Montag, 30. November 2020

Phantastische Welten

Nichts ist öder als ein grauer Himmel. Oder doch nicht? 

Ohne den fahlen Hochnebel wäre mir gar nicht in den Sinn gekommen, den kahlen Baum genauer in Augenschein zu nehmen. Die Silhouette erinnerte mich an eine Hexe - und ein Kirchturm war auch noch in Sichtweite. Ich musste ein paar Schritte gehen und mit dem Zoom nach der idealen Perspektive suchen, um diese beiden Objekte im Bild zusammenzubringen.

Es ist eine gängige Praxis in der Fotografie, Dinge zu kombinieren, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. So können Sie Ihrem Foto eine Bedeutung geben und die Assoziationen der Betrachter in die eine oder andere Richtung lenken. So eine "Bedeutungsebene" macht Fotos vielschichtiger.

Nachdem ich diesen ersten Baum entdeckt hatte, fiel mir auf, dass daneben noch zwei ähnliche Exemplare stehen. Im Sommer sieht man diese Skulpturen nicht, weil das Laub der Bäume die immergrünen Ranken darunter verdeckt. Erst im Herbst entstehen diese Formen. Ob Sie beim folgenden Motiv an einen Hundehalter denken, der gerade seinen bellenden Vierbeiner zur Ordnung ruft, oder einen lässigen Drachenbändiger entdecken, überlasse ich Ihrer Phantasie.

Zwischen den beiden Protagonisten steht eine Straßenlaterne, die ich mit wenigen Mausklicks in Photoshop wegretuschiert habe. Bei Motiven wie diesem müssen Sie nur den Bereichsreparaturpinsel über die Stelle ziehen, die Sie entfernen wollen - hier die Laterne. Bei etwas komplexeren Objekten verwende ich den Kopierstempel oder ich kombiniere diese beiden Retuschewerkzeuge. 


Bei meinen Aufnahmen habe ich bewusst keine Belichtungskorrektur angewendet, um die Silhouettenwirkung zu erhalten. Es ist aber auch möglich, das grüne "Pflanzengewand" der Naturskulptur im Foto sichtbar zu machen. Es verschwindet, weil das Bild unterbelichtet ist. 

Bei Aufnahmen gegen einen hellen Himmel entsteht die hier im Blog schon oft beschriebene Gegenlichtsituation. Der Himmel, der den größeren Teil der Bildfläche einnimmt, signalisiert der Belichtungsmessung, dass es sehr hell ist. Dadurch belichtet die Kamera das Motiv insgesamt zu dunkel, das Foto wird unterbelichtet. Wenn Sie diesen starken Silhouetteneffekt nicht wollen, und mehr Details im Bild sehen wollen, haben Sie mehrere Möglichkeiten einzugreifen:

  1. Verwenden Sie die Spotmessung an der Kamera und richten Sie das Spot-Messfeld auf den dunklen Bereich. Es kann sein, dass Ihr Foto dann insgesamt zu hell wird. In diesem Fall können Sie mit der Belichtungskorrektur nach Minus für eine stufenweise Abdunklung sorgen, bis die Bildvorschau Ihren Vorstellungen entspricht.
  2. Bleiben Sie bei der Mehrfeld- oder mittenbetonten Messung und nutzen Sie hier die Belichtungskorrektur nach Plus, um das Motiv stufenweise aufzuhellen. Wenn Sie nicht sicher sind: Machen Sie eine Belichtungsreihe.
  3. Fotografieren Sie im RAW-Format und hellen Sie das Motiv später am Computer auf. Sie können auch JPEG-Dateien aufhellen, aber das Rohdatenformat bietet mehr Spielraum.
 
Auch wenn Sie nicht auf Anhieb phantastische Gestalten entdecken: Es gibt viele Objekte mit interessanten Formen, die sich fotografisch gut als Silhouette umsetzen lassen. Das funktioniert natürlich auch bei schönem Wetter vor blauem Himmel oder noch besser vor einem prächtigen Sonnenuntergang. Das Schöne ist: Sie müssen nicht unbedingt auf optimales Wetter warten. Nutzen Sie auch den weißen oder grauen Himmel als Leinwand für Ihre Phantasie.

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