Mittwoch, 17. Juli 2019

Bilder im Netz veröffentlichen - Eine Übersicht

Vor etwa zwanzig Jahren hat die "Digitalisierung" der Fotografie so richtig Fahrt aufgenommen. Es fing damit an, dass wir unsere analogen Kameras gegen Digitalkameras eingetauscht haben. Wir sind von der nach Chemikalien miefenden Dunkelkammer an den Computer gewechselt, und haben gelernt Photoshop zu benutzen. Als das Internet schneller wurde, fingen wir an, unsere Fotos per E-Mail zu verschicken oder ins Netz zu stellen. Nach dem Mobiltelefon mit Tasten und SMS-Funktion kamen die Smartphones mit Touchscreen, integrierter Kamera und mobilem Internet.
Heute ist unser mobiles Fotoalbum ist immer dabei, wir haben es in der Jackentasche. Selbst wenn wir mit "richtigen" Kameras fotografieren, können wir unsere Bilder drahtlos aufs Handy übertragen, oder uns mit dem Smartphone in eine Cloud einloggen, in der unsere Fotos gespeichert sind. Das macht nicht jeder, aber für die meisten Menschen ist Fotografieren ohne Internet nur eine halbe Sache. Bilder sind zum Anschauen da, darum werden sie heute überall "geteilt".


























Die klassische Foto-Homepage hat ausgedient

Dank sogenannter Baukasten-Systeme ist es zunehmend einfacher geworden, eine eigene Homepage ins Netz zu stellen. Mit dieser einmaligen Aktion ist es aber nicht getan. Die Seiten brauchen immer wieder neue Inhalte und sie sollten heutzutage interaktiv sein. Dahinter steckt eine komplexere Technik, die sich auch aus Sicherheitsgründen ständig verändert. Sobald die Seite fertig ist, muss man aufpassen, dass sie den neuesten Anforderungen entspricht und weiterhin funktioniert. Erschwerend kommt hinzu, dass man sich intensiv ums Marketing kümmern muss. Wieviele Besucher auf die Seite finden, sieht man als Seitenbetreiber anhand von Besucherstatistiken, da kommt der Datenschutz ins Spiel. Wählt man eine klassische (statische) Seite, ist die Interaktion mit den Besuchern gering. An genau diesen Schwachpunkten setzen die sozialen Medien an.

Social Media Plattformen machen es leicht
Fotos und Videos können kostenlos hochgeladen werden. Wer sich mit der Bearbeitung nicht auskennt, dessen Dateien werden automatisch skaliert und in ihrer Auflösung optimiert. Bei Instagram ist sogar noch eine Bearbeitungs-App vorgeschaltet, mit der man den Fotos einen coolen Look verpassen kann. Man muss sich nicht um die Funktionsfähigkeit und das Design der Plattform kümmern, sondern kann sich auf die eigenen Inhalte ("Content") konzentrieren. Dann liegt es nur noch am Geschick der Fotografen, wie gut sie sich mit ihrer Fangemeinde vernetzen. Die Gefällt-Mir-Knöpfe und Emojis sind schnell angeklickt. Es gibt keine langen Diskussionen, dafür viel Durchsatz und schnelles Feedback. Folge mir, ich folge dir, und sehe jeden Tag, was Du machst - so ungefähr lautet das Prinzip.
Die Nachteile sind bekannt: Im Gegenzug liefert man Google, Facebook & Co. ständig Futter.  Auch um Werbung kommt man nicht herum, was einige meiner Freunde dazu veranlasst hat, Instagram den Rücken zu kehren. Bei Twitter ist es besonders schlimm, aber das ist kein Ort, an dem man sich schöne Fotos anschaut oder präsentiert. Trotz des hohen Tempos sind Social Media Zeitfresser. Ihr Ziel ist es, den potenziellen Werbekunden möglichst lang bei der Stange zu halten. Da muss man sich gut im Griff haben, sonst sind ganz schnell ein paar Stunden verflogen.

