Kommentierung ist gleichermaßen amüsant wie kritisch: Methode, Effektivität, Vandalismusgrad... lesenswert! Grundsätzlich bin ich gegen Vandalismus, aber in diesem Fall zeigt er Wirkung: oBike zieht bis Ende April 6000 von 6800 Rädern aus München ab. Das Scheitern des Geschäftsmodells hat sich das Unternehmen selbst zuzuschreiben: G'lumperts Zeug braucht wirklich niemand. Und was viel schlimmer ist: Keiner kümmert sich um defekte Räder. 


Die blaue Konkurrenz der MVG macht das deutlich besser: Spätestens am dritten Tag werden die Räder abgeholt. Das weiß ich so genau, weil es bei uns im Haus jemanden gibt, der sich gelegentlich eines leiht, um damit nach Hause zu fahren. ;-)

Wir brauchen Leih-Fahrräder, aber nicht so!
Nach dem Vandalismus-Erlebnis mit oBike gibt es nun - typisch deutsch - einen Leitfaden für Fahrradverleiher, und unser Oberbürgermeister schreit nach einem neuen Gesetz... Ja wunderbar. So läuft es leider immer, wenn (nur) einer Mist baut. Künftig darf ein Verleiher nur noch fünf Räder pro Standort aufstellen? Das wird die Millionen Touristen sicher freuen, wenn sie sich ein Radl leihen wollen, und keines mehr finden - danke, oBike.

Im Übrigen ist Fahrrad-Vandalismus kein neues Phänomen. Meistens geht es dabei Drahteseln an den Kragen, die längere Zeit herrenlos und unverschlossen herumstehen. Wenn man die Augen offen hält, sieht man sehr viele solcher Räder. Sie werden nach einiger Zeit zum Ersatzteillager: erst verschwinden die losen Teile, dann das Vorderrad, und wenn nichts mehr abgeschraubt werden kann, kümmert sich die Stadtreinigung um das Gerippe. Geklaut wird natürlich auch sehr viel. Sicher sind einige der unfreiwillgen Ersatzteilstationen Räder, die anderswo vermisst werden. Ein gutes Schloss hilft auch nicht immer.



Das hier war mal ein richtig schickes Rad. Warum der Eigentümer es an einer so abgelegenen Stelle an die Straßenlaterne gekettet und es dann wochenlang nicht abgeholt hat, ist mir ein Rätsel. Schade drum! 




Bei der Stadtplanung wurde bisher eher auf die Autos geschaut, aber nicht auf Abstellplätze für Räder. Garagen und Keller sind nicht immer groß genug, um darin auch noch die Fahrräder für eine ganze Familie unterzubringen. Hinzu kommen die vielen "Fahrradleichen": rostige Radl, die seit Jahren die besten Positionen am gemeinschaftlichen Radständer blockieren und nie bewegt werden. Sobald die Sommerradler ihre Vehikel aus den Kellern und Garagen holen, wird es noch enger, und die Hausverwalter jagen ihre Hausmeister los zur "Fahrradaktion", die meistens nicht viel bringt. Man kann niemanden zwingen, sein Fahrrad zu benutzen. Also geht der Kampf um einen Fahrradabstellplatz in die nächste Runde. Mein Trost besteht darin, dass ich im Sommer noch mehr Motive fürs Projekt finde :-) .

Vielen Dank an Michael Kanthak, der mir diesen Link zugeschickt hat: Berlin fährt Rad, eine Bildstrecke mit vielen Kuriositäten aus der Bundeshauptstadt. 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Bitte nach oben scrollen, um vorherige Kommentare zu lesen.

Neue Kommentare werden moderiert, um Spam und Werbung zu vermeiden. Deshalb kann es ein paar Stunden dauern, bis der Beitrag veröffentlicht wird. Vielen Dank für Ihr/Dein Verständnis.