Mittwoch, 8. April 2020

TV-Tipps und ein paar Gedanken


Ich weiß nicht, ob Sie noch in einen viereckigen Monitor schauen können oder wollen?

Die TV-Tipps von kunstlinks.de (vielen Dank!) will ich Ihnen trotzdem nicht vorenthalten. Diesmal gibt es drei Sendungen, die sich um Fotografie drehen, und daneben wieder viel in der Rubrik Kunst&KünstlerInnen. Besonders interessant erscheint mir dieser Beitrag: 

IQ - Wissenschaft und Forschung - Im digitalen Bilderrausch
Dienstag, 21. April 2020 - 18:05 - 18:30 Uhr >> Korrektur: Es ist ein Radio-Podcast auf BR1!

Aus dem Vorschautext: US-Forscher haben untersucht, welche Auswirkungen die Bilderflut auf unsere Wahrnehmung hat. Es macht zum Beispiel einen Unterschied, ob man nur für sich selbst fotografiert oder ob man die Bilder mit anderen über soziale Medien teilt.
Studien zeigen: Fotografieren kann die Freude am eigenen Erleben verstärken, aber auch negative Gefühle intensivieren. Die dauernde Bilderflut verändert unseren Blick auf die Vergangenheit und hat Einfluss auf unsere ganz persönliche Erinnerungskultur. Manche Forscher sprechen schon vom ausgelagerten Gedächtnis, dem sogenannten kognitiven Offloading, das dazu führt, dass Fotografieren sogar Erinnerungsdefizite verursachen kann.

Das kann ich mir gut vorstellen. Wenn man nur fotografiert, um die Bilder gleich danach im Netz zu teilen, geht das eigentliche Erleben verloren. Um Erinnerungen abzuspeichern und später wieder abrufen zu können, brauchen wir Erlebnisse, die alle unsere Sinne ansprechen: Sehen, hören, tasten, riechen, schmecken - auch der Gleichgewichtssinn wird oft genannt. Vielleicht haben wir noch mehr Sinne, die von der "Wissenschaft" noch nicht beschrieben wurden. Je mehr Sinne in einer Situation gleichzeitig aktiviert werden, desto intensiver ist das Erleben und desto wahrscheinlicher werden Sie sich an das Ereignis erinnern - ob mit oder ohne Foto.
  • Wenn Sie fotografieren: was nehmen Sie wahr? 
  • Woran erinnern Sie sich, wenn Sie ein Foto später anschauen? 
  • Welche zusätzlichen Assoziationen kommen hoch, womit ist das Foto in Ihrer Erinnerung verknüpft?
  • Wie gut können Sie eine alte Aufnahme in Ihren persönlichen Zeitkontext einordnen?
Ich bin einmal in einen eisigen Bach gefallen, als ich einen Wasserfall fotografieren wollte. Das war im Sommer 2004 und ich weiß genau, wo das Bild in meinem Archiv liegt. Es ist nicht besonders gut, aber die Erinnerung ist unbezahlbar. Alles war nass - nur die Kamera nicht. Man muss eben Prioritäten setzen. 😅 Ohne das Foto anzuschauen weiß ich noch, wie unsere Reiseleiterin hieß, und ich sehe ein paar Gesichter von Menschen, die auf dieser Reise mit dabei waren.

Während unseres "Hausarrests" haben wir scheinbar nicht so viele Möglichkeiten, intensive Erfahrungen zu machen, aber das ist womöglich ein Trugschluss. Seit ich nur noch begrenzten "Auslauf" habe, sind die Minuten, in denen ich im Freien herumlaufe, ganz besonders wertvoll und intensiv geworden. Wo auch immer Sie die Zeit verbringen: Suchen Sie nach Gelegenheiten, all Ihre Sinne zu aktivieren.

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