Wo findet man interessante Bilder?
Profis fahren grundsätzlich mehrgleisig. Sie haben eine Homepage, sind aber auch in den sozialen Medien aktiv. Interaktivität ist das Gebot der Stunde. Wer nicht regelmäßig mit der Fangemeinde kommuniziert, landet schnell im Abseits. Wenn Sie sich nur ein paar fotografische Inspirationen holen wollen, können Sie sich fast überall ohne vorherige Registrierung durchklicken. Falls Sie selbst Fotos präsentieren und mit Gleichgesinnten in Kontakt treten wollen, müssen Sie sich entscheiden, welche Plattform für Sie am besten geeignet ist.
  • Instagram ist mit einer Milliarde Nutzer (Juni 2018) der Platzhirsch und Teil des Facebook-Konzerns. Die Aktivitäten der Nutzer werden plattformübergreifend verfolgt, um personalisierte Werbung zu schalten. Auch die Bildinhalte werden analysiert. Bereits 2016 wurden auf Instagram täglich 60 Millionen Fotos hochgeladen. Vom Schrottbild bis zur Meisterklasse ist alles dabei. Mitmachen kann man nur, wenn man einen Account anlegt, schauen kann man auch ohne.
    Die Handhabung ist sehr einfach und auf die Nutzung mit dem Smartphone ausgelegt. Für Computerleute wie mich gibt es seit einiger Zeit eine Möglichkeit, diese technische Hürde zu umgehen: Mit einem Plugin oder einer App für den Browser lässt sich die Seitenanzeige mit einem Mausklick in den Smartphone-Modus umschalten. Danach kann man auch vom PC aus Fotos hochladen.
  • Facebook hat weltweit 2,32 Milliarden aktive Nutzer (2019), davon 384 Millionen in Europa. In Deutschland nutzen 23 Millionen die Plattform täglich. Fotos sind nicht das Hauptanliegen der Nutzer, aber es gibt viele aktive Fotogruppen. Die Sortierung der Bilder und die Suche nach älteren Beiträgen finde ich problematisch. Was nach hinten rutscht, hat kaum eine Chance später noch einmal gefunden zu werden. Man kann Beiträge grundsätzlich nur sehen, wenn man sich registriert, und dann einer Gruppe beitritt. Die Handhabung der Seite und die Sicherheitseinstellungen erfordern etwas Übung.
  • Flickr rangierte 2011 noch unter den fünfzig beliebtesten Seiten weltweit. Bis 2014 gab es zudem eine Kooperation mit der Bildagentur Getty Images, die so manchem Fotografen einen Karrieresprung ermöglichte. 2018 wurde Flickr von Yahoo an SmugMug verkauft, hat aber seinen Namen behalten. Seitdem können im kostenlosen Account nur noch 1000 Bilder hochgeladen werden. Für Neueinsteiger ist das viel, aber für Nutzer, die den Dienst schon seit vielen Jahren nutzen, ist es ein Druckmittel, in den kostenpflichtigen Pro-Account zu wechseln. Flickr hat eine internationale Ausrichtung und man sollte ein paar Brocken Englisch können, um Kommentare zu lesen und zu schreiben.
    Der Aufbau der Seite hat sich seit Gründung der Plattform wenig verändert, es gibt viele Funktionen. Die Organisation der Bilder in Alben und das Einstellen der Sichtbarkeit für bestimmte Personengruppen ist für Einsteiger eher kompliziert. 

Zum Surfen müssen Sie sich nicht registrieren,
starten Sie einfach eine Bildsuche mit irgendeinem Stichwort.
Das klappt auch bei Instagram.

