Dienstag, 30. Juni 2020

Sonne lacht, Blende acht?



Diese alte Fotoweisheit ist längst überholt. Ihre Kamera kann den ISO-Wert und damit die Lichtempfindlichkeit des Sensors nach Bedarf anpassen. Dadurch haben Sie einen größeren Spielraum, wie Sie die Blende im Modus A/Av einstellen. Zur Erinnerung: Die Blende steuert unter anderem die Ausdehnung der Schärfentiefezone. Wenn Sie mit einem Weitwinkelobjektiv fotografieren, sieht man den Verlauf der Schärfe nicht so deutlich wie bei einer Telebrennweite. Auch die Größe des Kamerasensors spielt eine große Rolle: je größer der Sensor, desto deutlicher sieht man die Wirkung der Blende auch bei kurzen Brennweiten.

Fotografiert man kleine Lichtquellen, zum Beispiel Laternen bei abendlichen Langzeitbelichtungen, dann hat die Blende noch einen anderen Effekt. Sie erzeugt sternförmige Lichter, die umso schönere Strahlenkränze bilden, je weiter man die Blende schließt. Diesen Effekt nutze ich gerne für "Sonnensterne", wobei man aber Vorsicht walten lassen muss.
In einigen Bedienungsanleitungen von Kameras wird explizit darauf hingewiesen, dass der Kamerasensor beschädigt werden kann, wenn man gegen bzw. direkt in die Sonne fotografiert. Die Linsen im Objektiv wirken dabei wie ein Brennglas. Bei mir ist noch nichts kaputtgegangen, aber bevor Sie Ihre Kamera ruinieren, verzichten Sie lieber auf riskante Experimente. Wenn ich solche Aufnahmen auf eigenes Risiko mache, arbeite ich immer sehr schnell und mit dem elektronischen Sucher. Wenn's im Auge blendet, kann es auch für den Sensor nicht gut sein. Meistens verstecke ich mich mit der Kamera im Schatten hinter meinem Hauptmotiv, stelle dort den Autofokus und den Bildausschnitt ein. Anschließend bewege ich mich nur für einen kurzen Moment ein paar Zentimeter nach links oder rechts, um einen kurzen direkten Sonnenstrahl in die Linse zu bekommen. Ich löse aus und nehme die Kamera sofort wieder raus aus dem Gegenlicht.

Kompakt- und Bridgekameras können solche Sterne nur im Weitwinkelmodus abbilden, und auch nur dann, wenn die maximale Blendenstufe f8 oder f11 voreingestellt ist. Trotzdem ist das oft zu wenig für einen Sterneffekt. Leichte Schleierwolken oder Kondensstreifen am Himmel sind das Aus. Bei tief stehender Sonne, die durch Laub scheint, lässt sich die Brechung der Strahlen leichter erreichen. Dann klappt es manchmal sogar mit einfachen Smartphones, die gar keine echte (mechanische) Blende haben. Wenn Ihnen solche Experimente zu riskant sind, werden Sie lieber eine App, die den Effekt künstlich erzeugt, anwenden wollen, oder Sie erledigen das im Bildbearbeitungsprogramm. Es gibt auch auch Schraubfilter für Objektive, mit denen man tricksen kann, aber das sieht im Bild anders aus.

Als ich noch mit einer DSLR fotografierte, hatte ich den Sterneffekt schon einmal beschrieben: Frühlingsgefühle mit Sonnenstern, hier im Blog.

160 mm | 1/200 s | f4 | ISO 125


Mit einer offenen Blende (kleine Blendenzahl) erzielen Sie die sogenannte selektive Schärfe, bei der sich das Hauptmotiv deutlich vom Hintergrund abhebt. Wie welche Blendenstufe im Foto tatsächlich wirkt, hängt zusätzlich von der verwendeten Brennweite (Zoomstellung) ab, und von den Abständen zwischen Kamera, Motiv und dem Hintergrund. Das kann man alles genau berechnen, wird in der Praxis aber selten so gemacht. Am besten Sie probieren es selbst aus. Je weiter das Hauptmotiv vom Hintergrundmotiv entfernt ist, desto besser löst es sich davon. Zoomen verstärkt die selektive Schärfe ebenfalls.

Falls diese ganzen Fachbegriffe für Sie immer noch ein Rätsel sind: In meinen Büchern (und auch in den Kamerahandbüchern) gibt es dazu ausführliche Erklärungen und Beispielfotos. Welches meiner Bücher für Sie am besten geeignet ist, können Sie auf meiner Homepage herausfinden.😊

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