Freitag, 4. Dezember 2020

Wiederholung (un)möglich?

2020 war ein Ausnahmejahr! Wenn's wenigstens um eine besonders delikate Wein- oder Whiskeysorte ginge, aber nein... Obwohl ich sonst recht viele Architekturmotive in meinem Archiv habe, finde ich heuer fast keine. Meine wenigen Architekturbilder spiegeln inhaltlich eher einen emotionalen Zustand wider. Wie ist das möglich? Es sind doch nur Gebäude...

Ja, aber man kann alles so oder so fotografieren, bei Sonnenschein oder bei trübem Wetter, mit einer engen oder einer weiten Perspektive, mit vielen Details oder ganz minimalistisch. Wenn die Farbe fehlt, schaut alles nochmal viel trister aus. Zäune versperren nicht nur den Weg, sondern auch die Sicht. Bei einem so komplexen Motiv muss man die Linien gut sortieren, sonst sieht es chaotisch aus - und nicht, wie ein gut konzipiertes Gefängnis.

Ausgerechnet bei einer sehr trüben Beleuchtung fiel mir der lange, tunnelartige Durchblick an der Nordseite des Grünwalder Stadions auf. Ein interessantes Motiv für ein langes Zoom, dachte ich, aber das hatte ich an diesem Tag nicht dabei. Deshalb entschied ich mich für die Totale mit ihren vielen verschachtelten Linien. Dass ich nachträglich in Lightroom mit der Funktion Transformieren / Mit Hilfslinien alles ausrichten und die Bilder zuschneiden musste, war von vorneherein klar. Probieren geht über studieren.


Total vergittert: Hier kaschiert eine dunkle Vignette die Unschärfeprobleme, die nach dem Geraderichten an den Bildrändern sichtbar wurden. Beide Motive könnte ich jederzeit noch einmal fotografieren und eine andere Kamera mitnehmen, aber dieser Gedanke ist gefährlich: Die Lichtsituation lässt sich meistens nicht 1:1 wiederholen. Deshalb lautet meine Devise: Erst mal das Motiv mitnehmen, so wie es jetzt gerade ist, mit den Möglichkeiten, die mir zur Verfügung stehen. Dabei gehe ich bewusst das Risiko ein, dass das Ergebnis nicht perfekt wird.

So war es auch bei diesem Motiv, das ebenfalls mit dem Smartphone entstanden ist. Obwohl ich schon mit einer Minuskorrektur gegen die Überstrahlung oben vorgegangen bin, ließ sie sich nicht komplett vermeiden. Mit der Tiefen-/Lichter-Korrektur konnte ich die graue Hausmauer aus dem unterbelichteten JPEG aufhellen, aber irgendwann "zerreißt" es die Pixel, wenn man zu stark an den Reglern zieht. Zur Rettung des Motivs könnte man den Bildausschnitt oben etwas kürzen, aber das Wandgemälde braucht im Foto ein bisschen Raum nach oben, sonst wirkt es für meinen Geschmack zu eng und zu "gedrückt". Dann verliert es den "Hoffnungsschimmer", den man in die helle Wolke mit ihren zartrosa Rändern hineininterpretieren kann. Deshalb ist das Foto auch nicht in Schwarzweiß umgesetzt.

Ist eine Wiederholung dieser Aufnahme möglich?

Das Bild stammt aus dem Frühjahr, jetzt warte ich darauf, dass das letzte Laub von den Bäumen fällt. Erst dann sieht man erneut den motivischen Kontrast zwischen den fein verästelten Bäumen und dem eckigen "Klotz in der Landschaft". Aber wie stark ist der Baum links über den Sommer gewachsen? Womöglich verdeckt er inzwischen die aufgemalte Kugel. Falls ja, funktioniert meine Bildidee nicht mehr so gut wie beim ersten Mal. Auf den dezent grauen Wolkenschleier im Hintergrund werde ich bei einer Wiederholungsaufnahme auch verzichten müssen. Deshalb heißt es: flexibel bleiben. Wenn ich das Motiv wieder fotografiere, werde ich einfach schauen, was es beim nächsten Mal "hergibt". 

Welche Motive gibt es in Ihrem Archiv, die Sie gerne noch ein zweites oder drittes Mal fotografieren würden, möglichst genau so, wie beim ersten Mal? Wenn es sich um etwas handelt, das Sie jederzeit erreichen können: Machen Sie das Experiment.

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