  • Die deutsche Fotocommunity versteht sich als Medium für deutschsprachige Fotografen. Mit 1,5 Millionen Mitgliedern ist sie die größte Internetgemeinschaft für Hobby-Fotografen in Europa. Im kostenlosen Account, der von unschönen Werbeeinblendungen beeinträchtigt wird, kann man pro Woche ein Foto hochladen und maximal 100 Bilder präsentieren. Zum Testen reicht das aus, wer mehr will, ist ab vier Euro im Monat dabei. Die Fotocommunity achtet explizit auf Bildrechte und Datenschutz, es gibt viele Diskussionsforen, Usertreffen, eine Modellsuche und viele lesenswerte Artikel. In der Rubrik "Konstruktives Feedback erwünscht" kann man sich von anderen Fotografen Tipps geben lassen.
    Trotz ihrer Komplexität kann man sich auf der Seite gut orientieren, und die Bedienung ist angenehm einfach.
  • 500px („five hundred pixels“) hat über 13 Millionen registrierte Benutzer aus 190 Ländern, und richtet sich gleichermaßen an Profis wie ambitionierte Amateurfotografen. Englischkenntnisse sind notwendig. Die Bildqualität hat überwiegend Wettbewerbsniveau. 2018 gab es massive Sicherheitsprobleme auf der Seite, es wurden eine Million Accounts gehackt. Beim Surfen wird man alle paar Sekunden über einen Bildschirm-Popup aufgefordert, sich zu registrieren. Das ist nicht so amüsant und schmälert den Genuss des ehemaligen "Geheimtipps", der in Kanada beheimatet ist. 
  • Unsplash ist eher eine Bildagentur, in der viele Kreative ihre Fotos präsentieren, aber auch zur kostenlosen Nutzung freigeben. Diese internationale Community hat sich aus einem Tumblr-Blog entwickelt. Mir gefällt die oftmals ungewöhnliche Bildästhetik, man findet gekonnte Regelbrüche und eine erfrischende Bandbreite von Hochglanz bis Trash. Selbst Firmen wie Apple greifen zu Motiven von Unsplash-Fotografen. Die bekommen kein Geld für ihre Bilder, die Namensnennung ist Ehrensache - also nicht verpflichtend.  Trotzdem ist die kostenfreie Bildverwertung für mache Fotografen ein wichtiges Aushängeschild.
Es gibt nicht nur die großen Player im Netz. Nach meinem Artikel über das Ende von Google+ erhielt ich eine Mail von Lutz P., die ich hier gerne weitergebe: Viele Fotografen waren vom Ende der Community Panoramio ebenso betroffen [wie bei der Schließung von G+]. Viele haben schließlich eine neue Heimat bei „ipernity“ gefunden. Wir (die Nutzer) haben die Plattform vor zwei Jahren gekauft und betreiben sie seitdem in eigener Regie als non profit organzation werbefrei, datensicher aber  deshalb auch gegen einen geringen Jahresbeitrag aus dem wir uns finanzieren (wenn Sie alle Features nutzen wollen, z.B online Nachbearbeitung, Austausch von Fotos, Blog, Picture in Picture usw). Ipernity.com besuchen




Wie ist das so auf Instagram?

Wenn ich den Satz "Folgen Sie uns auf Instagram" gehört oder gelesen habe, bin ich immer zusammengezuckt, und habe gedacht: Ne, das brauche ich nicht auch noch. Ich arbeite grundsätzlich nur am PC oder Notebook. Damit konnte man bei Instagram lange keine Fotos hochladen. Mit der oben erwähnten App für meinen Browser klappt es.

Darum habe ich die "Bilderschleuder" getestet, und mich mal eine Woche lang dort umgesehen. Es ist wie bei Facebook und Twitter: Man landet über kurz oder lang in einer "Filterblase", in der man die Themen gespiegelt bekommt, mit denen man sich selbst beschäftigt. Die Algorithmen schlagen Bilder und Profile von Nutzern vor, deren Bilder und Aktivitäten den eigenen ähneln. Die Interaktivität der Nutzer ist sehr hoch, und so ist es nicht verwunderlich, dass sich auf diesem Fotospielplatz so viele Leute tummeln.

Ich bleibe noch eine Weile dabei und experimentiere weiter.  Ein Kraut-und-Rüben-Portfolio liefert Kraut-und-Rüben-Empfehlungen. Je klarer und konsequenter die eigene Bildauswahl ist, desto mehr bekommt man vom Selben: Tier-, Landschafts-, Porträtfotografie - oder nur Lost Places in HDR?
Das ist alles schön, für mich aber nicht abwechslungsreich genug. Auf der Suche nach Überraschungen nehme ich die Route querfeldein durch den Kraut- und Rübenacker. Mein bisher bestes Fundstück in Sachen Konsequente Fotoprojekte ist Oliver Lauberger mit seinem @daily_kellerfenster aus Offenbach. Um genau zu sein: er hat mich gefunden, und allein dafür hat sich mein Ausflug zu Instagram gelohnt. Wenn ich weitere interessante Profile finde, stelle ich sie hier gerne vor.

Falls Sie Instagram ausprobieren wollen, und auch nur mit einem PC arbeiten, lesen Sie diesen Artikel bei PC-Welt. Dort finden Sie auch die Links zu den Apps, mit denen Sie Ihren Internetbrowser für Instagram fit machen können.

Hier noch einmal alle Links zu den oben vorgestellten Seiten:
Ist Ihre Lieblingscommunity nicht dabei, haben Sie einen Geheimtipp? Dann schreiben Sie mir.

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