Montag, 30. Juli 2018

Kansas City Shuffle

Kennen Sie den Film Lucky Number Slevin? Das Drehbuch und der Handlungsverlauf sind ausgesprochen anspruchsvoll und obwohl Bruce Willis, Morgan Freeman und Ben Kingsley mitspielen, hat es der Film in Deutschland nicht ins Kino geschafft. Ein Zitat aus diesem Mafia-Thriller ist mir über all die Jahre im Kopf geblieben: Kansas City Shuffle. Das ist ein Codewort für ein Ablenkungsmanöver, das so simpel wie effektiv ist: „Wenn die ganze Welt nach rechts guckt, gehst du links rum.“ (Im englischen Original: “when everybody looks right, you go left.”)

Während die ganze Welt auf eine Mondfinsternis wartet, gibt es noch ganz viele andere Dinge, die fotografisch interessant und womöglich einzigartig sind. Wer tanzt den Kansas City Shuffle?

Shit happens
In vielen Regionen Deutschlands hat es monatelang nicht geregnet. Dann, ausgerechnet während der MoFi, ziehen Wolken auf und es gibt ein Gewitter! Wenn das kein Ereignis ist? Man nimmt sich vor, den Jahrhundertmond aufzunehmen, man bereitet sich womöglich akribisch darauf vor, und dann ist er gar nicht zu sehen... Menno!
Als wir am Freitagabend auf der Dachterasse standen und den trüben Mond über den Häuserschluchten entdeckten, zog der Erdtrabant ganz klein, blass und halb verdeckt von dunstigen Wolken seine Bahn.


Die rosarote Sichel war kaum zu sehen, geschweige denn sinnvoll zu fotografieren. Also genossen wir den Blick über München und beschlossen später wiederzukommen. Als die totale Finsternis eintrat, versammelten sich Nachbarn und Gäste erneut auf dem Dach, um dem Blutmond zu huldigen. Mit bloßem Auge sah er immer noch ziemlich banal aus, was einen Gast dazu veranlasste, seine Erlebnisse aus dem Jahr 1999 zu erzählen. Die entsprachen in etwa dem, was mir selbst widerfahren war:
Für die totale Sonnenfinsternis hatte ich mir einen Tag Urlaub genommen, wir waren aufs Land gefahren und hatten einen Hügel mit freier Sicht gefunden. Einer unserer Besucher hatte gelesen, dass man von einem Berg aus den "herannahenden Schatten" besonders gut sehen könne. An diesem Tag zogen immer wieder Wolken übers Land. Manche Leute sahen die Verfinsterung, andere nicht. Wir gehörten zu denen, die weder die Totalität sahen, noch irgendeinen herannahenden Schatten. Meine Kollegen, die brav zur Arbeit gegangen waren, hatten mehr Glück: Auf dem Firmengelände war zur fraglichen Zeit keine Wolke in Sicht. Menno? Die Situation hat mich gelehrt, dass man nichts erzwingen kann. Im Gegenteil: Die Enttäuschung ist umso größer, wenn man einen Riesenaufwand getrieben hat, und am Ende nichts zu sehen bekommt.

Damals hatte ich gar nicht erst versucht, Fotos zu machen, weil mir die passende (analoge) Ausrüstung fehlte. Gesehen hätte ich die Totalität schon gerne und obwohl es nicht geklappt hat, ist mir der Tag intensiv in Erinnerung geblieben. Perfekte Fotos der SoFi gingen anschließend um die Welt, man konnte sie im Fernsehen sehen und alle Bilder sahen in Etwa gleich aus. Fotos, die im Umfeld des Ereignisses entstanden waren, zeigten das Besondere dieses Tages auf eine oftmals amüsante und eindrucksvolle Weise. Weiter unten finden Sie einen Link zu einer Bildstrecke von damals.
Natürlich ist und bleibt es eine fotografische Herausforderung, wenn man selbst Bilder von so einem kosmischen Ereignis macht, und wenn die Bilder gelingen, darf man zu Recht stolz sein: Probieren geht über Studieren. Es wäre ja irgendwie schade, wenn alle beschlössen, ihre Kameras ruhen zu lassen.

Ein bisschen schmunzeln musste ich, als gegen 22:30 jemand auf die Dachterrasse gestürzt kam, ein eiliges "Hallo" in die Runde der kameralosen Mondanbeter hauchte und mit einer Spiegelreflexkamera freihändig auf den Blutmond zielte. Es ging offenbar nur um ein Beweisfoto, nicht um das Erlebnis, denn die ganze Aktion dauerte nicht länger als eine Minute. Das Bild dürfte etwa so ausgesehen haben.

Was tut man, wenn man die eigenen oder die (vermeintlichen?) Erwartungen der anderen nicht erfüllen kann? Ich plädiere für den Kansas City Shuffle. Man kann auch ein Tässchen Bier trinken, erstaunt die Nachtfalter beobachten, die über den Köpfen der Leute tanzen, oder über die Frage diskutieren, ob wir wirklich allein im Universum sind. Das macht immer Spaß. Wenn ein Ufo erscheint, sollte man dennoch gut vorbereitet sein. Solche Bilder müssen gelingen, damit sie nicht als Fälschungen diffamiert werden. Dass es immer noch keine als echt klassifizierten Ufo-Fotos gibt, liegt sicher nur daran, dass noch niemand eine Schritt-für-Schritt-Anleitung dafür geschrieben hat. ;-)

Dazu passt folgender Nachtrag: Grenzwissenschaften.de erklärt das "Blutmond-Ufo"

Verwandter Artikel: SoFi 2015

Kansas City Shuffle (Youtube) - nicht für zarte Gemüter. Der Ton ist sehr leise in diesem Video, deshalb vorher (und danach) die Systemlautstärke anpassen.

Lucky Number Slevin (Film), Wikipedia
Sonnenfinsternis 1999 (Wikipedia)
SoFi 199 Bildstrecke Spiegel Online 

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